Hitze Ehingen: Gießen und hoffen auf den Regen

Ehingen / RENATE EMMENLAUER 21.08.2018
Gießen, gießen, gießen, heißt es für die Mitarbeiter von Bauhofs und Stadtgärtnerei wegen der Trockenheit.

Schon früh am Morgen sind Markus Maier und seine Mitarbeiter von der Ehinger Stadtgärtnerei fleißig am Gießen. Insbesondere die Blütenpracht am Ufer des Groggensees, auf Verkehrsinseln, mehreren Kreiseln und den anderen blühenden Kleinoden im Stadtgebiet müssen wegen der Trockenheit mehrmals in der Woche gut gegossen werden.

Fünf Mitarbeiter der Stadtgärtnerei sind im Bereich Blumen und Zierpflanzen im Einsatz, vier nehmen sich stets der Baumpflege an. „In den vergangenen acht Wochen hat es kaum geregnet. Das war nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Jürgen Andelfinger. Er war dieser Tage wieder mit einem der kleinen Tankfahrzeuge der Stadtgärtnerei unterwegs – eines davon wird wegen der Nachhaltigkeit mit Strom betrieben. Mit dem Wasser sollen wenigstens die liebevoll gepflanzten blühenden Areale, „unser schöner Sommerflor“, wie der Gärtner sagt, die extreme Trockenheit seit Mitte Juni überstehen.

Auch die Bäume haben Durst

Richtig durstig sind auch die Bäume, wobei nach den Worten von Markus Maier nur die akut gefährdeten Bäume gewässert werden. Hierzu zählen laut dem Leiter der Ehinger Stadtgärtnerei insbesondere die Jungbäume. Allerdings könne der Boden, wenn er ausgetrocknet sei, bei normalem Gießen kaum Wasser aufnehmen. An den Wurzeln komme da nichts an. Weshalb in Ehingen alle Jungbäume – Bäume mit einer Stammstärke von 18 bis 30 Zentimetern – in den ersten zwei bis drei Jahren durch so genannte Wassersäcke am Stammfuß mit 100 Litern Fassungsvermögen versorgt werden. Alle anderen, sei es Ahorn, Buche, Kastanie und andere großstammigen Bäume, müssen auf den erlösenden Regen warten. Gemäß Wetterbericht könnte der heute und in den kommenden Tagen einsetzen.

Für Michael Heim als Umweltbeauftragter der Stadt Ehingen hat die anhaltende Trockenheit schon Schaden angerichtet. „Die Bäume und Sträucher sind gestresst. Das Laub ist teilweise vertrocknet. Es fehlt einfach das Wasser.“ Empfindlich seien insbesondere die Straßenbäume oder jene an der Ehinger Lindenhalle, die über kein sehr tiefes Wurzelwerk verfügen, was die Chance auf etwas Grundwasser weiter minimiert. Er hofft, dass sich die Bäume wieder erholen.

Äste brechen in der Hitze oft

Auch sicherheitstechnisch ist der fehlende Regen aus Heims Sicht ein gravierendes Problem. Sofern die Seitenäste eines Baumes nicht mit genug Wasser versorgt werden können, lasse die Spannung im Holz nach, weshalb ansonsten gesunde und belaubte Äste abbrechen können. Insbesondere Äste von Bäumen die Früchte tragen, seien betroffen. Deshalb stehe in den nächsten Wochen wieder eine intensive Sicherheitsprüfung der städtischen Bäume an.

Um die Schäden zu verringern, wurden neben den Mitarbeitern der Stadtgärtnerei noch zwei private Unternehmer hinzugezogen, die mit Fahrzeugen unterwegs sind, deren Tankwagen jeweils 3000 und 6000 Liter fassen. Komplett das Nachsehen haben laut dem Umweltbeauftragten in diesem Jahr die sonst prächtigen Blumenwiesen am Donauradwanderweg, in der Berkacher Straße und am Mühlweg, die höchstens noch für Trockensträuße taugen.

Ist der Klimawandel schuld?

Statt saftig-grün präsentieren sich auch die Grasareale in einem Braunton. „Wenn wir sämtliche Grünflächen gießen würden, müssten wir 24 Stunden täglich schaffen und wären noch nicht fertig“, teilt der stellvertretende Bauhofleiter Peter Schlecker mit. Für die städtischen Grünflächen ist der Bauhof zuständig. Wobei er beruhigt: „Sobald es mal ordentlich regnet, erholt sich das Gras wieder.“

Hitze und Trockenheit sind für Michael Heim Auswirkungen des Klimawandels. „Es wird wohl irgendwann so kommen, dass man weniger Bäumen pflanzen wird, damit man andere Bäume gut versorgen kann.“ Großes Lob zollt er den Mitarbeitern des Bauhofs und der Stadtgärtnerei: „Die haben wieder eine super Leistung gebracht.“

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