Als ich die Nachricht bekommen habe, habe ich geglaubt, dass etwas verwechselt wurde“, beschreibt die 22-jährige Katharina Leutz ihre Gefühle nach dem Bundessieg. Beim praktischen Leistungswettbewerb des deutschen Handwerks hat sich die in Rißtissen lebende Absolventin im November gegen vier andere Teilnehmer durchgesetzt. Vor drei Jahren hatte sie sich kaum vorstellen können, einmal einen nationalen Handwerkswettbewerb zu gewinnen. Trotz ihres Erfolges möchte Leutz nicht mehr als Metallblasinstrumentenmacherin arbeiten. „Es ist nicht das, was ich mein ganzes Leben machen will.“ Ihre Ausbildung beim Musikhaus Lange in Ravensburg bereut sie aber nicht.

Nach dem Abitur hat Leutz ein Orientierungsjahr am Ulmer Aicher-Scholl-Kolleg absolviert. Hier stieß sie in einem Buch zu Handwerksausbildungen auf den Beruf Blasinstrumentenmacher. „Weil ich selber Waldhorn spiele, bin ich daran hängen geblieben.“ Von Kindesbeinen an ist sie schon im Musikverein Rißtissen aktiv. Auch gebastelt habe sie schon immer gerne.

Trotzdem war sie an ihrem ersten Probetag in der Werkstatt ihres späteren Ausbildungsbetriebes in Ravensburg von den Werkzeugen eingeschüchtert. „Mit der Kreissäge habe ich mich nie angefreundet.“ Einige Male habe sie sich auch mit dem Hammer auf den Finger gehauen, sagt Leutz und lacht.

Mit Unterstützung ihrer Kollegen lernte sie zuerst kleine Reparaturarbeiten, das Zerlegen von Instrumenten und deren Reinigung. Später fing sie an, Ersatzteile für Instrumente selber herzustellen. Ihr erstes vollständiges Instrument ist gleichzeitig ihr Gesellenstück, ein „Corno da caccia“, ein aus Italien stammendes Jagdhorn. Weil sie die einzige Metallblasinstrumenten-Auszubildende der Handwerkskammer Ulm war, wurde die junge Frau automatisch Kammersiegerin und qualifizierte sich damit für den Bundeswettbewerb.

Angebot abgelehnt

Am 10. November ging es dann los zur Berufsschule Ludwigsburg, wo der Wettbewerb dieses Jahr stattgefunden hat. Innerhalb von fünf Stunden mussten die jungen Nachwuchshandwerker als Prüfungsaufgabe ein Tenorhornmundrohr mit Mundstückaufnahme herstellen. Ein Stück, das aufgrund seiner Biegungen nur schwierig zu fertigen ist, wie Leutz sagt. „Ich habe gehofft, dass die Prüfer eine andere Aufgabe stellen.“ Weil sie sich dessen aber nicht sicher sein konnte, hatte sie den Aufbau des kniffligen Werkteils vor dem Wettbewerb bei ihrem ehemaligen Ausbilder Lange geübt.

Im vergangenen Juli hat Leutz dort ihre Ausbildung abgeschlossen. „Ich schätze die familiäre Atmosphäre. Ich fahre immer wieder gerne hin.“ Das Musikhaus habe sie übernehmen wollen, doch die Metallblasinstrumentenmacherin hatte andere Ziele als Metallblasinstrumente zu machen. „Ich will wieder mehr mit dem Kopf arbeiten statt mit den Händen.“

Dem Handwerk ist sie aber auf andere Weise treu geblieben: Seit Anfang Oktober absolviert sie ein Duales Studium im Fach BWL-Handwerk bei der Handwerkskammer in Ulm. „Mit BWL bin ich flexibler, als Metallblasinstrumentenmacherin habe ich nur wenige Stellen in Baden-Württemberg zur Auswahl.“

Außerdem, dauerhaft von Rißtissen nach Ravensburg pendeln oder umziehen – für Leutz unvorstellbar. Dann hätte sie ihr Vereinsengagement in der Heimat aufgeben müssen. Sie ist immer noch im Musikverein Rißtissen und dem Kreisverbandsjugendblasorchester Ulm Alb-Donau aktive Musikerin und gibt Lehrgänge für Jugendliche. Außerdem dirigiert sie seit Januar  das Jugendorchester der Stadtkapelle in Ulm. Ihre Ausbildung kommt ihr dabei zugute: „Sehr oft bittet mich jemand um Hilfe, wenn an einem Instrument etwas klemmt.“