Forst Im Stadtwald Ehingen arbeitet ein Pferd

Ehingen / Stefan Bentele 05.12.2018
Hengst Finn rückt bei Erbstetten Stämme, die ein Harvester gefällt hat. Das Ziel ist, Schäden am Bestand zu vermeiden.

Christel Erz lockert die Zügel und treibt Finn an. Das Schwarzwälder Kaltblut läuft los und zieht den Eschenstamm mit Ketten gemütlich über den Waldboden hinter sich her. Die Waldarbeiterin schreitet nebenher, hält die Zügel locker, nach gut 15 Metern bringt sie Finn zum Stehen, der Stamm liegt dort, wo der Harvester ihn packen kann.

Möglichst schonend für den Waldboden

Seit Dienstag fährt Karl-Heinz Fiederer mit dem Harvester durch den acht Hektar großen Ehinger Stadtwald südöstlich von Erbstetten, fällt Baum um Baum, um den Zukunftsbäumen, die im Abstand von 15 Metern zueinander stehen – und das noch 60 bis 70 Jahre lang – wieder mehr Freiraum zu verschaffen. Die bekommen dann mehr Licht und können besser wachsen. 150 Festmeter werden am Ende auf dem Waldboden liegen. Und damit die Rückarbeiten möglichst schonend für Bäume, Waldboden und Umwelt ablaufen, zieht Christel Erz mit Finn die gefällten Bäume in die dafür vorgesehenen Gassen, unterstützt von Holzwerker Johannes Eisele und seiner Kettensäge. Zwischen Buche, Eiche, Kirsche, Mehlbeere und Ahorn arbeitet modernste Technik neben einer historischen Methode.

Die Idee, Harvester und Pferd in Kombination einzusetzen, kam Daniel Kugler vom Fachdienst Forst, Naturschutz im Landratsamt Alb-Donau. Ihm zufolge ist der gemeinsame Einsatz ein Novum in jüngerer Zeit im Kreisgebiet. Falls es sich bewährt, soll das Schule machen. Dazu müssen die Arbeiten aber abgeschlossen sein und die Kosten feststehen. „Wir sind unterm Strich aber hoffentlich billiger als bislang.“

“Das Pferd kann frei manövrieren“

Zwar sei der Einsatz eines Pferdes zum Rücken teurer als mit dem Harvester, allerdings ließen sich so Schäden am Bestand vermeiden, was wiederum der Qualität der Zukunftsbäume zugutekommt, die dann mehr Erlös abwerfen, wenn aus ihnen einmal Möbel, Furniere oder Weinfässer für Frankreich gemacht werden. Schäden entstehen beim Rücken mit Maschinen, sobald Stämme an Zukunftsbäumen verletzt werden, Rinde abgeschabt wird. „Pilze, Fäule, Verfärbungen sind die Folgen“, sagt der Forstwirt, der  das Revier Munderkingen betreut.

Für Kugler gibt es noch weitere Vorteile: Der Boden wird weniger stark verdichtet, weil der schwere Harvester meist auf den Gassen bleiben kann. Weil die 40 Meter auseinander liegen, kommt die Maschine mit ihrem etwa zehn Meter langen Ausleger ohnehin nicht an Bäume in der Mitte. Hier kommen zuerst Eisele und seine Kettensäge zum Einsatz, danach Erz und Finn. „Das Pferd kann ganz frei manövrieren“, sagt Kugler. Außerdem müssen die Bäume nicht rechtwinklig zur Gasse gefällt werden, damit der Harvester die Stämme greifen kann. Eisele tut sich beim Fällen mit der Kettensäge zwischen den Gassen somit leichter, weil die Laubbäume ohnehin beim Fallen eigene Wege gehen, das Gros ihres Gewichts hängt in der Krone, anders als bei Nadelbäumen.

„Das Pferd gibt das Tempo vor“

„Die Förster haben es endlich gemerkt“, sagt Christel Erz über das Rücken per Pferd. Sie, Eisele und Fiederer gehören zur Unternehmergesellschaft Forso Group, arbeiten regelmäßig zusammen. In die Quere kommen sie sich nicht, schon aus Sicherheitsgründen, sagt Erz. Für Kugler macht das die Sache einfacher, weil er sich so nur an eine Adresse wenden musste, statt Pferd und Harvester separat und bei unterschiedlichen Unternehmen zu bestellen.

Natürlich arbeiten Maschine und Gaul unterschiedlich schnell. Eine Maschine brauche keine Pause, ein Gaul sehr wohl. Erz und Finn machen eine Stunde Mittag, der Hengst bekommt dann soviel Heu, wie er will. „Das Pferd gibt das Tempo vor. Mit einem Gaul pressieren, das geht nicht“, sagt Erz und lacht. Sie ist überzeugt: Das Pferd gehört in den Wald.

Wobei nicht jeder Gaul für die Arbeit geeignet ist. Bis zu fünf Jahre dauert die Ausbildung für das Rücken im Wald. Die Tiere brauchen Ruhe, Nerven und Intelligenz. „Damit man im Team gut schaffen kann, wir sind ja den ganzen Tag über im Zwiegespräch“, sagt Erz. Sie kommt aus Machtolsheim, betreibt dort einen Hof mit mehreren Pferden, arbeitet unter anderem als Waldpädagogin.

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Jahre dauert die Ausbildung, bis ein Pferd für den Rückeinsatz im Wald ausgebildet ist. Außerdem müssen die Tiere Ruhe, Nerven und Intelligenz mitbringen.

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