Einer Spaziergängerin, die am Dienstag mit ihren Hunden bei Allmendingen am Heilenberg unterwegs war, ist das passiert. Bei der Mühlenruine wurden die Hunde plötzlich unruhig. Die Frau band ihre Tiere an und sah nach: Eine ganze Horde Meerschweinchen wuselte durchs Unterholz.

Da die Spaziergängerin in Sorge um die Tiere war und sich nicht wegtraute, weil Greifvögel kreisten, alarmierte sie nicht nur das Allmendinger Rathaus, die zuständige Fundbehörde, sondern auch den Verein Katzenhilfe Ehingen, berichtet die Vorsitzende Doris Trenkle. Gefahr war im Verzug. Denn in der Nacht wären die Tiere, nicht an das Leben in der freien Wildbahn gewohnt, sicherlich von anderen Tieren bejagt worden. Die Katzenhilfe machte sich auf den Weg nach Allmendingen. Der Verein hatte der Gemeinde seine Hilfe angeboten. Mit zwei Mitarbeitern des Bauhofs gelang es den Helfern – insgesamt waren es fünf Personen – schließlich, die umherwuselnden Meerschweinchen einzufangen.

Nach drei Stunden waren alle erwischt – die Helfer zählten 23 Tiere. Sie wurden nach Geschlechtern getrennt und in Boxen gesetzt. Zehn männliche und neun weibliche Meerschweinchen sowie einige Jungtiere wurden gefangen. Die meisten der Weibchen sind bereits wieder trächtig. „Es ist zu vermuten, dass dem Eigentümer die Problematik der Vermehrung über den Kopf gewachsen ist“, sagt Doris Trenkle. Tiere auszusetzen sei aber der völlig falsche Weg. Kein Haustier könne in den freien Natur ganz auf sich allein gestellt überleben. Das Aussetzen von Tieren sei eine Straftat.

Die Meerschweinchen – zwei- und dreifarbige Tiere der Rassen Glatthaar-, Rosetten- und Schopfmeerschweinchen – wurden im Allmendinger Bauhof untergebracht, Stroh und Futter wurden organisiert, berichtet Bürgermeister Robert Rewitz. Ein Meerschweinchen sei gestern verendet – vermutlich durch den Stress, sagt Doris Trenkle. Für einige andere Meerschweinchen scheint es aber ein Happy End zu geben: Die ersten der Tiere seien bereits an die Kinder von Mitarbeitern vermittelt, sagt Rewitz. Alle drei Kindergärten seien gebeten worden, mittels Plakaten darüber zu informieren, dass die Gemeinde Meerschweinchen abzugeben hat. Auch im Amtsblatt soll ein Hinweis erscheinen. „Wir möchten alle privat unterbringen“, sagt Rewitz.

Der Vorfall zeige, wie wichtig und sinnvoll ein weiteres Tierheim im Alb-Donau-Kreis sei, sagt Doris Trenkle. Das Ulmer Tierheim sei zu weit entfernt und meist überfüllt. Im Raum Ehingen gebe es nur eine sogenannte tierheimähnliche Einrichtung, das Katzenhaus in Ehingen. Dort werden jährlich rund 250 Katzen vom Verein Katzenhilfe versorgt, betreut und wieder in ein neues Zuhause vermittelt.