Natur Esel betreiben etwas andere Landschaftspflege

Untermarchtal / MARIA BLOCHING 08.09.2018
Die Eselbeweidung auf Kalkmagerrasen in den Gemeinden Untermarchtal und Lauterach wird als Erfolg gewertet.

Dem Betrachter bietet sich ein wunderschönes Bild: gemächlich grasen schwarze, graue und braune Esel rund um das Kalkofenmuseum bei Untermarchtal, sie wälzen sich im Gras und fühlen sich sichtlich wohl.

Allein der idyllische Anblick ist schön und gut, doch der Zweck ist ein ganz anderer. Zehn bis 25 Esel sind in diesem Jahr in den Gemeinden Untermarchtal und Lauterach als Landschaftspfleger zum Einsatz gekommen – und sie haben bisher hervorragende Arbeit geleistet. „Das sieht sehr gut aus“, zieht Lydia Steffan vom Landschaftserhaltungsverband Alb-Donau-Kreis Bilanz.

Dieser hat mit Eselhalter Franz Gerstenlauer aus Burgrieden einen Jahresvertrag abgeschlossen, wonach der Nebenerwerbslandwirt mit seinen Eseln – wovon er insgesamt 65 sein eigen nennen kann – auf fünf Flächen mit rund 4,5 Hektar in den Gemeinden Untermarchtal und Lauterach Landschaftspflege betreibt. „Esel eignen sich dafür besser als Schafe oder Ziegen“, ist Gerstenlauer überzeugt. Er arbeitet außer mit dem Alb-Donau-Kreis auch mit den Landkreisen Biberach und Sigmaringen zusammen und hat nur gute Erfahrungen gemacht.

Esel schält die Bäume nicht

„Ein Esel frisst alles bis auf den Stock zurück und macht selbst vor dornigen Schlehenhecken nicht halt“, sagt er. Im Gegensatz zu einer Ziege schält er aber Bäume nicht, sondern hört dort auf, wo ein Schaden für die Natur entstehen könnte.

Bereits vor drei Jahren hatte Bruno Roth aus Untermarchtal die Idee zu dieser Pflegemaßnahme, die natürlich der Unterstützung der Kommune bedarf. „Wir haben die Einzäunung gestellt und sorgen für frisches Wasser. Pro Woche fallen sowohl in Untermarchtal als auch in Lauterach rund vier Stunden für Gemeindemitarbeiter an“, erzählt Bernhard Ritzler, Bürgermeister beider Gemeinden. Alle zwei Tage muss nach den Tieren geschaut werden – für Bauhofmitarbeiter Ingo Fischer eine angenehme Aufgabe.

Früher hat das Regierungspräsidium im Abstand von einigen Jahren die Landschaftspflege mechanisch übernommen, allerdings war nun schon eine Zeitlang nichts mehr getan worden. „Deshalb wussten wir, dass wir etwas für die Natur machen müssen. Von Hand jedoch wäre eine Pflege zu mühsam“, sagt Ritzler. Oberhalb des Kalkofenmuseums war bereits ein Stall vorhanden, dieser wurde hergerichtet und kann jetzt für die Eselbeweidung genutzt werden.

Gut für die Natur

Für den Bürgermeister ist dies eine „Natur zur Natur“-Sache, schließlich finden die Maßnahmen in unwegsamem Gelände in einem FFH-Gebiet mit hohem Schutzbedarf statt. Die Esel bewegen sich auf diesem Magerrasen äußerst vorsichtig, ihre Ausscheidungen sind längst nicht so düngerhaltig wie etwa die von Schafen oder Ziegen.

„Wir haben wenig Vertritt und kein schnelles Nachwachsen“, fasst Eselhalter Gerstenlauer die Vorteile zusammen, zu denen auch der Schutz der Eidechsenpopulation beim Regenüberlaufbecken in Untermarchal und der unmittelbar benachbarte Wohnbau zählen. Dabei ist der trockene Sommer  der Beweidung entgegengekommen: „Dadurch blieb das Futter trocken und knackig. Wenn es bei Regen schnell verfault, fressen es die Esel nicht.“

Die Eselbeweidung ist bisher  ein noch recht unbekanntes, aber dennoch effektives Werkzeug der Landschaftspflege, das sich insbesondere zur Wiederherstellung von trockenwarmen Lebensräumen als auch zur Dauerpflege eignet. In der neu etablierten Beweidung in der Schlichte auf der Gemarkung Lauterach sind die Effekte besonders deutlich zu erkennen. Esel sind keine Wiederkäuer und optimal angepasst, karge Nahrung zu verdauen. Sie drängen das Gras zurück und fördern wuchsschwache Pflanzen, sie dämmen Gehölze ein und sorgen darüber hinaus auch noch für ein schönes Landschaftsbild.

Im Oktober geht’s zurück

Bis Oktober sind die Esel von Franz Gerstenlauer noch als Landschaftspfleger unterwegs, dann geht es zurück nach Burgrieden zum Überwintern im Stall. Zum Fressen bekommen sie dann Heu vom Naturschutzgebiet Federsee: „Nur so kann ich das Fressverhalten vom Sommer weiterführen und sie  auf die neue Saison vorbereiten. Mit gutem Heu von unseren Wiesen geht das nicht“, erklärt der Landwirt.

Im Frühling werden die Tiere dann wieder zurück nach Untermarchtal und Lauterach auf die Magerrasenflächen gebracht. Denn die Eselbeweidung ist sowohl für die Gemeinden als auch für den Landschaftspflegeverband ein Erfolgsmodell, das wohl eine Fortsetzung findet.

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