Ehingen Filmemacher verbringt Sommer am PC

Ehingen / KARIN MITSCHANG 25.08.2016
Nik Johannsen ist fleißig am Editieren und Schneiden: Er bringt jede Woche einen Teil der sechsteiligen Serie heraus, die im Raum Ehingen gedreht wurde.

Alles rennt schreiend auseinander, als am Ehinger Marktplatz ein Schuss fällt und der Politiker zu Boden geht. Der junge Mann im Kapuzenpulli wird von schwer bewaffneten Sicherheitskräften bis runter zur Schmiech verfolgt, dort verlieren diese zunächst seine Spur. Bei der Ehinger Energie finden sie ihn dann wieder, doch mit einem metallischen Stift, der einen hellen Schein aussendet, schlägt es ihnen wie durch Zauberhand die Waffen aus der Hand. Es kommt zum Faustkampf, der junge Mann gewinnt und zieht weiter. Unerkannt. Dann die Stimme aus dem Off: „Ein Sklave dieses Landes werde ich nie wieder sein. Mein Name ist John Thomson. Und das ist meine Geschichte.“

Das Ehingen, welches der sechsteilige Kurzfilm „Frozen Light“ zeichnet, liegt zwar nur etwa fünf Jahre in der Zukunft, wie Filmemacher Nik Johannsen aus Ehingen sagt. Doch dieses Ehingen befindet sich nach einem Bürgerkrieg in einem totalitären Staat, in dem Bürger willkürlich hingerichtet und andauernd unterdrückt und durch staatliche Medien belogen werden. John ist dabei ein Mitglied des Widerstands, der Gruppe „Frozen Light“, um die es in der Serie geht.

Der Film, den Nik Johannsen zusammen mit Studentin Tabea Huber aus Kirchen konzipiert und umgesetzt hat, entstand an Drehorten in Ehingen, aber auch in Kirchbierlingen, Kirchen und Mochental. Mit einem Team aus filmbegeisterten Freunden und Bekannten, die teils auch als Schauspieler fungieren, hatte Nik im vergangenen Jahr und dann nochmal im April und Mai diesen Jahres viel Spaß bei der Umsetzung, wie der 19-Jährige sagt. „Auf das Endprodukt kommt es gar nicht so sehr an wie auf den Spaß am Ende des Drehtags und was man dabei dazulernt.“

Manche Filmsequenzen sind per Drohne gedreht, und mit rasanten Schnitten und gekonnten Effekten kommt der erste Teil von „Frozen Light“ fast schon professionell daher. Die neue Ehinger Band Proximitee sowie Nina Edel aus Munderkingen haben sogar selbst geschriebene Musik beigesteuert. Ein Profi im Filmbusiness will von den Jugendlichen allerdings nur Nik selbst werden. Der 19-Jährige kam nach seinem Praktikum bei Liebherr in Australien, wo er auch einen Imagefilm drehen durfte (wir berichteten), in diesem Jahr allerdings zu spät nach Deutschland zurück, um sich noch rechtzeitig für deutsche Filmhochschulen zu bewerben. Er fängt als Assistent demnächst bei einer Nürnberger Filmfirma an, um bis zum nächsten Jahr weitere Erfahrung zu sammeln.

So hat er nun wenigstens Zeit, um die sechs Teile von „Frozen Light“ zu editieren und fertig zu produzieren – auch wenn das bedeutet, den Sommer zum Großteil am PC zu verbringen. Vor einigen Tagen ist der erste Teil auf Niks Youtube-Seite, auf „Thunderslide Productions“, erschienen, und der Ehinger hat den Ehrgeiz, jede Woche donnerstags eine weitere herauszubringen. „Nur diese Woche klappt es nicht, da wird die nächste Folge wohl erst am Wochenende erscheinen.“

Ein Drehtag muss zu den 12 bisherigen noch eingelegt werden, und zwar für Folge fünf. Vor dieser sollen die bisherigen auch noch zusammenhängend als Film veröffentlicht werden. Ansonsten ist jetzt nur noch viel Studioarbeit nötig, bis der 19-jährige Cedric Röder aus Dettingen alias John Thomson wieder auf Youtube in Aktion tritt. Als Politiker-Opfer hatte übrigens Tabeas Vater, Dietmar Huber, fungiert, und Dominik Kuch war einer der Sicherheitsleute. In Folge zwei wird Julia Blumenthal aus Ehingen als Marie zu sehen sein, und Jona Neef aus Allmendingen spielt in der Widerstandsgruppe die Figur Gerrit. Als Bösewicht, weil Parteioberhaupt,  wird Franz Roßmanith aus Ehingen außerdem bald zur Filmfigur Konrad Stolz.