Gelber Staub, der an Autos, Fenstern und Gartenmöbeln hängt, ist derzeit häufiger in der Region zu beobachten. Doch er stammt nicht aus der Sahara oder aus Industrieanlagen. Verantwortlich ist der häufigste Nadelbaum in der Region - die Fichte. Alle vier bis sieben Jahre blühen die Fichten außergewöhnlich stark. Der Wind verteilt die Pollen der männlichen Fichtenblüten - ein Anblick, der schon als "Schwefelregen" beschrieben worden ist.

Fichten tragen neben männlichen Blüten auch weibliche Zapfen. Diese Zapfen sind das Ziel der mit dem Wind fliegenden männlichen gelben Pollen. "Fichten im Liebesrausch", hat die Süddeutsche Zeitung deshalb das Ereignis bezeichnet, das im waldreichen Bayern besonders intensiv zu beobachten ist.

Aber auch im Alb-Donau-Kreis sei die Fichtenblüte in diesem Jahr "absolut auffällig", sagt Thomas Herrmann vom Fachdienst Forst des Landratsamtes. So stark habe er die Fichtenblüte schon lange nicht mehr gesehen. Zuletzt war 2011 ein Jahr, in dem die Fichten stark blühten. Ungefähr ein Drittel der Bäume in den Wäldern der Region sind Fichten, schätzt Herrmann.

Die Blüte richtet sich nach dem Wetter des Vorjahres. Ein warmer und trockener Herbst begünstigt die Fichtenblüte. Ganz gepasst hat dieses Schema für den Alb-Donau-Kreis allerdings nicht: Warm sei es zwar gewesen, aber nicht trocken, sagt Herrmann. Etwa zwei bis drei Wochen dauere die Fichtenblüte nach Einschätzung des Experten jetzt noch - so lange ist also noch häufiger mit viel Gelb auf Autos und Fenstern zu rechnen. Eine häufigere Fichtenblüte durch den Klimawandel sieht der Fachmann im Übrigen nicht.

Die intensive Blüte der Fichten kann Nachwirkungen haben - eine "Vollmast" ist jetzt möglich, bei der alle Fichten Samenzapfen ausbilden. Zum Teil brechen die Kronen der Bäume, wenn die Last der Zapfen zu schwer wird. Die "Vollmast" strapaziere die Bäume, sei aber ansonsten kein größeres Problem, sagt Herrmann. Die meisten Baumarten hätten bestimmte Mastjahre. Das sei kein außergewöhnlicher Vorgang. Mehr Sorgen machen ihm zwei Vorfälle in der Vergangenheit: Im Winter hat es auf der Alb Eisbruch an Bäumen gegeben, der in manchen Privatwäldern noch nicht ganz aufgeräumt sei. Im Süden des Landkreises hat der Orkan Niklas Ende März für Schäden gesorgt. Wenn der Sommer jetzt sehr warm und trocken werde, könnte dies zu einem stärkeren Borkenkäfer-Befall führen, befürchtet Herrmann.

Allergiker müssen im Übrigen keine größere Angst vor der Fichtenblüte haben. "Fichten machen üblicherweise keine Probleme", sagt Prof. Dr. Johannes Weiss, Leiter der Allergologie an der Uniklinik Ulm. Die Pollenkörner der Fichte trügen weniger Stoffe in sich, die eine Überreaktion des Immunsystems auslösen. Sie seien zudem recht groß, was ebenfalls eine Überreaktion verhindere. Allerdings könne ein Asthmatiker Probleme bekommen. Auch Gesunde spüren ab und zu die Anwesenheit der Fichtenpollen: Niesattacken sind dann die Folge. Wirklich gefährlich für Allergiker sei jetzt die Gräserblüte, die bald sehr stark werde. Es hänge vom Wetter ab, wie hoch die Belastung dann werde, erklärte Weiss.

Die "Tannenzapfen", die im Wald zu finden sind, stammen übrigens gar nicht von Tannen, sondern von Fichten. Die Zapfen der Tannen verfallen am Baum, nur die Fichte werfe sie als Ganzes ab, berichtet Experte Herrmann. Die Zapfen der Fichte benötigen nach der Befruchtung durch die gelben Pollen ein ganzes Jahr, um Samen zu entwickeln. Dabei verwandeln sich die rötlichen Zäpfchen in die bekannten braunen Fichtenzapfen. Sie enthalten die Samen. Bei Trockenheit spreizen sich die Schuppen der Zapfen. Die leichten Samen fallen heraus und werden über den Wind verstreut. Auch Tiere wie Spechte oder Eichhörnchen tragen zur Verbreitung dieser Fichtensamen bei.