Treffen Begegnungstag der Landfrauenvereinigung

Junge Menschen müssen heute viel mehr Aufwand betreiben, um heimisch zu werden: Pastoralreferentin Ulrike Krezdorn hat sich gestern beim Begegnungstag in der Lindenhalle mit dem Heimatbegriff auseinandergesetzt.
Junge Menschen müssen heute viel mehr Aufwand betreiben, um heimisch zu werden: Pastoralreferentin Ulrike Krezdorn hat sich gestern beim Begegnungstag in der Lindenhalle mit dem Heimatbegriff auseinandergesetzt. © Foto: Christina Kirsch
Christina Kirsch 11.01.2018
Rund 80 Besucherinnen beim Begegnungstag der Landfrauenvereinigung im katholischen Frauenbund in der Lindenhalle.

Heute, in einer als unsicher erlebten Zeit, wird der Heimatbegriff wieder stark gemacht“, sagte die Pastoralreferentin Ulrike Krezdorn als Referentin beim Begegnungstag der Landfrauenvereinigung des katholischen Deutschen Frauenbundes. Der Begriff der Heimat erlebe seit ein paar Jahren eine Renaissance ohnegleichen, meinte sie. Bisweilen werde der Heimatbegriff wieder ideologisch mit einer heilen Welt verknüpft, bemerkte die Referentin durchaus kritisch zur Vereinnahmung des Bedürfnisses auf dem politischen Feld. In Parteienwerbung wie die der österreichischen FPÖ mit dem Slogan „Liebe deine Nächsten - für mich sind das unsere Österreicher“ oder Donald Trumps „America first“ finde man diesen ideologisch aufgeladenen Heimatbegriff.

„Heimat – mehr als ein Zuhause“ betitelten denn auch die Organisatorinnen des Begegnungstags in der Lindenhalle den Vortrag des Vormittags. Heimat sei mehr als ein Dach über dem Kopf, erklärte die Diözesanvorsitzende der Landfrauenvereinigung im katholischen Frauenbund Bärbel Kräutle. „Wir wollten den Begriff öffnen“, meinte sie in einer Tagungspause. Das tat auch Oberbürgermeister Alexander Baumann, der in seiner Begrüßung darauf hinwies, dass die Heimat nicht nur geografisch, sondern auch emotional bestimmt sei. „Heimat ist ein kostbares Gut und jeder kann sie haben, sofern er Anspruch darauf erhebt“, bemerkte das Stadtoberhaupt.

Von Mobilität geprägt

Ulrike Krezdorn nahm den Heimatbegriff geschichtlich, psychologisch, soziologisch und biblisch unter die Lupe. Man solle sich einmal überlegen, wie oft man umgezogen sei, gab sie zu bedenken. Daran sehe man, dass die Gegenwart von Mobilität geprägt ist und junge Menschen heute viel mehr Aufwand betreiben müssten, um heimisch zu werden. Noch ihre Elterngeneration sei an ihrem Ort in ein soziales Gefüge eingebunden gewesen, das eine lokal unstete Generation so nicht mehr erlebe. Heimat sei etwas, das einem lieb und vertraut erscheint, meinte die Referentin. „Etwas das uns nicht un-heimlich vorkommt“. Zur Zeiten der Industrialisierung sei die Heimat romantisiert worden und mit dem Nationalsozialismus geriet die Heimatliebe zur Vaterlandsliebe, zur Ausgrenzung und zur Blut-und Boden-Ideologie.

Verlust kann schrecklich sein

Für ihre Schüler sei Heimat ein Ort, an dem sie „verstehen und verstanden werden“, umriss Ulrike Krezdorn einen Heimatbegriff, der nicht an einen Ort gebunden ist. Geborgenheit, Vertrautheit und Sicherheit könne an einem realen oder sozialen Ort erfahren werden. Der Heimatverlust kann dabei schrecklich sein. Das empfänden nicht nur Flüchtlinge, sondern auch Menschen, die beispielsweise in ein Altersheim umziehen. Auch der Verlust des Arbeitsplatzes könne Heimatverlust bedeuten. Vertrautes zu verlassen sei immer ein großer Schritt.

Heimat auch bei Gott

Auch die Bibel ist voll mit Geschichten, in denen es um den Verlust der Heimat, um Flucht und Exil geht. Ulrike Krezdorn bezeichnete es jedoch als falsch, „die Idee der Heimat nur auf das Jenseits zu beziehen“. Das religiöse Credo „Die Heimat ist bei Gott“ dürfe nicht außer Acht lassen, dass man trotz der Brüchigkeit des Lebens auf der Erde seine Heimat finden kann und soll. Das Wissen, dass das Hier und Jetzt noch nicht die letzte Heimat ist, könne einen nicht von einer irdischen Beheimatung abhalten.

Die Frauen feierten im Anschluss an den Vortrag von Ulrike Krezdorn mit Prälat Franz Glaser eine Eucharistiefeier und genossen im Nachmittagsprogramm mit dem Ehinger Sprachforscher Hermann Wax einen Exkurs in die Heimat schwäbischer Alltagswörter.

Der Begegnungstag gestern war von Ruth Wölfle aus Risstissen organisiert worden.