Bisher war alles im grünen Bereich. Nach mehreren vom Eichenprozessionsspinner befallenen Bäumen im Bereich der Schulstraße und des „Tiefen Brunnens“ im vergangenen Jahr kontrollierte der Bauhof der Gemeinde Rottenacker seit etwa 14 Tagen alle Eichen im Ortsgebiet täglich. Ohne Schädlinge festzustellen. Vergangene Woche entdeckten Bauhofleiter Samuel Pflug und sein Team dann ein erstes Nest am Soccercourt neben dem Musikerheim. Es wurde durch die Feuerwehr entfernt. „Seit Dienstag ist der Befall massiv“, sagt Pflug.

Bereits zur Mittagszeit steht fest: Mehr als ein Dutzend Eichen sind betroffen. Neben dem Soccercourt, vor dem Musikerheim, am Parkplatz des katholischen Kindergartens, auf dem Kinderspielplatz und vor der Arztpraxis im Lärchenweg, im Bereich des Badesees und am „Tiefen Brunnen“. Das Ende der Fahnenstange dürfte noch nicht erreicht sein: „Die Suche läuft noch“, sagt Pflug.

Brennhaare des Eichenprozessionsspinners sind giftig

Da die feinen Brennhaare des Eichenprozessionsspinners giftig sind, reagierte die Gemeinde sofort. Noch am Vormittag sperrte die Feuerwehr Rottenacker die befallenen Eichen weiträumig ab. Am Mittwoch wird eine Spezialfirma erwartet, welche die Tiere an allen Bäumen im Ort entfernt und entsorgt.

Chemie wird dabei nicht zum Einsatz kommen, sagt Peter Sindlinger vom Forstteam Deggingen, das den Auftrag übernommen hat. Früher im Jahr, wenn die Jungraupen noch ohne giftige Brennhaare sind, könne ihnen mit Hilfe von Bodenbakterien der Garaus gemacht werden. Diese bildeten ein für Fraßinsekten schädliches Eiweiß. „Wenn ich jetzt spritze, sterben die Raupen, aber die Brennhaare bleiben.“ Sindlinger setzt daher auf einen großen Staubsauger, mit dem er die befallenen Bäume von einer Hebebühne aus komplett absaugt.

Wie mit den Eichen in Zukunft umgegangen wird, ist noch unklar. „Umsägen ist keine Option“, stellt der stellvertretende Bürgermeister Sebastian Riepl klar. Dies komme maximal in Bereichen in Frage, in denen für Schule, Kindergarten oder ähnliche Einrichtungen eine besondere Gefahr von den Raupen ausgehe. „Bisher kam zum Glück niemand zu Schaden“, sagt Riepl und appelliert gleichzeitig an die Bevölkerung: „Nehmen Sie die Absperrungen ernst.“

Bereich gesperrter Eichen dürfen nicht betreten werden

Die Gebiete, die mit rot-weißem Flatterband und Hinweisschildern abgegrenzt sind, sollten auf keinen Fall betreten werden. Nicht überall wird die Raupe bekämpft: „Abgesaugt werden nur die Bäume im Ortsgebiet“, sagt Riepl. An anderen Stellen, etwa am Badesee, bleiben betroffene Bäume bis auf Weiteres abgesperrt. Im Wald gehöre der Eichenprozessionsspinner zu den „typischen Gefahren“. Hier finden keine Absperrungen und keine Bekämpfung statt.

In Munderkingen ist bisher kein Befall bekannt. Die Mitarbeiter des Bauhofes hielten die Augen offen, heißt es aus dem Rathaus. Die Stadt Ehingen laut Pressesprecherin Bettina Gihr bislang glimpflich davongekommen: Ein Befall an einem einzelnen Parkbaum sei in der vergangenen Woche sofort durch eine Fachfirma beseitigt worden, weitere Fälle seien bislang nicht bekannt.

Raupen-Dermatitis und Allergien drohen


Giftig Vom dritten Larvenstadium an wachsen den Raupen des Eichenprozessionsspinners feine Brennhaare, die leicht brechen und vom Wind über weite Strecke getragen werden, wie es auf der Seite der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft heißt. Wie stark Menschen und Tiere auf die Haare reagieren, variiert. Zu den Symptomen gehören Hausausschläge („Raupen-Dermatitis“), die sich in Rötungen, leichten Schwellungen, starkem Juckreiz und Brennen äußern. Häufig bilden sich Quaddeln am ganzen Körper. Werden die Haare eingeatmet, kann dies Bronchitis, schmerzhaften Husten und Asthma auslösen. Auch Schwindel, Fieber, Müdigkeit und Bindehautentzündung können von den Raupen ausgelöst werden. In Einzelfällen neigen Personen zu allergischen Schockreaktionen.