Gericht Ehingen: Auf Tochter zwei Mal eingeschlagen

Gerichtsverhandlung in Ehingen.
Gerichtsverhandlung in Ehingen. © Foto: Symbolfoto (Archiv)
Ehingen / Rainer Schäffold 09.01.2019
Wegen eines Gewaltausbruchs gegen sein Kind wird ein Vater wegen Körperverletzung auf Bewährung verurteilt.

„Man schlägt Kinder nicht, auch eine Ohrfeige ist heute nicht mehr zulässig“, sagte Amtsgerichtsdirektor Wolfgang Lampa. Er hatte am Mittwoch einen Fall gegen einen 46-Jährigen aus einer Gemeinde im Altkreis Ehingen zu verhandeln. Dieser hatte gegen einen Strafbefehl Einspruch eingelegt. 60 Tagessätze zu je 20 Euro sollte er zahlen, weil er im Juni vergangenen Jahres seine Tochter geschlagen und mit Füßen getreten haben soll, hieß es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft.

Der geschiedene Mann soll an jenem Samstagabend um 22 Uhr seine 15-jährige Tochter abholen, die bei einer Freundin in Ehingen zu Besuch war. Zunächst hatte er den vereinbarten Treffpunkt nicht gefunden, war in der Stadt umhergefahren, sagte er im Gericht. Als er die Tochter dann doch antraf, sei diese ihm schwankend entgegengekommen, was er übermäßigem Alkoholgenuss zugeschrieben habe.

Er sei furchtbar aufgebracht gewesen, sagte der Angeklagte weiter. Warum er sich denn so aufrege wegen der fünf Minuten, habe die Tochter gesagt. Und dann sei bei ihr „die Schreierei“ schon losgegangen. „Respekt null“, klagte er; da habe er ihr „eine gescheuert“. Nicht voll, nur „mit drei Fingern“ habe er das Mädchen getroffen, das dann zu Boden gegangen sei.

„Nur gestreift“

Nachdem die Tochter wieder aufgestanden war, habe er ihr nochmals „eine gelangt“ – sie aber nicht voll getroffen, „nur gestreift“. Von Fußtritten seinerseits könne keine Rede sein. Er habe sie dann ins Auto gesetzt und sei nach Hause gefahren. Ihre beiden Freundinnen, die dabei waren und die er ohne vorheriges Wissen habe ebenfalls nach Hause fahren sollen, wollten dann nicht mehr mitfahren.

Im Auto habe die Tochter weiter laut geschrien, sodass er nach etwa einem Kilometer angehalten und sie vom Beifahrer- auf den Rücksitz gesetzt habe. Später sei er dann „so geschockt von sich selber gewesen“, erklärte der Vater im Gericht. Er habe nicht mehr weitergewusst. Im Rahmen einer Besuchsregelung waren die drei Töchter, die bei der Mutter leben, alle zwei Wochen bei ihm.

Von einer der Freundinnen habe sie an jenem Abend eine Nachricht aufs Handy erhalten, sagte die Mutter des geschädigten Mädchens als Zeugin. Nachdem ihr von der Freundin und ihrer Tochter von dem Vorfall jenes Abends berichtet worden war, habe sie Anzeige gegen ihren Ex-Mann erstattet. Nein, ihre Tochter habe kein Alkoholproblem, beantwortete sie eine Frage des Anwalts ihres Ex-Mannes. Sie habe an dem Abend auch nichts getrunken. Ihre Tochter habe zwei blaue Flecken und eine Schürfwunde am rechten Bein von der Auseinandersetzung mit dem Vater davongetragen.

Von kräftigen Ohrfeigen und Tritten mit dem Fuß des Vaters gegen seine Tochter berichteten die beiden jeweils 15-jährigen Freundinnen als Zeuginnen. Beide erklärten auch übereinstimmend, die Freundin habe an dem Abend lediglich ein Glas Sekt getrunken. „Hauch’ mich mal an“, habe der Vater an dem Abend zu seiner Tochter gesagt. Die Tochter war ebenfalls als Zeugin vom Gericht geladen gewesen, machte aber von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht als Verwandte des Angeklagten Gebrauch und wurde nicht gehört.

Verwarnung und Bewährung

Nach einer kurzen Verhandlungspause schlug der Anwalt des Angeklagten eine Einstellung des Verfahrens gegen die Zahlung eines Geldbetrags an den Kinderschutzbund vor. Dem stimmte die Staatsanwältin nicht zu. Sie plädierte für eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 20 Euro. Richter Lampa erklärte den 46-Jährigen der vorsätzlichen Körperverletzung schuldig und folgte gleichwohl dem Antrag des Verteidigers auf eine Verwarnung und eine Geldbuße von 500 Euro bei einer Bewährungszeit von einem Jahr. Sollte er sich in dieser Zeit erneut etwas zu Schulden kommen lassen, muss der Mann die 1200 Euro zahlen.

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