Engagement Bundesfreiwilligendienst: Ein Jahr voller Erfahrungen

Mit dem Schuljahresende naht der Abschied von einer spannenden Zeit (von links): Annabell Schurer, Andrea Sertic, Joline Kabelitz, Sofie Dreher und Sarah Rech machen den Bundesfreiwilligendienst in der Schmiechtalschule und im Schmiechtalkindergarten.
Mit dem Schuljahresende naht der Abschied von einer spannenden Zeit (von links): Annabell Schurer, Andrea Sertic, Joline Kabelitz, Sofie Dreher und Sarah Rech machen den Bundesfreiwilligendienst in der Schmiechtalschule und im Schmiechtalkindergarten. © Foto: Julia Deresko
Ehingen / Julia Deresko 17.07.2018
Freunde fürs Leben gefunden und sich weiter entwickelt: Die Bundesfreiwilligen der Schmiechtaleinrichtungen geben Einblick in eine spannende Zeit.

Ein Jahr voller neuer Erfahrungen liegt bald hinter ihnen. „Wir gehen alle mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Sofie Dreher, und alle in der Runde stimmen ihr zu. Die 18-Jährige ist eine von derzeit sechs Bundesfreiwilligen an der Schmiechtalschule und im Schmiechtalkindergarten in Ehingen. Mittlerweile seien ihnen die Kinder und Schüler genauso wie die Mitarbeiter richtig ans Herz gewachsen, erzählen Sofie Dreher aus Emerkingen, Andrea Sertic (19) aus Allmendingen, Annabell Schurer (19) aus Ehingen und Joline Kabelitz (17) aus Bremelau und strahlen übers ganze Gesicht.

Spielen, reiten, schwimmen

Sie alle sind seit September 2017 für die Kinder und Jugendlichen da und unter der Woche zwischen 8 und 15.30 Uhr vor Ort. Wenn die Kindergartenkinder und Schüler morgens mit den Bussen ankommen, stehen die Bundesfreiwilligen, kurz Bufdis, schon auf dem Parkplatz, um denjenigen zu helfen, die Unterstützung brauchen. „Hauptsächlich begleitet man die Kinder im Alltag“, erzählt Sofie, die im Kindergarten mithilft. So sind die Bufdis bewährte Helfer, wenn es etwa zum Reiten, ins Schwimmbad oder zum Turnen geht. Gemeinsam werden Spiele gespielt oder Spaziergänge im Wald unternommen. „Wir dürfen auch selber Vorschläge machen“, sagt Sofie. Hilfe leisten die Bufdis auch beim Essen und Zähneputzen, das Wickeln gehört ebenfalls dazu. Anfangs habe die Pflege schon etwas Überwindung gekostet, erzählt Andrea, „aber das geht  auch“. Sie selbst ist in der Schule im Einsatz und zwei Mädchen aus der Klasse 7/8 und der Klasse 9c zugeteilt. Beide sitzen im Rollstuhl und sind auf mehr Hilfe als andere angewiesen. Bei all ihren Aufgaben seien die Bufdis immer von den Mitarbeitern der Einrichtungen unterstützt worden und konnten auf sie zählen: „Man kann 100 Mal fragen“, sagt Andrea, und alle in der Runde nicken zustimmend.

Die Verständigung mit den Schülern und den Kindergartenkindern geht nicht nur über die Sprache, sondern auch mit Hilfe von Bildern, der Handführung und mit Gebärden. „Mit der Zeit weiß man, wie die Kinder ticken und wie sie kommunizieren. Und man weiß dann auch, ob sie etwas ernst meinen oder einen veralbern“, erzählt Sofie, und schmunzelt. Überhaupt sei eine Eigenschaft ganz besonders gefragt: „Humor wird hier groß geschrieben“, sagt Andrea. Was man als Bufdi außerdem noch braucht, sei vor allem Geduld. „Mit der Zeit wird man auch selbst geduldiger“, wissen die Freiwilligen aus Erfahrung.

Noch vor einem Jahr hatten alle in der Runde sich die Frage nach der beruflichen Zukunft gestellt. „Ich wollte schon seit der Kindheit mit Kindern mit Behinderung arbeiten“, sagt Andrea, die ebenso wie Sofie nach dem Realschulabschluss die Fachhochschulreife erlangt hat. Beide wollten in den sozialen Bereich und entschlossen sich für den Bundesfreiwilligendienst an den Schmiechtaleinrichtungen. Sowohl Andrea als auch Sofie haben bereits Erfahrungen: „Ich habe in der Familie ein Mädchen mit Downsyndrom“, erzählt Andrea. „Mein Bruder hat Epilepsie und eine Cousine das Downsyndrom“, sagt Sofie. Nach dem Bundesfreiwilligenjahr werden nun sowohl Andrea als auch Sofie im Oktober eine Ausbildung zur Heilerzieherin beginnen.

Annabell hatte nach der Werk­realschule zunächst eine ganz andere Richtung eingeschlagen: „Ich habe eine Ausbildung zur Schreinerin versucht“, erzählt sie. Doch sie habe gemerkt, dass ihr die Arbeit mit Kindern deutlich mehr Freude bereite. Im September beginnt sie eine Ausbildung zur Erzieherin im Kinderhaus Rosengarten. Das hat auch Joline vor: Sie fängt im Herbst im evangelischen Kindergarten in Rottenacker mit der Ausbildung an.

Lebensfreude gewonnen

Von ihrem Einsatz haben alle auch persönlich profitiert: „Ich war anfangs total schüchtern“, erzählt Annabell. Jetzt gehe sie mit einem anderen Selbstbewusstsein durchs Leben: „Es hat mir gut getan.“ Ähnliches kann auch Joline für sich sagen: „Ich habe mich als Person weiterentwickelt.“ Bei Andrea sei das Umfeld anfangs skeptisch gewesen. „Alle haben mir abgeraten“, erzählt sie. Doch sie selbst sei froh, sich für das Bundesfreiwilligenjahr entschieden zu haben und rät auch anderen dazu: „Wer in den sozialen Bereich will, sollte es auf jeden Fall ausprobieren.“ „Am Anfang war ich fix und fertig“, erinnert sich Sofie, „ich hab mich aufs Sofa gelegt und geschlafen.“ Mittlerweile findet sie es „schade, dass es jetzt schon vorbei ist.“ Das Vertrauen der Kinder gewonnen zu haben, mache die Helferinnen stolz: „Das war harte Arbeit“, erzählen die Bufdis. „Wenn ich die Kinder am Anfang und jetzt sehe, haben sie einen riesigen Schub in der Entwicklung gemacht“, findet Sofie. „Das macht einen stolz und glücklich.“

Was ihnen nach dem Jahr bleibt? Tolle Erfahrungen und Freunde fürs Leben, wie Joline und Annabell erzählen. „Ich habe viel mehr Lebensfreude“, sagt Sofie. Von den Kindern könne man das gut lernen. „Sie nehmen sich einfach, wie sie sind.“

Noch Plätze frei an der Schmiechtalschule

Einsatz Wer Interesse am Bundesfreiwilligendienst an der Schmiechtalschule oder im -kindergarten hat, kann sich im Sekretariat der Schule unter Telefon (07391) 77 00 20 melden. Für den Bundesfreiwilligendienst von September an  sind noch Plätze frei.
Der Bundesfreiwilligendienst ist ein Angebot an Frauen und Männer jeden Alters, sich außerhalb von Beruf und Schule zu engagieren. Das Engagement kann im sozialen, ökologischen und kulturellen Bereich, im Sport, der Integration sowie im Zivil- und Katastrophenschutz stattfinden. In der Regel dauert der Dienst zwölf Monate, mindestens jedoch sechs und höchstens 18 Monate. jad

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