Rückblick Fest mit politischer Familie

Dr. Wilhelm Tauscher (links) erhielt 1993 als Geschenk zu seinem 80. Geburtstag von Landrat Dr. Wolfgang Schürle einen Nachdruck der alten Oberamtsbeschreibung Ehingen aus dem Jahr 1826.
Dr. Wilhelm Tauscher (links) erhielt 1993 als Geschenk zu seinem 80. Geburtstag von Landrat Dr. Wolfgang Schürle einen Nachdruck der alten Oberamtsbeschreibung Ehingen aus dem Jahr 1826. © Foto: ble
Von Corinna Jirmann 07.06.2018

Vor 25 Jahren

Landrat Dr. Wolfgang Schürle lud vor 25 Jahren zu einem besonderen Fest ein: Es galt, den 80. Geburtstag von Dr. Wilhelm Tauscher zu feiern – und dieser sei schließlich der letzte Landrat in der Geschichte des selbstständigen Landkreises Ehingen gewesen. So rief Schürle quasi die halbe „kommunalpolitische Familie“ zusammen: Es kamen 50 geladene Gäste, darunter auch Dr. Wilhelm Bühler, Landrat des Alb-Donau-Kreises, und mehrere Landratsstellvertreter, in die Caféteria des Ehinger Kreiskrankenhauses, um dem Jubilar die Ehre zu erweisen. Schürle lobte Tauscher dafür, in seiner 18-jährigen Amtszeit viel für die Infrasturkur getan zu haben. Auch sein persönlicher Stil mit einer großen Portion Humor sei vorbildhaft gewesen: „Sie standen stets über der Sache, aber nicht über den Menschen“, sagte Schürle.

„Oberdischingen am Wochenende ein Mekka der Blasmusik“, titelte unsere Zeitung vor 25 Jahren. 49 Kapellen mit mehr als 2000 Musikern waren nach Oberdischingen gekommen, um dort das 23. Kreismusikfest zu feiern, zu dem der Blasmusikverband Alb-Donau-Ulm eingeladen hatte. Unter der Leitung des Kreisverbandsdirigenten Berthold Leicht bliesen die 2000 Musiker vor der Pfarrkirche mehrere Märsche. Zahlreiche Ehrengäste wohnten der Feier bei. Glückwünsche von allen Seiten gab es für den örtlichen Musikverein, der in jenem Jahr seinen 150. Geburtstag feierte. Dann folgte bei herrlichem Sommerwetter ein großer Festumzug mit rund 70 Kapellen, Festwagen und historischen Gruppen, der sich von der Herrengasse durch die Ortsmitte bis zum Festzelt bewegte.

Eine Serie von Autoaufbrüchen sorgte in Ehingen für Aufsehen und beschäftigte die Polizei. Vor allem auf Radio-Kassetten-Geräte und Lautsprecher hatten es die Diebe abgesehen, hieß es im Bericht.

Vor 50 Jahren

In dem Entwurf einer Denkschrift des baden-württembergischen Innenministeriums über zentrale Orte wurde vor 50 Jahren Schelk­lingen als „vollwertige Mittelpunktsgemeinde“ ausgewiesen. Das gab damals Bürgermeister Hans-Joachim Bäuchle dem Gemeinderat bekannt. Solche so genannten Mittelpunktsgemeinden sollten demnach so ausgestattet sein oder werden, dass sie den wiederkehrenden Bedarf eines Verflechtungsgebietes, in dem zwischen 5000 und 10 000 Einwohner leben, decken können. Konkret meinte dies vor allem eine gute Infrastruktur in den Bereichen Einrichtungen (zum Beispiel Freibad, Bibliothek, Schulen), Verkehr und Arbeitswelt.

Die Stadt Ehingen plante, die Baulücke neben dem „Rößle“ in der Unteren Hauptstraße durch den Bau eines Wohnhauses zu schließen. Im Februar 1968 war an jener Stelle ein Teil der Stadtmauer eingestürzt. Die Kosten für den Rohbau des Hauses wollte die Stadt tragen.  Damit würden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, hieß es im Bericht: Die an der Stelle eingestürzte Mauer könne so risikoärmer instand gesetzt werden und die auf die Stadt entfallenden Kosten seien geringer als bei einer Erneuerung der Mauer.

Ende Mai 1968 waren nach Angaben des Arbeitsamtes Ulm bei dessen Dienststellen, wozu auch Ehingen zählte, insgesamt nur 152 Personen arbeitslos gemeldet, was einer Arbeitslosenquote von lediglich 0,2 Prozent entsprach. Zugleich gab es insgesamt 2512 unbesetzte Stellen. Auf die Dienststelle Ehingen entfielen davon 311 Stellen. Vor allem das Handwerk frage Facharbeiter nach.

Was die Welt vor 50 Jahren bewegte

Attentat „Die ganze Welt steht unter Schock.“ Mit diesen Worten begann der ganzseitige Aufmacher am 6. Juni 1968 über das Attentat auf Robert F. Kennedy. Auch auf Seite drei drehte sich alles um den Anschlag. Der jüngere Bruder des 1963 ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy hatte nach einer Karriere als Justizminister und Senator ebenfalls die US-Präsidentschaft angestrebt und am Abend des 4. Juni seinen Vorwahlsieg in Kalifornien im Ambassador-Hotel in Los Angeles gefeiert, als er kurz nach seiner Dankesrede im Ballsaal angeschossen und lebensgefährlich getroffen wurde. Tags darauf verstarb er im Krankenhaus. Noch am Tatort war der Einwanderer Sirhan Sirhan als Tatverdächtiger festgenommen worden. Weltweit zeigten sich Staatsleute, Prominente und Bürger bestürzt. jir

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