Feuerwerk Feuerwerk ist Kunst am Himmel

Pia Reiser 31.12.2016

Edgar Rohr ist der Kopf hinter den ganz großen Feuerwerken in der Region: Die Lichterexplosionen beim Donaufest in Ulm, das sommerliche Spektakel im Legoland und auf den Volksfesten in Laupheim oder Biberach stammen aus der Schmiede seiner Firma, der Pyrotechnischen Betriebe Rohr aus Dettingen an der Iller. Auch wenn bei der Ehinger Fasnet der Groggentäler aus dem Groggensee ausgegraben wird, feiern die Narren dies seit Jahren mit einem großen Musikfeuerwerk, das Edgar Rohr zündet.

Eine Leidenschaft für Pyrotechnik hat der 50-Jährige schon von klein auf. „Ich wollte nicht nur wissen, dass etwas funktioniert, sondern auch, warum es funktioniert und das Streichholz brennt“, erzählt der Diplom-Chemieingenieur. Seine pyrotechnischen Wurzeln hat Edgar Rohr in Ehingen-Rißtissen. Als Jugendlicher hat er in der Föhr GmbH, der Feuerwerkerei der Rißtissener Brauerei, geholfen und sie später übernommen. Heute sitzt Rohrs Firma in Dettingen an der Iller und feuert nicht nur Pyrotechnik ab, sondern plant, entwickelt und produziert sie auch.

Jetzt an Silvester hat Edgar Rohr Großes vor: Zum Jahreswechsel zündet er wieder das große Feuerwerk auf dem Bodensee, umgeben von den Schiffen der weißen Flotte. Allein der Aufbau der Abschussvorrichtungen auf mehreren ehemaligen Kiesschiffen dauert mehr als einen Tag, bevor Rohr um Mitternacht von seinem Laptop aus die sorgfältig geplante Lichter-Choreographie startet und steuert. Der 50-Jährige passt das Feuerwerk beispielsweise an die Wetterverhältnisse an: „Wenn es kalt ist, schießen wir vielleicht nur eine viertel Stunde statt 20 Minuten“, erklärt er – damit die Zuschauer nicht anfangen zu frieren. Rund 1000 Kilogramm Pyrotechnik wird Edgar Rohr über dem Bodensee in den Himmel jagen. Zum Vergleich: Beim Groggentäler-Feuerwerk sind es jährlich etwa 100 bis 200 Kilogramm.

Das sind natürlich Dimensionen, die ein durchschnittlicher Silvester-Zündler nie erreicht. Dennoch sollte man einiges beachten, um sicher ins neue Jahr zu starten (siehe Info). „Alkohol, Hektik und keine Vorbereitung“, das sind laut Rohr die schlimmsten Fehler beim Silvester-Feuerwerk. „Wenn man eingekauft hat, hat man doch genügend Zeit, sich alles in Ruhe anzuschauen. Wer will, kann die Sachen nummerieren und sich ein eigenes Programm machen.“ Das sei viel schöner, als ohne Plan zu knallen.

Der Trend geht laut Rohr aktuell übrigens hin zu den Verbund- und Batteriefeuerwerken. „Nach dem Motto: einmal anzünden, drei Minuten Sternenzauber“, erklärt der Pyrotechniker. Auch die bunten bengalischen Vulkane, die weniger knallen und mehr Lichteffekte hervorrufen, würden mehr gekauft. Rohr begrüßt diese Entwicklung: „Das zeigt, dass die Leute die Pyrotechnik bewusster und mehr genießen.“

Dieser Aspekt ist für den Chemiker auch persönlich sehr wichtig: „Ich betrachte Pyrotechnik als Kunst am Himmel.“ Und diese Kunst will sorgfältig geplant sein.

Vor einem großen Klangfeuerwerk überlegt Rohr mit seinem Team, welches Publikum zu welchem Anlass vor Ort sein wird. Auch das politische Umfeld spiele eine Rolle. „Wenn es zum Beispiel angespannt ist, schießen wir weniger militant, also mit weniger Knalleffekten“, erklärt Rohr. Danach wählt das Team die passenden Musiktitel aus, die zusammengeschnitten werden. Um diese Musik wird die Pyrotechnik dann herumgebaut, damit beides miteinander harmoniert. „Ich lege viel Wert auf die enge Verzahnung von Musik und Effekten“, betont der 50-Jährige. Über ein Computerprogramm werden die Abschüsse auf eine zehntel Sekunde genau gesteuert. So wird die jeweilige Bombe einige Augenblicke früher gezündet, damit sie die Zeit hat, in den Himmel zu steigen und genau im Takt der Musik explodiert.

„Das ist dann schon fast Pyromusical“, schwärmt Rohr. Wenn dann noch die Kulisse stimmt, der Wind richtig steht und das Publikum den Eindruck erst einige Sekunden verdauen muss, bevor es applaudiert, ist das Feuerwerk für den Pyrotechniker perfekt.

Tipps für ein sicheres Silvester-Feuerwerk

Edgar Rohr erklärt, worauf es ankommt:
Abbrennplatz Das Feuerwerk sollte auf einer schneefreien und ebenen Fläche gezündet werden. Ansonsten kann es ins Rutschen kommen und Menschen verletzen. Raketen sollten besser aus einer Flaschenkiste als aus einer einzelnen Flasche abgefeuert werden, dies gibt mehr Stabilität.
Abstand  Nach dem Anzünden sollte man schnell Abstand vom Feuerwerk gewinnen. Auch hier gibt ein schneefreier und ebener Boden Sicherheit.
Anzünden Wenn Streichhölzer und Feuerzeug nicht mehr funktionieren, sollte man keinesfalls zur Fackel greifen. Mit einem Glimmstab oder einem kleinen Bunsenbrenner kann dagegen gezielt gezündet werden.
Fehlzündung Hier sollte man etwa 10 bis 20 Minuten warten, bevor man hingeht. 
Kinder Pyrotechnik gehört nicht in Kinderhände, betont Rohr. Wenn diese ihren Kopf etwa über eine Batterie halten, könne dies auch zum Tod führen.
Anleitung lesen Alle wichtigen Informationen zur Handhabung, Zündung und Sicherheit stehen in der Bedienungsanleitung, mehr Details auf den Herstellerweb­seiten.