Untermarchtal Flüchtlinge: Kloster-Arbeitskreis trifft sich

Untermarchtal / KARIN MITSCHANG 27.03.2015
Auch bei den Untermarchtaler Vinzentinerinnen ist die Hilfe für Flüchtlinge ein großes Thema. Der neue Generalrat hat einen Arbeitskreis dazu ins Leben gerufen, der Ideen sammeln soll.

Nach der Wahl des neuen Generalrats der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul, der mit Schwester Elisabeth Halbmann als neuer Generaloberin den Orden leitet, hat sich das Gremium kürzlich erstmals getroffen; um sich neu zu positionieren und die Aufgaben zu besprechen, die es zu verteilen gilt. Zwar ist mit dem Ausscheiden der bisherigen Generaloberin, der 71-jährigen Schwester Lintrud Funk, nur ein Wechsel passiert, und neu im Gremium ist lediglich Schwester Gabriele Maria Sorg aus Rottweil. Und doch ist eine gewisse Aufbruchstimmung im neuen Rat zu spüren, auch wenn die Rätinnen die Arbeit von Schwester Lintrud in den vergangenen sechs Jahren sehr schätzen. „Sie ist ein Mensch, der sehr auf Sozialkontakte ausgerichtet ist“, sagt die neue Generalassistentin, Schwester M. Karin Weber, über Lintrud. „Sie ist sehr spontan und knüpft schnell Kontakte, das ist ihre große Stärke.“ Wie die Missionsprokuratorin, Schwester Anna-Luisa Kotz, sagt, wurden in der Amtszeit von Schwester Lintrud auch wichtige Weichen für die Zukunft gestellt. Allein schon wegen des demographischen Wandels, der auch am Mutterhaus in Untermarchtal nicht spurlos vorübergeht, musste sich die derzeit noch etwa 320 Schwestern große Ordensgemeinschaft weiterentwickeln, wie Schwester Gabriele Maria sagt. „Die gesellschaftlichen Veränderungen spiegeln sich auch bei uns wider.“ Unter den vielen alten Schwestern seien nur noch 50 unter 65 Jahren, und in den Klosterbetrieben arbeiten immer mehr Menschen von außerhalb. Schwester Anna-Luisa: „Die nötigen Umstrukturierungen sind also schon umgesetzt, natürlich auch in den Klosterbetrieben. Sie gingen von uns Schwestern aus, und das wird sich auch fortsetzen müssen.“

Als Orden kleiner zu werden habe auch viele Chancen, wie Generaloberin Schwester Elisabeth Halbmann betont: „Manches wird sich reinigen. Wir können als kleinere Gemeinschaft manches klarer ordnen und uns auf das Wesentliche konzentrieren.“ Schwester Anna-Luisa: „Die Einzelne kann sich mit ihren Stärken besser einbringen und ihren eigenen Platz im Orden finden. Wir können uns gut gegenseitig leben lassen.“

Auf lange Sicht müssten sie sich aufgrund der sinkenden Zahl von Schwestern auch von mancher Immobilie trennen, räumen die Ratsmitglieder ein. Als Flüchtlingsunterkunft eigneten sich viele der Räume in Untermarchtal freilich nicht, sind sie überzeugt. Allein schon wegen der gesetzlichen Anforderungen an Sanitär- und Schlafräume.

Doch die Hilfe für Flüchtlinge und Asylbewerber war auch ein großes Thema im letzten Generalkapitel der Barmherzigen Schwestern. Das ist das Gremium mit der obersten Autorität des Ordens, in dem auch der Generalrat gewählt wird. Schwester Elisabeth: „In unserer gemeinschaftlichen Lebensordnung nach dem Evangelium sind uns besonders die Armen wichtig. Menschen in Not, ob geistige oder körperliche Not, behinderte und kranke Menschen und Suchende.“ Zum Thema Asylbewerber sei deshalb nun ein Arbeitskreis unter der Leitung von Schwester M. Karin gebildet worden, der am 10. April zusammenkommen wird, um einen Überblick zu bekommen, wie die Schwestern in der Region und an anderen Standorten helfen können.

Sie wollen sich dabei gerne mit der Gemeindeverwaltung abstimmen, wobei deren derzeitige Flüchtlingsfamilie, wie berichtet, keine Unterstützung benötigt. Denn sie hat bereits zum zweiten Mal einen Asylantrag gestellt, spricht Deutsch und kommt bereits alleine zurecht.

Es gibt derweil schon andere Handlungsfelder beim Thema Flüchtlinge, wie Schwester M. Karin informiert. Kürzlich habe sich der Orden bereit erklärt, in Ausnahmefällen ein oder mehrere Personen für eine gewisse Zeit im Bildungshaus aufzunehmen. Das Landratsamt Alb-Donau-Kreis weiß Bescheid. Zudem arbeitet eine der Schwestern schon seit längerem in Oggelsbeuren in der Stiftung „Heimat geben“, die Kontingentflüchtlinge aus Syrien aufnimmt. Eine weitere arbeitet bei „Refugio“ in Stuttgart mit, einem gemeinnützigen Verein, der sich die Beratung und Behandlung von Folterüberlebenden zur Aufgabe macht.

Außerdem haben die Vinzentinerinnen seit 2013 eine Wohnung im Ferienhaus in Scheffau im Allgäu ans Landratsamt Lindau vermietet, das dort derzeit Flüchtlinge aus Syrien untergebracht hat. Schwester Elisabeth: „Es ist wichtig, dass die Menschen aus den Sammelunterkünften rauskommen und Raum für sie geschaffen wird.“ Welche Religion die Menschen haben, spiele bei den Überlegungen in Untermarchtal eine zweitrangige Rolle. Wer offen für die Schwestern ist werde nicht abgewiesen, und auch sie wollen offen auf Hilfsbedürftige zugehen. Manche der genannten Aktionen gehen von den Schwestern aus, manchmal kommen aber auch Anfragen von außen. Mit dem neuen Arbeitskreis sollen die Bemühungen bald systematischer vorangetrieben werden.

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