Kirche Eine Reliquie als Vermittler

Pfarrer Martin Jochen Wittschorek mit der Martinusreliquie. Sie könnte aus den Niederlanden stammen.
Pfarrer Martin Jochen Wittschorek mit der Martinusreliquie. Sie könnte aus den Niederlanden stammen. © Foto: Christina Kirsch
Allmendingen / CHRISTINA KIRSCH 09.11.2018

Pfarrer Martin Jochen Wittschorek hat wegen seines Vornamens eine besondere Beziehung zum Heiligen Martin, dessen Fest am 11. November gefeiert wird. Zu diesem Anlass hat der Geistliche erstmals das Geschenk eines befreundeten Priesters aus seinem Schrank geholt und in die Kirche gestellt.

Beziehung zu Reliquien heikel

„Ich bekam zu meiner Priesterweihe eine Reliquie geschenkt“, berichtet der Allmendinger Pfarrer. Passenderweise ist es eine Martinusreliquie, worauf ein winziger Zettel mit der Bezeichnung „St. Martin“ hinweist. Die Reliquienkapsel ist mit einem bischöflichen Wappen aus Wachs versiegelt und die Reliquie selber besteht aus einem nur wenige Millimeter großen weißen Knöchelchen. „Ich weiß nicht, wo die Reliquie herkommt“, sagt Wittschorek. Das Wappen deute jedoch auf die Niederlande hin. Martinus ist der Diözesanpatron der Diözese Rottenburg-Stuttgart und hat mit dem Martinusweg auch einen eigenen Pilgerweg durch die Diözese bekommen. Die Beziehung zu Reliquien ist bei Gläubigen oft heikel: Manche glauben, dass es sich bei Reliquien tatsächlich um einen Körperteil oder Knochensplitter eines Heiligen handelt. Andere gehen rationaler an die Reliquienverehrung heran und verweisen darauf, dass man vermutlich eine ganzen Wald bräuchte, um den weltweiten Bestand an Kreuzesreliquien abzudecken. „Fast jede Kirchengemeinde hat in ihrem Wettersegen einen Kreuzpartikel“, sagt auch Wittschorek.

Reliquien als Vermittler

Gegner der Reliquienverehrung führen auch immer wieder an, dass es zwei als wahres Haupt des Johannes verehrte Köpfe gibt. Da anzunehmen ist, dass der Bußprediger Johannes der Täufer zu Lebzeiten nur über ein Haupt verfügte, muss mindestens einer der Köpfe jemand anderem gehört haben. Folglich betet man an einem Ort in Richtung des falschen Kopfes. „Die Theologie löst das Problem damit, dass der Himmel die Gebete in die richtige Richtung lenken wird“, sagt Wittschorek. Für den Priester sind solche Überlegungen jedoch nicht relevant. Für ihn sind Reliquien eine Art Vermittler. „Der Mensch sucht nach etwas Anschaulichem und Greifbarem“, erläutert der Pfarrer. Seit jeher gebe es auch Orte, „an die die Menschen hingehen, um Kraft zu schöpfen“. Oft seien das Orte, an denen Menschen zu Tode gekommen sind. „Der mittelalterliche Mensch glaubte daran, dass die göttliche Kraft auch noch nach dem Tod wirkt“, sagt Wittschorek. In diesem Sinn intensiviert eine Reliquie die Beziehung zu demjenigen, von dem sie kommt oder kommen soll.

Durch Berührung Kraft tanken

So geht es auch Martin Jochen Wittschorek, der durch die Reliquie eine besondere Beziehung zu seinem Namenspatron erlangt hat, „denn hinter Martin steckt die Kraft Gottes“. Indem man die Reliquie berührt oder sich von ihr segnen lässt, „kann man Kraft tanken“, sagt Wittschorek. Am Vorabend des Martinsfestes wird der Geistliche nach der Eucharistiefeier um 19 Uhr in Schwörzkirch mit der Martinusreliquie den Einzelsegen erteilen.

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Start am Kirchplatz

Neuer Ablauf In Allmendingen wird das Martinsfest dieses Jahr anders gefeiert als in der Vergangenheit. „Früher sind wir vom Schloss zum Kirchplatz gelaufen“, sagt Pfarrer Martin Jochen Wittschorek. Dieses Jahr beginnt der Umzug am Kirchplatz und endet am Rathaus. Da in Allmendingen immer mehr Kinder am Martinsumzug teilnehmen und sich mittlerweile auch die Krippenkinder beteiligen, seien es einfach zu viele Kinder geworden. Das sei bei Dunkelheit am Schloss und an der Schmiech zu gefährlich, beschloss das Pastoralteam. Wie jedes Jahr gibt es jedoch einen Reiter, der den Heiligen und die Mantelteilung darstellt. Der Musikverein wird den Umzug begleiten. Start ist am 11. November um 18.30 Uhr am Kirchplatz. kir

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