Alb-Donau-Kreis / THOMAS STEIBADLER Das Wasser ist sauber, trotzdem sind im Alb-Donau-Kreis zahlreiche Flussabschnitte für Tiere und Pflanzen nicht besonders lebenswert. Die Nitratwerte des Grundwassers steigen wieder.

Der Sauerstoffgehalt stimmt, an der Sauberkeit gibt es nichts zu mäkeln. Zu diesem Ergebnis kommt die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW), die im Auftrag des Umweltministeriums die Wasserqualität der Donau und einiger Nebenflüsse überwacht. Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie gibt aber noch ein weiteres Ziel vor, das im Alb-Donau-Kreis nur bedingt erreicht wird: die biologische Vielfalt. Das geht aus dem Bericht hervor, den der Fachdienst Umwelt- und Arbeitsschutz auf Antrag der Grünen-Fraktion im Kreistagsausschuss für Umwelt und Technik vorgelegt hat.

Häufig hapert es an der so genannten Durchgängigkeit: Befestigte Ufer sowie Schwellen und andere Bauwerke quer durch Fluss- oder Bachbett hindern Fische und Kleinlebewesen am Wandern. Fachdienstleiter Reinhold Ranz führte aber auch einige Beispiele an, wie solche Hindernisse beseitigt werden. Mit Umgehungsgerinnen an den Donau-Kraftwerken bei Öpfingen und bei Ersingen, mit dem Abbau von Sohlschwellen in der Schmiech bei Sondernach, mit der Renaturierung des verdohlten Stiftbachs bei Langenau-Göttingen oder mit der Umgestaltung der Donau an der Schmiechmündung bei Ehingen. Trotz dieser Verbesserungen kommt die LUBW für Donau, Blau, Schmiech und Große Lauter in der Kategorie "Hydromorphologie" zu dem Urteil: nicht gut/Ziel verfehlt. "Es besteht Arbeitsbedarf", stellte Ranz deshalb fest.

Eines der Instrumente zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtline ist das baden-württembergische Wassergesetz. Dieses sieht unter anderem fünf bis zehn Meter breite Gewässerrandstreifen vor: Dünger und Pflanzenschutzmittel sind dort verboten, Bäume und Sträucher dürfen nicht gefällt werden - es sei denn, das ist für den Unterhalt des Gewässers notwendig. Doch werden diese Vorschriften respektiert? Ranz zeigte ein Foto eines bis zum Bachufer reichenden Maisfelds und schürte damit Zweifel. Die meisten Landwirte bestellten ihre Felder verantwortungsbewusst, sagte der Fachdienstleiter. Aber: "Manche machen's nicht, das ist auch klar."

Verantwortung tragen die Landwirte auch für den Schutz des Grundwassers. "Und die allermeisten sind sich der Verantwortung bewusst", betonte Kreisrat Christian Wittlinger (CDU). Trotzdem ist im Donauried der Nitratgehalt im Grundwasser wieder gestiegen. Fast 75 Prozent des Wasserschutzgebiets Donauried-Hürbe, und damit große Teile des nördlichen und östlichen Alb-Donau-Kreises, sind deshalb "Problemgebiet". Ursache sind stickstoffhaltige Düngemittel. Um den Trend zu stoppen, haben das Umwelt- und das Landwirtschaftsministerium die Einrichtung einer Arbeitsgruppe beschlossen (wir berichteten). Daran werden die Landeswasserversorgung, die im Donauried Grundwasser fördert, und Landwirte beteiligt. Ranz deutete an, dass die Arbeitsgruppe Regelungen vereinbaren könnte, die über die Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung (Schalvo) hinausgehen. Demnach könnten Landwirte, die weniger düngen als erlaubt, zusätzlich entschädigt werden.

Die Kreistagsfraktionen kamen in der Sitzung überein, dass die Verwaltung regelmäßig einen solchen Wasser-Bericht vorlegen solle. Landrat Heinz Seiffert sagte dies zu, Gewässerschutz sei schließlich eine Daueraufgabe.

Aktivkohle holt Spurenstoffe aus dem Abwasser

Kläranlagen Arzneimittelrückstände, Weichmacher, Süßstoff, Desinfektionsmittel: Alles, was im Abwasser landet und in der Kläranlage nicht herausgefiltert wird, gelangt in den Vorfluter. Also in den Fluss, in den das Wasser von der Kläranlage fließt. Um solche organischen Spurenstoffe aufzufangen, ist im Klärwerk Steinhäule eine weitere Reinigungsstufe in Betrieb gegangen. 39 Millionen Euro hat die Aktivkohle-Adsorptionsanlage gekostet, 4,3 Millionen davon kamen von der EU, 2,6 Millionen vom Land. Das Land fördert auch die Nachrüstung der Kläranlagen in Laichingen und in Westerheim. Dort werden mehr als fünf Millionen beziehungsweise 1,75 Millionen für Aktivkohle-Filter ausgegeben. In Laichingen soll die neue Reinigungsstufe in diesem Jahr in Betrieb gehen, in Westerheim soll mit dem Bau begonnen werden. In Ermangelung eines Vorfluters fließt das Wasser aus diesen beiden Kläranlagen ins Grundwasser.