"Bevor man net a reicher Mann is, wird ma nie a Geld ham", klagt zu Beginn der Aufführung "Wiener Blut" der Kammerdiener Josef. Um gleich darauf sein "i sag's, wie's is" los zu werden. Solche Sprüche und Running Gags würzten die Inszenierung der Operette, die unter der Regie von Charlotte Leitner und unter der musikalischen Leitung von Giuseppe Montesano in der sehr gut besuchten Lindenhalle zum Jahreswechsel aufgeführt wurde. Viele Weihnachtsgeschenke wurden hier eingelöst. Töchter führten ihre Mütter aus, Ehemänner ihre Frauen. Allen lagen einige Schlager wie " Wiener Blut, Wiener Blut! Eigner Saft voller Kraft, voller Glut!" oder "Du süßes Zuckertäuberl mein, o komm, o komm zum Stelldichein" in den Ohren.

Bei den amourösen Verwicklungen musste man als Zuschauer schon etwas aufpassen, denn ein jeder schien ein "Gspusi" zu haben oder zumindest auf ein "Zeiserl" eifersüchtig zu sein. Die jungen Damen, wahlweise als Flitscherl (leichtlebige Frau) oder Probiermamsell (Mannequin) auftretend, verdrehten dem Grafen Zedlau (Giorgio Valenta) und dem Fürsten Ypsheim-Gindelbach (Dieter Kschwendt-Michel) den Kopf. Als Kammerdiener (Heinrich Schopf) sitzt man natürlich zwischen allen Stühlen und schaut, dass von den feschen Damen auch noch etwas für einen selber übrig bleibt.

Als Kontrast zur feinen Gesellschaft am Hofe tritt in Johann Strauss' beliebter Operette noch ein derber Ringelspielbesitzer (Hannes Prugger) auf, der seine Tochter Franziska (Elisabeth Jahrmann) gerne in gehobene Kreise verheiraten möchte. Notfalls ist er gewillt, die Unschuld der Tochter für adlige Partien aufzuheben. Doch Töchter, erst recht, wenn sie die Laufbahn einer Tänzerin eingeschlagen haben, besitzen einen eigenen Kopf. Wenn der Graf nicht zu haben ist, tut es auch der Premierminister.

Die Inszenierung strich die komischen Momente der Operette wie die Schimpfkanonade des Droschkenkutschers gekonnt heraus, ohne die Operette in ihren wesentlichen Bestandteilen zu verändern. Da es zur Zeit der Handlung im Wien des Jahres 1815 auf dem Wiener Kongress um die Neuordnung Europas ging, floss in einem kleinen Schlenker auch die Gegenwart ein. Ein gemeinsames Europa sei ja lachhaft, befand der Adel. "Womöglich noch mit einer gemeinsamen Währung?", schlug man sich auf die Schenkel und prustete das Wort "Euro" heraus.

Kostüme und Bühne entsprachen ganz den Erwartungen des Publikums, das es gewohnt ist, dass die "Johann-Strauss-Operette-Wien" mit dramaturgischen Experimenten sparsam umgeht. Und so flogen die Röcke und Rockschöße, man fuchtelte mit Spazierstöcken herum, steckte sich "Billedoutscherl" (Billet doux = Liebesbrief) zu und rannte den größten Hallodris hinterher. Tanzeinlagen wie das Ballett zu Beginn des zweiten Akts machten die Aufführung zusätzlich zu einem Augenschmaus. Wie zu erwarten, fanden am Ende die richtigen Paarungen zusammen und das Wiener Blut erfasste auch Leute wie den Premierminister, der drei Akte lang so gut wie kein wienerisches Wort verstanden hatte.