Mobilität Carsharing auf dem Land: Elektroauto für Oberdischingen

Probefahrt: Josef Rapp, Gemeinderat aus Oberdischingen, hat vor der Sitzung am Dienstag das E-Auto getestet und war durchaus angetan.
Probefahrt: Josef Rapp, Gemeinderat aus Oberdischingen, hat vor der Sitzung am Dienstag das E-Auto getestet und war durchaus angetan. © Foto: Rainer Schäffold
Oberdischingen / Rainer Schäffold 15.11.2018
Oberdischingen steigt in die E-Mobilität ein und wird in Zusammenarbeit mit den SWU ein Leihfahrzeug anbieten.

„Wir müssen als Kommune auch Vorreiter sein.“ Dies sagte Bürgermeister Fritz Nägele am Dienstag im Gemeinderat und begründete damit den Einstieg Oberdischingens in die E-Mobilität. Spätestens vom Sommer kommenden Jahres an können Oberdischinger Bürger gegen Gebühr und nach Voranmeldung ein Elektroauto mieten. „Carsharing“ heißt das auf Neudeutsch, möglich macht es eine Kooperation der Gemeinde mit den Stadtwerken Ulm/Neu-Ulm (SWU), die der Gemeinderat einstimmig beschlossen hat.

Unter dem Namen „swu2go“, so ist der Handel, stellen die SWU direkt neben dem Rathaus, am Rande des Parkplatzes, eine Ladesäule mit zwei Anschlüssen auf sowie einen elektrisch betriebenen Renault Zoe zur Verfügung. Die Gemeinde kostet das einmalig 7500 Euro, der Vertrag läuft sechs (Ladesäule) beziehungsweise drei Jahre (Auto). Danach werden beide Seiten eine Fortsetzung prüfen, sagten Katrin Albsteiger und Thorsten Stumpf von den SWU im Gemeinderat.

Erstes Projekt ist überholt

Das Projekt war im September bei einer Dienstbesprechung der Bürgermeister des Alb-Donau- Kreises in Berghülen vorgestellt worden. Vor gut einem Jahr hatte der Gemeinderat beschlossen, eine Ladestation für E-Autos zu erstellen; dies hätte 15.000 Euro einmalig sowie 1000 Euro jährlich gekostet. Diese Option ist nun mit der Kooperation überholt.

Wer das E-Auto mieten will, muss als Privatkunde zunächst eine einmalige Grundgebühr von 20 Euro entrichten sowie monatlich weitere 10 Euro. Pro Stunde kostet das Fahrzeug dann 2,50 Euro, von 20 bis 7 Uhr einen Euro. Der Tagespreis ist auf 25 Euro beschränkt, für die Woche sind 125 Euro zu zahlen. Wer das Auto am Wochenende zwei Tage fährt, zahlt 75 Euro. Für einen Wochenendeinkauf für anderthalb Stunden und zehn Kilometer Fahrt berechnen die SWU 4,75 Euro.

Voraussetzung ist eine vorherige Registrierung im Rathaus  und vor jeder Fahrt eine Buchung, online oder telefonisch. Das Fahrzeug muss natürlich verfügbar sein. Ist es nicht in Gebrauch, „hängt“ es an der Ladesäule, die für dieses Auto reserviert ist. Für andere E-Autos steht die zweite Ladestation an der Säule zur Verfügung. Nach einer Stunde sei der Akku zu 80 Prozent geladen, erklärte Thorsten Stumpf, die Reichweite der Autos bei 100 Prozent Ladung betrage 260 bis 270 Kilometer. Die SWU garantieren 150 Kilometer, weil im Winter die Heizung und im Sommer die Klimaanlage zusätzliche Stromfresser sind. Zudem pflege jeder Fahrer einen anderen Fahrstil.

Ein Chip öffnet das Fahrzeug

Zu fahren ist das Auto wie jedes andere Automatik-Fahrzeug auch. Auf Wunsch erteilen die SWU-Mitarbeiter bei Infoveranstaltungen, die es noch geben werde, eine Einweisung. Sehr einfach sei der Zugang zum Fahrzeug: Über eine Art Chip, ein so genanntes LapID-Siegel, das die Gemeinde bei der Registrierung auf den Führerschein klebt, kann der Nutzer das E-Auto öffnen und auch schließen.

Der Schlüssel befindet sich im Wagen – und schon kann die Fahrt beginnen. Das funktioniere übrigens auch mit den älteren rosafarbenen oder grauen Papierführerscheinen, über die dann eine Folie gezogen werde.

Noch ohne Aufkleber auf seinem Führerschein ist Josef Rapp am Dienstag vor der Sitzung mit dem Renault Zoe gefahren: Das Ratsmitglied war durchaus angetan von den Fahreigenschaften – und lobte die SWU für deren „gute Vorleistungen“. Jetzt müsse nur noch der Bürger das Angebot annehmen.

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Berghülen macht den Anfang auf dem Land

Vorreiter: Seit ein paar Wochen ist in Berghülen ein Elektrofahrzeug im Rahmen von „swu2go“ unterwegs. Schon viele Jahre verfügen die Stadtwerke über E-Fahrzeuge, 350 bis 360 Autos seien’s insgesamt. „Neu ist, dass wir rausgehen aufs Land“, sagte Katrin Albstreiter von den SWU im Oberdischinger Gemeinderat. Drei weitere Kommunen stiegen in den kommenden drei, vier Wochen in „swu2go“ ein, sieben weitere hätten bereits zugestimmt.

Wartezeit: Läuft alles glatt, werde es etwa vier Monate dauern, bis die Ladestation in Oberdischingen installiert und das Auto zur Verfügung steht, erklärte Katrin Abstreiter. Sie geht aber davon aus, dass es eher bis Mitte des kommenden Jahres gehen wird, bis der Startschuss fällt. Konzessionen von Wettbewerbern müssten geklärt werden, der Winter mit Frost könnte die Bauarbeiten verzögern. Beschleunigend ist eher, dass die Stromleitung bereits im Boden liegt, wie Bürgermeister Fritz Nägele sagte: Am Standort befand sich einst eine Telefonzelle.

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