Gesellschaft Ein Geschäftsmann mit sozialer Ader

„Bumis“-Mitarbeiter Daniel Ludwig mit seinem Chef Michael Bumiller in dem Lebensmittelladen am Wenzelstein.
„Bumis“-Mitarbeiter Daniel Ludwig mit seinem Chef Michael Bumiller in dem Lebensmittelladen am Wenzelstein. © Foto: Christina Kirsch
Ehingen / CHRISTINA KIRSCH 24.08.2018

Um Michael Bumiller zu verstehen, muss eine Geschichte erzählt werden, die einen begreifen lässt, wie der Geschäftsmann tickt. Sie handelt von einem Azubi in einem Ehinger Betrieb, der in Bumillers Laden am Wenzelstein öfter einkaufte. Michael Bumiller kam mit dem jungen Mann ins Gespräch, trank ab und an ein Bier mit ihm und  erfuhr dessen schwierige Lebensgeschichte. „Und dann wirft der im letzten Ausbildungsjahr einfach alles hin.“

Irgendwann stand der junge Ex-Azubi samt Sack und Pack und neuen Berufswunsch wieder im Laden. Michael Bumiller las ihm erst die Leviten – und setzte sich dann für ihn ein. „Ich wusste, der hat Potenzial.“ Er vermittelte dem jungen Mann eine neue Ausbildungsstelle, setzte zugleich eine Bewährungsfrist. Mittlerweile steht der Azubi wieder fest im Leben. „Ein paar Gespräche mit ein paar Leuten waren dafür schon notwendig.“

Seit Mai 2011 leitet Michael Bumiller das Einkaufszentrum „Bumis“ am Wenzelstein. Es ist einer von vier Läden, die mehr sind als Lebensmittelläden. Seine beinahe ständige Anwesenheit nutzt Michael Bumiller, „um über den Tellerrand zu schauen“, um Zusammenhänge zu verstehen und um die eine oder andere soziale Strippe zu ziehen. „Ich glaube, mir gefällt es, wenn jemand mit meiner Hilfe aus einem Unglück rauskommt.“

Michael Bumiller und seine Frau Sigrid fackeln nicht lange. Da ist ein Päckchen Gulasch kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums, das sie einem mittellosen Menschen zusteckt. Er ruft schon mal bei Handwerkern an, von denen er weiß, dass Azubi A zu Meister B passen könnte.

Zu erkennen, wer zu wem passt, wo sich für wen ein Türchen öffnen könnte, und wie sich ein Zusammenleben leichter gestalten könnte, das scheint eine Gabe des 55-Jährigen. „Ich habe Lust am Erfolg“ – einerseits der geschäftlichen des Handelsfachwirts, andererseits der menschliche, der sich kaum messen lässt. „Ich bin fest davon überzeugt, dass man alles zurückbekommt.“

Der junge Mann, dem Bumiller auf die Beine half, wird sich noch im Alter an diese Weichenstellung erinnern. Der habe ihn mal gefragt, warum er diese Hilfe überhaupt leiste. „Weil ich ein bisschen unsterblich werde in dir und weil ich will, dass du das weiter gibst“, lautete die Antwort. Das passt zu Michael Bumiller, der auch das Projekt „Wir machen mit am Wenzelstein“ unterstützt.

Der Geschäftsmann lebt wie auf einer Autobahn. Immer auf der Überholspur. Morgens um 4 Uhr steht er auf und kommt bis gegen 7 Uhr langsam in den Tag. Um 21 Uhr ist er bettreif. Urlaub gab es zuletzt 2009. Langsam aber spürt auch Michael Bumiller seine Grenzen. „Ich habe meiner Frau versprochen, dass der nächste Laden der letzte sein wird.“ Der Verstand sagt „langsam machen“, der Bauch will weitermachen. Und der hat bei Michael Bumiller Gewicht. Mit Stolz zeigt der Handelsfachwirt, der die Meisterschule als Prüfungsbester abschloss, seinen neuesten Laden in Burgrieden, in dem er wieder neue Ideen verwirklicht hat: Die Gemüsekörbe stehen gestaffelt übereinander, die kalten Getränke gleich am Eingang.

„Id heila – macha!“

Stolz ist er auf seine Lehrlinge, die mit Bestnoten abschneiden. Sein Einser-Azubi Daniel Ludwig – am Wenzelstein eine kleine Institution – antwortet auf den flapsigen Tonfall seines Chefs mit einem leisen Lächeln. Und stolz ist Michael Bumiller auf seine zwei Töchter. Die 25-jährige Franziska hat Philosophie studiert und sich dann für den Beruf der Altenpflegerin entschieden. Joanna (22) hat ihr Anerkennungsjahr als Erzieherin beendet.

Michael Bumillers Lebensmotto seit frühester Kindheit lautet: „Id heila – macha!“ Seine Mutter habe ihm das schon vorgelebt. Das Jammern und Heulen ist ihm so fern wie Urlaub. Das Anpacken und Machen liegt ihm aber ganz nah. Man sieht es zwischen den Regalreihen mit den Lebensmitteln nur nicht auf den ersten Blick. Geholfen hat aber dem einen oder anderen schon.

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Jahre ist her, dass Michael Bumiller zuletzt in den Urlaub gefahren ist. Sein Arbeitstag beginnt um 4 Uhr morgens und endet um 21 Uhr. Ganz langsam will er langsam machen.

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