Literatur Eine Sprache wie aus Märchen und der Bibel

Referent Prof. Peter Blickle (Mitte) mit Maria Beigs Tochter Uta Pichler und deren Ehemann Dr. Josef Pichler.
Referent Prof. Peter Blickle (Mitte) mit Maria Beigs Tochter Uta Pichler und deren Ehemann Dr. Josef Pichler. © Foto: Anne Hagenmeyer
Ehingen / Anne Hagenmeyer 07.07.2018

Mit „Babette“ hat Professor Peter Blickle am Donnerstag im Franziskanerkloster eine Romanfigur von Maria Beig vorgestellt, die bei vielen Frauen im Publikum Erinnerungen hervorgerufen hat; das stille Leiden dieser Frau traf auf eine andächtige Stille im Publikum. Der Vortrag mit Vorlesung war die erste der zwei Veranstaltungen in Ehingen zum „Literatursommer Baden-Württemberg“ Gekommen waren viele Landfrauen, und so hieß es im Gespräch nach der Lesung mit dem Herausgeber von Maria Beigs Gesamtausgabe „Ich hatte eine Tante“, „ich kenne diese Frau“ und „ja, die Schwester meiner Großmutter hatte auch nicht geheiratet“.

Fräulein nur mit Beruf

Babette ist einer der vier unverheirateten Frauen aus dem Roman „Hochzeitslose“. Sie folgt ihrem fünfjährigen Bruder, der auf den „Vetternhof“ gegeben wird, weil der väterliche Betrieb nicht mehr die ganze Familie ernähren kann. Somit wird sie nie eine Mitgift bekommen und bleibt unverheiratet. Zwei Generationen zurück kennt man noch diese Mägde, Klosterfrauen oder im besten Fall diese „Fräuleins“, wie sie genannt wurden, wenn sie einen Beruf erlernen konnten.

Die heute 98-jährige Autorin Maria Beig wurde Hauswirtschaftslehrerin und heiratete. 1977 ging sie in den Ruhestand und begann zu schreiben. Es entstanden in den folgenden Jahren 15 Romane und Erzählungen. Den Stoff dafür fand sie vollkommen in ihrer Großfamilie.

Peter Blickle, der im oberschwäbischen Wilhelmsdorf bei Ravensburg aufgewachsen ist, unterrichtet an der Western Michigan University in den USA nicht nur Germanistik, sondern auch „Gender and Womans‘s Studies“. Er hat einst über das Werk von Maria Beig promoviert, und den Stoff für seine Frauenstudien findet auch er im oberschwäbischen bäuerlichen Umfeld im 20. Jahrhundert.

Zur Weltliteratur rechnen

„Mit Ende 80 findet Maria Beig zum ersten Mal zu einem eigenständigen ,Ich’ in ,Ein Lebensweg’ in ihren Lebenserinnerungen“, resümiert Peter Blickle. Darin spiegelt sich die ganze Bescheidenheit dieser Dichterin, die der Literaturprofessor gerne zur Weltliteratur rechnen möchte. Dabei geht es ihm nicht um das, was beschrieben wird, sondern wie es beschrieben wird: „Mit einer Sprache wie aus Märchen und der Bibel“.

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