Stadtgeschichte Entdecken, was Ehingen verbindet

Unter der Trauerweide entlang der Schmiech: Die Stadtführung am Sonntagvormittag konnte viele Fragen klären – aber nicht alle.
Unter der Trauerweide entlang der Schmiech: Die Stadtführung am Sonntagvormittag konnte viele Fragen klären – aber nicht alle. © Foto: Foto. Johannes Maier
Ehingen / Von Johannes Maier 10.09.2018

Freudig überrascht war Dr. Ludwig Ohngemach am Sonntagvormittag: Mehr als 40 Teilnehmer hatten sich zur Führung am Museum eingefunden, die die Museumsgesellschaft Ehingen und das Stadtarchiv anlässlich des Tags des offenen Denkmals angeboten hatten. Alle wollten das älteste Ehinger Stadtviertel kennenlernen: die Untere Stadt.

Stadtarchivar Ohngemach begann seine Führung am Stadtmodell im Erdgeschoss des Ehinger Museums. Die Schwerpunkte lagen auf der Entwicklung, der Geschichte und der Struktur der Unteren Stadt. „Der Aufbau der Unterstadt wird geprägt vom Verlauf der Schmiech“, erklärte Ohngemach.

Immer wieder Hochwasser

Entsprechend habe der Fluss für die Bewohner in der Vergangenheit eine zentrale Bedeutung gehabt. Sowohl ins Positive als Nutzwasserlieferant, aber auch ins Negative durch immer wieder auftretende Hochwasser. Noch immer erhalten sind nicht zuletzt deshalb die zahlreichen Brücken und Überquerungen. Historisch sind diese, wie Ohngemach erklärte, „ein entscheidendes Gestaltungselement für den gesamten Stadtteil.“

Im Anschluss führte der Rundgang an eben diesen Gassen und Brücken entlang. Vorbei an Gebäuden, die früher vor allem ein Quartier für Gewerbe mit handwerklichem Hintergrund gewesen waren. Eine besondere Rolle im historischen Ehingen hatte auch das Heilig-Geist-Spital, in dem heute das Museum untergebracht ist. Das Spital war damals nachweislich die zentrale Wirtschaftseinrichtung, der Eigentümer einer der größten Grundbesitzer in der Gegend.

Dennoch ist längst nicht alles in der langen Geschichte der unteren Stadt geklärt. Gerade die lange verfolgte jüdische Gemeinde Ehingens werfe Fragen auf, berichtete Ohngemach. Bereits im 14. Jahrhundert soll es in der heutigen Altstadt eine Synagoge, eine jüdische Schule und einen Friedhof gegeben haben. Die genauen Örtlichkeiten lassen sich allerdings, wie Ohngemach erklärte, bis heute nicht bestimmen: „Es gibt dort noch viele offene Fragen und im Moment keine belastbaren Fakten.“

Unbekanntes tut sich auf

Zum Abschluss kam die einstündige Führung zum St. Franziskus-Wohnpark, wo bis ins 19. Jahrhundert die lokale Scharfrichter-Familie beheimatet war. Selbst für die vielen in Ehingen ansässigen Teilnehmer dürfte sich bei dem Rundgang damit das ein oder andere Unbekannte in der bis dahin vermeintlich bekannten Heimatstadt aufgetan haben.

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