Geschichte Ehingens erste selbstfahrende Motorspritze

Ehingen / Walter A. Schaupp 06.09.2018
1935 erhielt die Feuerwehr ihre erste selbstfahrende Motorspritze. Beschlossen wurde der Kauf nach einem Brand.

Das Gutachten stehe noch aus, sagte gestern Polizeisprecher Wolfgang Jürgens über das Feuer am Abend vor einem Monat in dem Haus an der unteren Hauptstraße in Ehingen. Hinweise auf einen Vorsatz gebe es aber nach wie vor keine. Das gilt im Übrigen auch für die Brände in Berg, in Blienshofen, Oberdischingen und Öpfingen, die in den drei Wochen davor aufgetreten waren.

Zur Bekämpfung des Großbrands in der Unteren Hauptstraße in Ehingen am 8. August sind mehr als 100 Einsatzkräfte der Feuerwehr mit mehreren Fahrzeugen angerückt. Gebrannt hat es in diesem dicht bebauten Stadtgebiet zuletzt vor 30 Jahren, am 7. Januar 1988 der Dachstuhl der Stadtwirtschaft.

Die beengten Verhältnisse dort haben der Wehr schon immer zu schaffen gemacht. Nach einem Brand im August 1934 dort – das Anwesen Schneider-Wicker mit Sarglager und Möbelhandlung gegenüber der Rößle-Brauerei – hat die Stadt Ehingen ihre erste selbstfahrende Motorspritze angeschafft.

Zum damaligen Zeitpunkt verfügte die Feuerwehr Ehingen erst über eine Motorspritze mit Namen Bukarest, die mittels Zugfahrzeug zur Brandstelle gebracht werden musste und 1928 bei der Firma Magirus in Ulm gekauft worden war. Heute steht die Spritze im Untergeschoss der Ehinger Feuerwache.

Inwieweit die damals in der Groggentalgasse stationierte Dampfspritze zum Einsatz gekommen war, ist nicht bekannt. Die benötigte schließlich 15 bis 16 Minuten Vorheizung, um einsatzfähig zu sein. Es ist davon auszugehen, dass 1934 das Haus Schneider mit Wasser von der Schmiech über die Motorspritze und Wasser aus den Hydranten gelöscht wurde. Die Feuerwehr holte den Wagnermeister Wicker aus dem brennenden Wohnhaus und übergab ihn der Sanitätskolonne, die sich um ihn kümmerte.

Zwar hatte sich die Stadt schon vorher mit einer möglichen Anschaffung einer mobilen Spritze befasst. Doch da es in den Vorjahren recht selten gebrannt hatte, wie aus der Ehinger Feuerwehr-Chronik hervorgeht, musste Überzeugungsarbeit geleistet werden. Darauf lassen zumindest die Ratsprotokolle schließen: So wies Bürgermeister Hans Henger in einer Gemeinderatssitzung im Juni 1934 auf die Wichtigkeit einer Bezuschussung bei der Finanzierung hin, Landrat Hermann Bareth auf die Bereitschaft für Zwecke des Luftschutzes und des weiträumigen Bezirks.

Kreisfeuerlöschinspektor Mayer erläuterte, dass die gezogene Motorspritze mit der Dampfspritze zwar für die Bedürfnisse der Stadtgemeinde zureichend sei. Bei der Brandhilfeleistung nach auswärts hätten sich aber bereits regelmäßig Schwierigkeiten ergeben. Bei Brandfällen bei Tag sind die zur Beförderung notwendigen Lastwagen – aus privater Hand – meistens nicht vorhanden, sodass die Spritze mit Verspätungen am Brandplatz eintrifft, die ihr wirksames Eingreifen stark behindern. Die Dampfspritze komme wegen ihrer Schwerfälligkeit für solche Einsätze nicht in Frage.

Lieferzeit: 22 Wochen

Schließlich war der „Brandfall Schneider-Wicker“ am 21. August 1934 im September in der Gemeinderatssitzung ebenso Thema wie ein Kostenvoranschlag der Firma Magirus über eine „Automotorspritze“. Bestellt wurde nach dieser Sitzung am 8. September eine, wie es im Detail hieß, „Kraftfahrspritze 15 Typ M27 mit S. 88. Motor“ bei Magirus für 13 500 Mark. Die Gebäudebrandversicherung übernahm ein Drittel der Kosten, 6000 Mark der Kreis – 1934 wurde das Oberamt in Landkreis umbenannt, sodass die Stadt 3000 Mark finanzieren musste.

Bei einer Versammlung der Ehinger Feuerwehr nach der Hauptübung im Oktober 1934 berichtete Kommandant Fröhner, dass „nun dank des Entgegenkommens des Oberamts und des Stadtvorstandes samt dem Gemeinderat mit der Anschaffung einer automobilen Motorspritze ein alter Wunsch der Feuerwehr in Erfüllung gehen werde“. Mit dem Eintreffen der Motorspritze dürfe in sechs Wochen gerechnet werden.

Da sollte sich der Kommandant allerdings täuschen: Es vergingen noch 22 Wochen, bis das Fahrzeug tatsächlich in Ehingen eintraf. Geliefert wurde es am 29. März 1935 nach einer „etwas schwierigen Geländefahrt im Schneegestöber“.

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Brand am 21. August 1934

Chronik Auch wenn es im Brandverzeichnis heißt: „Das Feuer wurde rasch gelöscht“, führten die Wassermassen, mit denen der Dachstuhl gelöscht worden war, dazu, dass das Wohn- und Werkstattgebäude des Anwesens Karl Schneider abgerissen werden musste. In der Gemeinderatssitzung wurde die Möglichkeit besprochen, bei einer Neubebauung die an dieser Stelle nur 3,5 Meter breite Hauptstraße, zu verbreitern. Heute sind an dieser Stelle Parkplätze. Schreiner Schneider zog mit seinem Betrieb in die Münsinger Straße 25.

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