Ehingen Josef Keller: Ein Tausendsassa im Ehrenamt

38 Jahre lang war Josef Keller Vorsitzender des SV Niederhofen. Als Ehrenvorsitzender bleibt er „seinem“ Verein weiter erhalten.
38 Jahre lang war Josef Keller Vorsitzender des SV Niederhofen. Als Ehrenvorsitzender bleibt er „seinem“ Verein weiter erhalten. © Foto: Emmenlauer
Ehingen / Renate Emmenlauer 02.06.2018

Über die Stühle ohne Polster, über die ärgerte sich Josef Keller damals. Mitte der 90er Jahre war das, als der Gemeinderat Allmendingen beschlossen hatte, Stühle für die Hochsträßhalle zu kaufen. Nur eben die unbequemere Variante. Josef Keller, zu jener Zeit Ortsvorsteher in Niederhofen, Schwörzkirch und Pfraunstetten, konnte deshalb nur einen Teil an gepolsterten Stühlen aus dem kleinen Budget der Teilorte kaufen, die übrigen Stühle waren polsterlos.

Für den Kommunalpolitiker ein Schildbürgerstreich, für den er sich rächte: Die Allmendinger Gemeinderäte mussten bei der Halleneinweihung auf den ungepolsterten Stühlen sitzen, die Ortschaftsräte und Bürger aus Niederhofen, Schwörzkirch und Pfraunstetten auf den gepolsterten Stühlen.

Mit Herzblut hat sich Josef Keller für die Belange der Bürger eingesetzt. Er habe sich so manches Mal mit den Behörden angelegt, wenn es darum ging, etwas für seine drei Ortschaften zu erreichen. „Meistens habe ich mit meiner Hartnäckigkeit was erreicht“, sagt Josef Keller. Zum 70. Geburtstag schließlich ist er aus vier Jahrzehnten Kommunalpolitik verabschiedet worden – als Gemeinderat, Ortschaftsrat und Ortsvorsteher von Niederhofen, Schwörzkirch und Pfraunstetten.

Füße hochlegen kommt nicht in Frage

In wenigen Monaten wird er 79 Jahre alt – und ist in der Region so bekannt wie eh und je. Kaum einer kennt ihn nicht, den Tausendsassa, wenn es um ehrenamtliches Engagement geht. Ein Ruheständler, der sich noch lange nicht auf sein Altenteil zurückzieht und die Füße hochlegt.

Eine seiner großen Leidenschaften war das Singen im Kirchenchor Schwörzkirch. 48 Jahre lang. Eine andere der SV Niederhofen. 38 Jahre lang führte er den Verein als Vorsitzender, trug zugleich jahrelang als Schriftführer Verantwortung. Zuletzt hat er das Ehrenamt an Franz Steinle abgegeben.

Geblieben ist nach so vielen Jahren ein Lebenswerk, für das sich Josef Keller auch weiterhin in verantwortungsvoller Position einsetzt. „Der SV Niederhofen ist meine schönste Herzensangelegenheit.“ Auch deshalb, sagt er, weil die Menschen, die den Verein mittragen, diesen mit Liebe und Leben erfüllten.

Er blickt zurück auf das Großprojekt Sportheimbau, das ihm, wie er gesteht, schnell graue Haare beschert habe. Man habe zwei Sportplätze in traumhafter Lage gehabt, mit der Hochsträßhalle, die 1995 gebaut wurde, eine perfekte Gemeindehalle in unmittelbarer Nachbarschaft, ideal für den Betrieb im Winter. „Was fehlte, waren Sanitär- und Umkleideräume für die Sportler und am meisten fehlte ein eigenes Vereinsdomizil“, sagt Josef Keller.

Seine Vision, ein Sportheim an die Halle zu bauen, trug wenige Jahre später wegen seiner Hartnäckigkeit Früchte. 1998 begann die Planung dafür, vier Jahre später wurde der Neubau eingeweiht. Von den geschätzten Kosten von damals 900.000 D-Mark mussten mehr als die Hälfte an Eigenleistungen eingebracht werden, damit die Bank der Finanzierung zustimmte. „Ich habe manchmal nicht gewusst, ob wir für die nächsten Gewerke noch das Geld zum weitermachen haben“, sagt der langjährige SVN-Vorsitzende. „Aber bei jedem Arbeitseinsatz waren mindestens ein Dutzend Helfer da. Und manche haben auch weit Mitternacht noch nicht Feierabend machen wollen.“

Angst vor Verschuldung

So groß die Angst war, sich als kleiner Verein mit nahezu null Eigenkapital zu verkalkulieren oder hoch zu verschulden, so groß war die Freude, als nach Fertigstellung noch fast 30.000 Mark übrig waren, um Stühle und Tische für das Sportheim zu kaufen. Gepolsterte Stühle wohlgemerkt.

Obgleich er seinen Posten als Vorsitzender abgeben hat, leitet er weiter federführend den Bereich Veranstaltung und ist auch bei den Liegenschaften dabei. Und wer Josef Keller kennt, weiß, dass der Tausendsassa immer vorne dran ist, wenn es um „seinen“ Verein geht. Übrigens hat er das Ehrenamts-Blut seinen drei Kindern Andreas, Berthold und Ulrike vererbt, die alle beim SV Niederhofen in verantwortlicher Position sind.

Der unermüdliche Einsatz zeichnet Josef Keller einerseits aus, andererseits, dass er stets von Gemeinschaftsleistungen spricht und sich nicht in den Vordergrund stellt. Zu seinem Engagement im Verein zählen im Übrigen auch viele Jahre als Fußballer und Schiedsrichter. Manches Mal bedauert er die Entwicklung und den Wandel, der auch beim Fußball Einzug gehalten hat. „Heute muss alles mit riesigem finanziellem Aufwand betrieben werden.“ Früher, sagt er, habe es beim Training für die gesamte Mannschaft einen Ball gegeben. Jetzt brauche schon jeder Jungspieler seinen eigenen Ball. „Und wir haben damals noch auf einer Wiese mit Begeisterung Rasen gespielt.“

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