Asyl Flüchtlinge im Raum Munderkingen: Problem ist der Wohnungsmangel

Kommen im niederschwelligen Sprachkurs mal aus den Unterkünften raus: Afghananen, Pakistani, ein Palästinenser, ein Kosovare und ein Syrer lernen bei Togan Ismail Vokabeln und Grammatik.  Foto: Mitschang
Kommen im niederschwelligen Sprachkurs mal aus den Unterkünften raus: Afghananen, Pakistani, ein Palästinenser, ein Kosovare und ein Syrer lernen bei Togan Ismail Vokabeln und Grammatik. Foto: Mitschang © Foto: Foto: Mitschang
Munderkingen / KARIN MITSCHANG 19.01.2017

Lichtblicke sind es für Beate Kast, die Flüchtlingsbeauftragte der Verwaltungsgemeinschaft Munderkingen, wenn sie Erfolg hat bei der Vermittlung einer Ausbildung. Oder wenn ein syrischer Bäcker hier ein Praktikum macht und mit seinen Kindern täglich Deutsch übt. Oder wenn sie motivierte junge Männer aus der Kirchgasse trifft, die schon Deutschkenntnisse aus Videos besitzen, weil sie nun Internet haben. „Es läuft ganz gut“, ist das Fazit der Ersingerin. Auch wenn keine Zeit für Projekte ist, sondern sie all ihre Zeit braucht, um in Einzelfällen zu helfen, bei Kindergeld, Jobcenter oder Antragsverfahren. Seit Mai 2016 koordiniert Kast die Flüchtlingshilfe in den Gemeinden mit Anschlussunterkünften. Inklusive Erstunterbringung schätzt sie die Zahl der Flüchtlinge im Raum Munderkingen auf etwa 150.

Helferkreise sind geschrumpft

Weil fast keine neuen Flüchtlinge mehr nachkommen – nach Rottenacker sollen im März wohl wieder welche zugewiesen werden –, ist der Bedarf an Unterstützung durch die Helferkreise vor Ort weniger geworden. Diese sind geschrumpft. „Die Motivation lässt überall etwas nach, nachdem die wichtigsten Sachen wie Möbel und Kleidung organisiert sind“, sagt Kast. „Die Flüchtlinge haben untereinander auch Netzwerke gebildet, bleiben viel unter sich, helfen sich gegenseitig auch schon beim Dolmetschen.“ Dass die Hilfe zur Selbsthilfe geklappt hat und Deutsche nicht bei jedem Behördengang oder Fahrten nach Karlsruhe zum Interview beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf)  benötigt werden, sei ein enormer Fortschritt.

Weil Menschen, die nicht aus Syrien, dem Irak, Iran, Eritrea oder Somalia kommen, vom Bamf keinen Integrationskurs finanziert bekommen, haben Kast und das Institut für Bildung (IFB) aus Senden reagiert: In Munderkingen hat das Landratsamt unbürokratisch zwei niederschwellige Sprachkurse finanziert, in denen die Flüchtlinge jeweils dreimal in der Woche mit Lehrer Togan Ismail zumindest auf das niedrigste Niveau in Deutsch kommen: A1. Auch wenn man für eine Ausbildung mindestens B1, besser B2, bräuchte: Die Nachfrage ist hoch, 33 haben sich angemeldet, auch der zweite Kurs startet in der kommenden Woche. Kast: „Ich bin sehr froh, dass wir mal zentral in Munderkingen solche Kurse anbieten können.“

Jalali Mustafa, 31, besucht zusammen mit seiner Frau Nerges (26) den ersten Kurs, er wohnt in Untermarchtal, will aber irgendwann in eine Großstadt ziehen. Die beiden kamen schon im November 2015 in Deutschland an, nach Karlsruhe wurden sie zuerst nach Erbach in die Gemeinschaftsunterkunft gebracht, bevor sie nach Untermarchtal zogen. „Wir wollen gerne hier bleiben und hier arbeiten, und ohne Sprachkenntnisse geht nun mal nichts“, sagt der Afghane aus Kabul, der dort Projektmanager in einer Security-Firma war. Für Afghanen sei es nicht, leicht hier Fuß zu fassen. Obwohl das Paar schon so lange in Deutschland lebt, steht ihr zweites Interview in Sachen Asylverfahren in Karlsruhe noch aus.

Für die Syrer sei das Asylverfahren endlich deutlich schneller, weiß Kast zu berichten. Während der zweite Munderkinger Integrationskurs mit Menschen aus den entsprechenden Herkunftsländern wie Syrien, der im Sprachniveau B1 mündet, noch läuft, freut sie sich auf das baldige Abschlussfest für den ersten Kurs. Ein dritter soll im Frühjahr starten, auch diesen gibt Ismail (IFB). „Wir waren überrascht, dass 70 Prozent die Prüfung bestanden haben – ein Erfolg, der sich sehen lassen kann“, sagt Meltem Madenci, Chefin des IFB. Sie plant für Ehingen einen Integrationskurs für Frauen mit Kinderbetreuung. Der Bedarf sei hoch. „Wenn Frauen nicht früh die deutsche Sprache lernen, kommen sie auch später nicht mehr aus dem Haus raus. Ich möchte nicht, dass sich die Geschichte wiederholt“, sagt Madenci mit Blick auf türkische Frauen.

Familienzusammenführung sei im Raum Munderkingen bei den Flüchtlingen eher kein Thema, sagt Kast auf Nachfrage. In Oberstadion sei es einem Syrer abgelehnt worden, Frau und Kinder nachzuholen, weil die Frau  algerische Staatsangehörige ist und die Familie auch in Algerien ist. In Untermarchtal laufe dazu noch ein Verfahren, und in Obermarchtal durfte die Familie Wakkas bekanntlich nachkommen.

Warten auf die Politik

Das größte Problem sei – wie in allen Gemeinden – die Wohnungsnot, sagt Beate Kast. „Das ist ein sehr, sehr großes Problem. Wenn der Asylant anerkannt ist, bekommt er ohne Ausbildungsplatz oder Arbeit nur im selben Ort eine Wohnung bezahlt, und zu solchen Bedingungen, zu denen findet man selbst in Munderkingen nichts.“ Es seien schlicht keine geeigneten Wohnungen vorhanden, und wenn doch, dann würden Vermieter deutsche Mieter vorziehen. Kast und auch Madenci warten daher dringend auf schnelle Lösungsansätze aus der Politik. Denn ansonsten bleiben die Asylanten gezwungenermaßen weiter in den Unterkünften, die aber theoretisch dann umgewidmet werden müssten.

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