Unternehmen Ehingen: Firma Tries und die Roboter-Steuer

Zerspanungsmechaniker Ivan Rados und sein Kollege Tobias Scheffold (beide rechts) zeigen Firmenchef Manfred Tries (von links), Alexander Baumann, Manuel Hagel und Matthias Tries die Pläne für ein Werkstück, das gefertigt wird.
Zerspanungsmechaniker Ivan Rados und sein Kollege Tobias Scheffold (beide rechts) zeigen Firmenchef Manfred Tries (von links), Alexander Baumann, Manuel Hagel und Matthias Tries die Pläne für ein Werkstück, das gefertigt wird. © Foto: Stefan Bentele
Ehingen / Stefan Bentele 06.04.2018
Die Firma Tries wächst. Investiert wird vor allem in Maschinen. Die Chefs sehen darin eine „soziale Komponente“.

Unternehmen, die wachsen, müssen investieren. Und wer investiert, kann wachsen. Ein Kreislauf, der für den Ehinger Hydraulik­elementehersteller Tries offenbar funktioniert. Zehn Prozent Wachstum verzeichnete das Unternehmen an der Röntgenstraße im Norden der Stadt in 2016 und 2017, sagte Firmenchef Manfred Tries gestern zu seinen Besuchern, dem CDU-Landtagsabgeordneten Manuel Hagel und OB Alexander Baumann. Für 2018 rechnet Junior-Chef Matthias Tries mit fünf Prozent Wachstum – mit Luft nach oben.

„Wir müssen viel investieren, um dieses Wachstum zu bewältigen“, sagte Matthias Tries. Der Großteil der Investitionen fließt in den Kauf moderner Maschinen, jährlich etwa zwei Millionen Euro. Mit der Modernisierung wird laut Firmenchef Manfred Tries die Arbeit für die 155 Mitarbeiter erleichtert, die körperliche Belastung nehme ab. Am Arbeitsmarkt bekomme man zudem nicht mehr viele qualifizierte Arbeitskräfte. Doch die, die man bekomme, reichten aus. In der Summe ein Aspekt, den Manfred Tries als „soziale Komponente“, als Bestandteil der Firmenkultur im Umgang mit Mitarbeitern bezeichnet.

Demnächst wird eine 2,2 Millionen Euro teure Maschine installiert, die zwei ältere Geräte ersetzt und künftig rund um die Uhr, sieben Tage die Woche laufen kann. Zudem ist die Neuanschaffung mit anderen Maschinen im Sinne von Industrie 4.0 enger vernetzt, arbeitet nach der Programmierung selbstständig. Treten Fehler auf, wird ein Mitarbeiter übers Smartphone informiert, kann notfalls in die Firma kommen und den Fehler beheben. Ein Einsatz, der ihm außerhalb der Kernarbeitszeit selbstverständlich vergütet werde, sagte Manfred Tries.

Dass der Fokus der Investitionen auf Technik liegt, bedeutet zugleich, dass im Vergleich dazu weniger Geld in den Personalbereich fließt (siehe Info). Mitarbeiter werden dennoch weitergebildet, auch werde eingestellt und aus der Region heraus ausgebildet, sagte Manfred Tries. „Dass wir jemanden entlassen, das ist ein Jahrhundertereignis.“

Angesichts voranschreitender Automatisierung fragte Manuel Hagel, wie das Unternehmen zu der Idee einer Roboter-Steuer stehe, die sich an den sozial Abgaben von Arbeitskräften orientiere. „Da sind wir offen“, sagte Matthias Tries. Firmengründer Manfred Tries betonte jedoch, dass manche Unternehmen das anders sehen könnten. „Wir wissen nicht alles besser.“ Doch man müsse die Frage stellen, wie wir die Rente bezahlen wollen.

Beide Chefs mahnten, dass die Politik sich der kalten Progression annehmen müsse. Laut Matthias Tries verzichten Mitarbeiter bereits, sich Überstunden auszahlen zu lassen. Hagel nannte die kalte Progression eine „steuerpolitische Herausforderung“, ein Schritt sei auf Bundesebene im Koalitionsvertrag die teilweise Abschaffung des Soli.

Auf die Frage Hagels, welcher Bildungsabschluss am besten zum Unternehmen passe, nannte Matthias Tries den Realschulabschluss. Früher sei das der Hauptschulabschluss gewesen, doch hier hätten die praktischen Fähigkeiten „stark nachgelassen“. Laut Junior-Chef zeige die Erfahrung zudem, dass Gymnasiasten nach der Ausbildung studieren. Manfred Tries: „Wir brauchen auch Indianer, nicht nur Häuptlinge.“

Zahlen zum Unternehmen

Wachstum Eigenen Angaben zufolge verzeichnete die Firma zwischen 2005 bis 2015 einen Umsatzzuwachs von 100 Prozent. Der Mitarbeiterzahl ist in diesem Zeitraum um 30 Prozent gewachsen.

Zahlen 2017 verbuchte das Unternehmen einen Umsatz von etwa 26 Millionen Euro. Der Ertrag bewege sich in der Regel zwischen 2,5 und 3,5 Prozent und sei branchenüblich, sagt Matthias Tries.

Personal Laut Firmenchef ist man nicht an Tarifverträge gebunden, bezahlt aber auf diesem Niveau, sonst wanderten die Angestellten ab. Auf eine Ausbildungsstelle gibt es im Schnitt 14 Bewerber.