Jubiläum Feine Küche und ein freier Geist

Munderkingen / Andreas Hacker 14.02.2019

Heute vor 20 Jahren, am 14. Februar 1999, haben Inge und Sepp-Dieter Kaspar ihr neues Café Melber in Munderkingen eröffnet. Morgen wird mit Chili con carne und Sekt und dem Duo „Die Zwei“ gefeiert, dass aus dem, was am Fasnetssamstag 1999 begonnen hat, eine ganz eigene Erfolgsgeschichte geworden ist. Die hat viel zu tun mit der feinen Küche, aber auch mit dem Freigeist, mit dem die beiden vor 20 Jahren als Quereinsteiger in der Gastronomie ihr Projekt gestartet haben: nicht mehr fremdbestimmt arbeiten, das eigene Konzept umsetzen. Entstanden ist so ein eigener Kosmos, in dem bei Fisch auf Alblinsen oder Maultaschen mit Apfelsaftschorle und Holunderblüten auch über Gott und die Welt diskutiert wird. Und darüber, wie sich dieses Munderkingen so entwickelt.

Palmen sind erfroren

Es ist nicht so, dass immer alles geklappt hat, was die beiden angefangen haben: Die prägenden Palmen, die das Straßencafé schmückten, sind erfroren. Und die Terrasse aus sibirischem Holz, das eigentlich 20 Jahren halten sollte, ging vorzeitig kaputt, ehe dann mit der Neugestaltung des Marktplatzes der Außenbereich ohnehin verändert worden ist. Doch das bewusste Wiederanknüpfen an die Tradition des alten Kaffeehauses, für das Konditor Franz Xaver Melber am 6. Juli 1899 die Erlaubnis zum Ausschank und „Kleinverkauf von Branntwein, Spiritus, Liqueur, Anis“ erhalten hatte, und deren Ergänzung um eine fettarme, nuancenreiche Küche mit klarem Bekenntnis zu den Produkten der Biobauern aus der Region gelingt.

Es sind zwei Bücher, die das belegen. So erzählt das handgeschriebene Tagebuch, das der letzte Spross der Sippe Melber, der 1997 als Koch ins Schneefernerhaus auf die Zugspitze gegangen ist, nach dem Verkauf des Hausrats den neuen Wirtsleuten als Dauerleihgabe hinterlassen hat, auf 187 Seiten Makabres und Heiteres aus der Geschichte – von 145 Tassen Kaffee, 116 Viertel Wein und 373 Stück Backwerk zum Beispiel, die am Fasnachtssonntag 1936 verkauft worden sind, und dass sich im Gasthaus „Zum Hecht“ Nachbar Karl Blum „eine Kugel durch den Kopf“ geschossen hat.

Voll mit Lob für die Kaspars dagegen ist das eigene Gästebuch mit Einträgen von Annette Schavan bis zum Botschafter Kuwaits, von Daimler-Chrysler bis zum Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband.  Zwei Aspekte tauchen immer wieder auf: Viele Gäste sind auf dem Donauradwanderweg unterwegs, halten eher zufällig und sind begeistert, was ihnen Inge Kaspar vorsetzt, zum Beispiel Geflügelleber in Balsamicosoße mit Bratkartoffeln oder Marillenknödel nach böhmischer Art, und kommen eigens deswegen nochmals nach Munderkingen. Und viele ausländische Besucher sind begeistert, dass sie sich mit Sepp-Dieter Kaspar in ihrer Sprache unterhalten können. Der war einst Stadtführer in Paris, hatte kunsthistorische Reisen in Italien geleitet und war als Cheffahrer bei Krupps Sparte Fahrzeugkrane weltweit unterwegs gewesen und spricht Englisch, Französisch und Italienisch fließend und ist auch mit Spanisch ganz gut unterwegs.

Munderkinger Seismograph

Zum Besonderen im Café Melber gehören aber nicht nur die Bratkartoffeln, die nach dem Kochen ruhen dürfen und danach mit einer Kartoffelharfe mit Drahtfäden hauchdünn geschnitten werden. Da gibt es die weltweit größte Kromet-Sammmlung, die jetzt in der Fasnet wieder hängt. Da gibt es den guten Freund Ewald Schrade und die Kunst, und da gibt es die vielen Stammgäste, die aus  dem Café Melber so etwas wie einen Seismographen machen. Hier finden sich die, die ihr Munderkingen mögen, aber befürchten, dass ihr schönes Städtle zur Kulisse für die Fasnet verkommt. „Man kann es nicht allen recht machen“, sagt Sepp-Dieter Kaspar, „man muss auch mal Kante zeigen.“ Das will der 67-Jährige tun, so lange er und seine Frau das noch können.

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