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Windkraft
Region / Thomas Steibadler  Uhr
In den neuen Vorranggebieten in der Region ist bislang kein einziges Vorhaben  umgesetzt worden.

„Wir brauchen die Windkraft für den Klimaschutz und die Energiewende.“ Der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) hat das kürzlich bei der Präsentation des neuen Wind­atlas für den Südwesten gesagt. Im Gebiet des Regionalverbands Donau-Iller sind die Voraussetzungen für den Ausbau der Windkraft schon vor dreieinhalb Jahren geschaffen worden. Allein im Alb-Donau-Kreis wurden neun neue Vorranggebiete für die Nutzung der Windenergie ausgewiesen. Dort ist bislang aber kein einziges Windrad errichtet worden.

„An uns liegt’s nicht“, sagt Markus Riethe, der Direktor des Regionalverbands. Im bayerischen Teil der Region erschwere die „10-H-Regelung“ den Bau neuer Anlagen. Diese Regelung besagt, dass der Abstand eines Windrads zu Wohngebieten mindestens dem Zehnfachen seiner Höhe entsprechen muss. Kommunen können zwar Ausnahmen zulassen und entsprechende Bebauungspläne aufstellen. Ein solcher Versuch ist im vergangenen Jahr im Süden des Landkreises Neu-Ulm aber gescheitert.

In einem Bürgerentscheid lehnte es die Mehrheit der Altenstadter ab, dass die Kommune per Bauleitplanung die Nutzung der Windkraft regelt. In Kellmünz erbrachte der Bürgerentscheid mit derselben Fragestellung ein anderes Ergebnis. Allerdings sprach sich der Gemeinderat von Osterberg gegen die Windkraft aus. Somit besteht im südlichen Kreis Neu-Ulm ein 250 Hektar großes Vorranggebiet, von Windrädern ist aber nichts zu sehen. Markus Riethe: „Wenn eine Kommune zustimmt und die anderen dagegen sind, dann funktioniert’s nicht.“

Welterbe gegen Windkraft

Auf der baden-württembergischen Seite ist zum Beispiel der Denkmalschutz ein Hinderungsgrund: Im 30 Hektar großen Vorranggebiet bei Öllingen und Setzingen hat das Landratsamt Alb-Donau vor gut zwei Jahren den Bau von Windrädern abgelehnt, weil durch die Masten und Rotoren der Unesco-Welterbetitel der Höhlen im Lonetal gefährdet wäre. Also Welterbe gegen Windkraft: „Da tue ich mich persönlich sehr schwer damit“, sagt Markus Riethe.

Als Hemmschuh für die Windenergie hat sich auch die Bundeswehr erwiesen. Davon berichtet Helmut Gaus, Geschäftsführer der Regionah Energie-Gesellschaft mit Sitz in Munderkingen. Im Vorranggebiet „Pfifferlingsberg“ westlich von Erbach-Ring­ingen will das Unternehmen drei Windräder mit Bürgerbeteiligung errichten. Doch die Bundeswehr reklamiere, dass die 212 Meter hohen Anlagen für die Mindestflughöhe der in Laupheim stationierten Hubschrauber zu hoch seien. Trotz eines anderslautenden Gutachtens weiche die Bundeswehr nicht von der Blockadehaltung ab.

Mit Hilfe eines Rechtsanwalts hofft Gaus, das Blatt doch noch zu wenden, spricht aber von „extrem zähen Verhandlungen“ mit wechselnden Ansprechpartnern. Aufgeben kommt für Gaus nach jahrelangen Vorbereitungen jedenfalls nicht in Frage: „Wir haben sehr viel Zeit und Geld investiert. Wir lassen nicht locker.“

Ein Verfahren zur Baugenehmigung läuft seit zwei Jahren

Auch die Firma WPD mit Sitz in Bremen ist hartnäckig geblieben. Das Unternehmen hat beim Landratsamt Alb-Donau den Bau von drei Anlagen im Vorranggebiet „Laichingen-Weidstetten“ beantragt, das Verfahren läuft seit etwa zwei Jahren. „Wir gehen davon aus, dass wir irgendwann die Genehmigung erhalten“, sagt Projektentwickler Sebastian Grosch. Unter anderem der Artenschutz – in Baden-Württemberg mit besonders ausgeprägten Bestimmungen – und das Wetterradar des Deutschen Wetterdienstes bei Geislingen-Türkheim erforderten unzählige Gutachten. Genehmigungen zu bekommen, werde immer schwieriger.

Der Wind scheint dagegen kein Problem zu sein. WPD habe in dem Gebiet nördlich von Laichingen selbst Messungen angestellt und verfüge über genauere Daten als das Land sie für den Windatlas erhoben habe, sagt Grosch: „Der Wind an dem Standort ist wirklich gut.“ Der Projektentwickler ist daher zuversichtlich, dass WPD nach einer Genehmigung der Anlagen auch den Zuschlag von der Bundesnetzagentur bekommen würde. Denn gefördert und gebaut werden die Windkraftanlagen erst nach Ausschreibung durch die Behörde.

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Keine Anträge im Neu-Ulmer Landratsamt

Stagnation: Vor etwa einem Jahr ist im Alb-Donau-Kreis das bislang letzte neue Windrad in Betrieb gegangen. Die Firma Alb-Naturenergie hat es bei Berghülen errichtet. Das dortige Windkraft-Vorranggebiet besteht seit dem Jahr 2009. Ein weiteres der insgesamt fünf alten Vorranggebiete ist bei Lonsee-Ettlenschieß. Dort wollen die Technischen Werke Schussental (TWS) die vier vorhandenen Anlagen durch zwei größere ersetzen. Der Lonseer Gemeinderat lehnt das ab, das Genehmigungsverfahren beim Landratsamt Alb-Donau läuft noch. Im Kreis Neu-Ulm gibt es drei Vorranggebiete, Anträge auf Genehmigung einer Anlage liegen im Landratsamt nicht vor.