Landwirtschaft Die Apfel-Gespinstmotte geht um

Ehingen / Anne Hagenmeyer 05.06.2018
Eine Motte befällt Streuobstwiesen und frisst die Blätter von Apfelbäumen. Angela Scheffold vom BUND in Ehingen mahnt zur Eile, bevor die nächsten Falter schlüpfen.

Das Jahr hat für die Obstbäume in der Region so gut begonnen. Sie standen früh in Blüte und setzten viele Früchte an, doch jetzt schlägt die Apfel-Gespinstmotte zu: Sie frisst einen Ast nach dem andern kahl und hinterlässt bräunliche Gespinste an den Zweigen. Bisher weiß niemand, was man dagegen tun kann.

Was für manche Obstbaumbesitzer ein völlig neues Phänomen ist, kennt Karl Hirschle aus Berg schon vom vergangenen Jahr: „18 von meinen 21 Bäumen auf der Streuobstwiese waren betroffen“ berichtet er. „Die standen fast kahl da und ich befürchtete schon, sie gehen alle ein“. Doch Karl Hirschle hat beobachtet, wie die Bäume im Sommer ihre Fruchtansätze abwarfen und neu ausschlugen. „Die kämpften ums Überleben, da waren die Blätter wichtiger als die Früchte.“

Päckchen mit bis zu 150 Eiern

Dieses Jahr sind seine Bäume und die in den Nachbargrundstücken wieder befallen, jedoch nicht so stark wie 2017. Dafür hat die kleine unscheinbare Motte viele Kilometer zurückgelegt und nun entlang der Donau ganze Arbeit geleistet. Und die sieht übers Jahr so aus: Eine weibliche Motte legt im Sommer bis zu 150 Eier in kleine Päckchen verteilt an die Blattknospen des kommenden Jahres. Daraus schlüpfen winzige Raupen, die unter einer winterharten Schleimdecke auf das nächste Jahr warten. Werden die Tage wärmer, verlassen sie ihr Bett und fangen an, die jungen Blätter anzufressen, bis nur noch ein Gerippe steht. Damit sie diese Fressorgie unbeobachtet vornehmen können, beginnen sie die Gespinste zu bauen, in denen sie sich anschließend gut geschützt verpuppen. Die Puppenruhe dauert etwa 15 bis 20 Tage, dann schlüpfen die kleinen weißen Falter. Nach zwei Wochen paaren sich die Motten und eine Woche später legt ein jedes Weibchen wieder bis zu 150 Eier ab.

Angela Scheffold vom BUND Ehingen bewirtschaftet bei Volkersheim einen Mustergarten mit alten Obstsorten. Ihre Bäume sind noch nicht betroffen, doch möchte sie alles tun, um die Verbreitung einzudämmen. Sie sagt: „Wir befinden uns im Moment in der Phase der Verpuppung und es bleibt nicht mehr viel Zeit, bis die Motten schlüpfen“. Sie prüfe jetzt umgehend, ob es noch einen Sinn macht, ein biozertifiziertes Mittel auszubringen, das gegen Gespinstraupen aller Art eingesetzt werden kann. „Längerfristig“, meint sie, „helfen auch viele Nistmöglichkeiten für Singvögel in den Obstgärten.“ Die Vögel würden zwar gerne auf Mottenjagd gehen, doch Gespinste meiden sie.

Das Gespinst, so die Meinung von Karl Hirschle, schützt die Raupen und Puppen nicht nur vor Vögeln, auch ein Insektizid könne da gar nicht eindringen. Ebenso kann er sich die Menge an Spritzmittel kaum vorstellen, die auszubringen wäre, und noch viel weniger das Erreichen der Baumkronen der hochstämmigen Sorten. Abschneiden und verbrennen, mit hartem Wasserstrahl abspritzen und aufsammeln, natürlichen Feind Schlupfwespe ausbringen, Pheromonfallen aufstellen und Klebebänder an die Stämme bringen, das sind die Tipps, die von Obstgärtnern im Internet empfohlen werden und die allesamt nützlich für den Hausgarten erscheinen.

Den Streuobstwiesenbesitzern, die ihre Äpfel zu Saft pressen, ist mit diesen kleinteiligen Maßnahmen wenig geholfen und Karl Hirschle sieht dabei noch ein andere Folge: „Die großen Apfelsafthersteller um den Bodensee herum werden in diesem Jahr erneut Schwierigkeiten haben, Apfelsaft zu liefern, denn Plantagenobst alleine gibt keinen Saft – die brauchen das Streuobst für die Säure.“

Für dieses Jahr schon zu spät für Behandlung

Pflanzenschutz Eine Bekämpfung der Apfelgespinnstmotte mit Pflanzenschutzmitteln ist für das Jahr 2018 zu spät und damit wirkungslos. Diese Auskufnt hat Angela Scheffold von der BUND-Ortsgruppe Ehingen vom Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee in Bavendorf bei Ravensburg erhalten. Idealer Zeitpunkt für eine Behandlung mit einem für den Bioanbau zugelassenen biologischen Mittel sei vor der Blüte. Dafür gebe es ein wirkungsvolles Mittel, das auf Nachfrage auch von dem Zertifizierungsinstitut in Nürnberg freigegeben wurde.Da ein einziger Schmetterling kilometerweit fliegen und bis zu 150 Eier ablegen kann, sei es nun wichtig, die befallenen Bestände in Ehingen und den Teilorten aufzulisten. Sie sollten im zeitigen Frühjahr vor der Blüte beobachtet werden, um gezielt reagieren zu können. Nützlinge können einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der übermäßig auftretenden Baumschädlinge leisten. Dazu will der BUND Ehingen weitere Informationen einholen: (07391) 4659.