Kurs Wühlmäuse fangen: Fallensteller unter sich

Etwa 20 Teilnehmer profitierten von den Erfahrungen des Kirchbierlingers Anton Hummel (r.), der schon Hunderte vom Wühlmäusen gefangen hat – und auch diesmal erfolgreich war.
Etwa 20 Teilnehmer profitierten von den Erfahrungen des Kirchbierlingers Anton Hummel (r.), der schon Hunderte vom Wühlmäusen gefangen hat – und auch diesmal erfolgreich war. © Foto: Christina Kirsch
Hundersingen / CHRISTINA KIRSCH 25.06.2018
Im Wühlmausfangkurs wird den kleinen Nagern das zum Verhängnis, was sie gar nicht mögen: Zugluft und Licht. Experte Anton Hummel  gab seine Erfahrungen weiter.

Wühlmäuse sind ein Ärgernis für jeden Gartenbesitzer und verursachen an jungen Bäumen erhebliche Schäden. Deshalb sind Obstbauern, Landwirte und Gärtner auf die grauen Nager gar nicht gut zu sprechen. Anton Hummel ist ein Fachmann im Fallenstellen für Wühlmäuse und gab seine Erfahrungen bei einem Kurs in Hundersingen an Gartenliebhaber weiter.

Auf Initiative der Baumwartevereinigung Ehingen erklärte der pensionierte Polizist alle Finessen des Wühlmausfangs und hatte rund 20 interessierte Zuhörer, die alle schon ihre Erfahrungen gemacht hatten. „Ich bin Waldbauer, und bei mir fressen sie sogar die Wurzeln der jungen Fichten ab“, berichtete Alfred Heger aus Heroldstatt. Auf der Obstbaumplantage von Otto Fürst, auf der der Kurs stattfand, haben sich die Wühlmäuse jüngst über die jungen Obstbäume her gemacht. „Von 350 Neupflanzungen sind 10 Prozent abgenagt“, berichtete der Obstbauer. Den wurzellosen Stamm kann man mit einer Hand aus dem Boden ziehen.

Anton Hummel fängt seit rund 60 Jahren Wühlmäuse. Wer das nicht glaubte, dem rechnete der 67-Jährige vor, dass er bereits als Siebenjähriger Wühlmäuse fing. Damals gab man die Schwänze beim Gemeindepfleger ab und erhielt als Belohnung 30 Pfennige pro Schwanz. „Wir haben dann immer geguckt, wo der die Schwänze dann hingeworfen hat und haben sie wieder von der Miste geholt“, berichtete ein Senior aus Donaurieden aus seiner Jugend. Er schien sich noch heute diebisch darüber zu freuen, dass er einst doppelt kassierte. Die Methode kam auch Hummel nicht ganz unbekannt vor: „Wahrscheinlich haben die Gemeindepfleger das sogar gewusst.“

Jagdleidenschaft ist geblieben

Mit 600 gefangenen Wühlmäusen hatte sich Hummel sein erstes Fahrrad verdient. Die Jagdleidenschaft ist dem Pensionär geblieben und mittlerweile kann sich Anton Hummel in die Lebensweise der Wühlmäuse geradezu hinein fühlen. „Die leben in einem geschlossenen unterirdischen Tunnelsystem“, berichtete der Experte. „Was sie gar nicht mögen ist Zugluft und Licht“. Genau das wird ihnen zum Verhängnis, wenn Hummel Fallen aufstellt.

Zuerst schaut der Kirchbierlinger, wo sich die Erde auf der Oberfläche leicht wirft. Sieht man Löcher an der Oberfläche, ist der Gang bereits verlassen. Bewohnte Gänge sind geschlossen und an leichter Erdaufschüttung erkennbar. Mit einer einzinkigen Gabel sticht Hummel in die Erde und spürt so den Hohlraum eines Wühlmausgangs auf. Der Gang wird mit den Händen frei gelegt und dann platziert Anton Hummel zwei altbayrische Drahtfallen in zwei Richtungen, „weil ich ja nicht weiß, von welcher Seite sie kommt“. Das Loch wird nur ein bisschen mit einem Erdbrocken bedeckt und die Stelle mit einem Fähnchen markiert. „Der Wühlmaus gefällt das gar nicht, dass in ihrer Wohnung eine Türe offen steht“, erklärte der Kirchbierlinger. Also versucht sie, ihren Gang wieder mit Erde zuzuschaufeln und tappt dabei in die Falle.

In Hundersingen legte Hummel vier Fallen und hatte mit einer Erfolg. In einem Fall hatte es die Maus fertig gebracht, ihren Gang wieder zu verschließen ohne die Falle auszulösen. „Die hat dazu gelernt“, meint Hummel anerkennend.

Hilfe zur Selbsthilfe

Aber auch Menschen wie Ralf Schierloh aus Allmendingen hatten an dem Vormittag dazu gelernt. „Ich dachte immer, man muss die Fallen weit in den Gang hinein schieben. Aber das stimmt ja gar nicht“, stellte er fest. Für die meisten Teilnehmer war zudem neu, dass Wühlmäuse nicht auf menschlichen Geruch reagieren. Den Nagern ist es also egal, ob Hummel die Falle vorher mit den bloßen Händen anfasst.

„Ich möchte in meinem Kurs Hilfe zur Selbsthilfe geben“, meinte Hummel, der mit den Leuten auch die Handhabung der Drahtfalle übte. Jeder Teilnehmer profitierte. Ralf Schierloh ist an einer Streuobstwiese in Altsteußlingen beteiligt, „und da haben wir große Wühlmausprobleme“, berichtete er. Vermutlich wird es dort bald geöffnete Wühlmausgänge mit Lichteinfall und Zugluft geben.

Der Jäger sammelt auch Fallen

Anton Hummel ist auch Sammler von Wühlmausfallen. Auf Flohmärkten hat er die unterschiedlichsten Exemplare gefunden. Eine Falle Marke Eigenbau mit integriertem Vorderlader ist das ungewöhnlichste Teil seiner Sammlung. Besonders wirksam und hochwertig ist eine Schweizer Falle für gut 50 Euro aus Edelstahl.

Zu den Raritäten gehört auch eine mit einem Vorderlader, die ihm einst eine Frau aufs Polizeirevier in Laupheim brachte. Sie wisse mit dem gefährlichen Schussapparat, der vor etwa 30 Jahren 19,50 Mark kostete,  nichts anzufangen. Hummel hat die Falle der Firma Hugo Kieferle auch nicht ausprobiert, weil er nicht mit Schwarzpulver hantieren will. Heute stellt die Firma Wühlmausselbstschussfallen mit Patronen her.

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