Außer einem Hotel haben Dabischs eigentlich schon alles in der Gastronomiebranche erlebt. Obwohl – eine Stadthalle, die gab es bisher auch noch nicht, fällt der 43-jährigen Beate Dabisch ein. Diese beiden Erfahrungen wird das Ehepaar aus Volkersheim dann zum 1. September machen, wenn sie als Pächter die Lindenhalle samt Hotel übernehmen. „Es ist eine Herausforderung – aber eine tolle“, sind sich Axel und Beate Dabisch einig, die mit ihrer Tochter Julia am Esstisch ihres Wohnzimmers in Volkersheim sitzen. Der Weg dahin war ungewöhnlich: Es war eine Initiativbewerbung, die das Ehepaar an einem Freitag in den Briefkasten der Stadtverwaltung geworfen hat. Schon am Montag bekamen sie  eine Antwort. Man zeigte sich interessiert.

Der 46-jährige Axel Dabisch, der noch bis August im Hopfenhaus-Restaurant im Gesundheitszentrum als Küchenchef arbeitet, hat schon einige Stationen hinter sich. Sogar als Showkoch hat er schon einmal gearbeitet. In den 90-ern war er als Restaurantleiter im SI-Zentrum in Stuttgart angestellt, wo er auch seine Frau kennenlernte. Später folgten Stellen als Caterer für die Maschinenbaufirma Heller in Nürtingen, als Küchenchef im „Holiday In“-Hotel in Stuttgart und ein eigenes Restaurant auf der Insel Usedom, von wo Beate Dabisch ursprünglich stammt. Vor sieben Jahren kam die Familie dann in Ehingen an. „Die Abschnitte zwischen den Stationen werden immer länger“, erzählt Axel Dabisch.

Paar will 20 Jahre bleiben

Nun steht wieder ein Umzug bevor, allerdings der letzte auf lange Zeit, wie die Familie hofft. Sie werden im Juli aus ihrem Volkersheimer Haus in die Pächterwohnung in der Lindenhalle umsiedeln. „Wenn man ein Hotel betreibt, muss man vor Ort sein“, sagt Axel Dabisch. „Wir fühlen uns hier wohl. Es sind tolle Voraussetzungen in der Lindenhalle.“ Der 17-jährigen Julia kommt die Änderung nicht ungelegen: „Ich kann dann eine Stunde länger schlafen, muss nicht mehr Bus fahren und der H&M ist auch in der Nähe.“ Das Ehepaar kann sich gut vorstellen, die letzten 20 Jahre ihres Berufslebens in der Lindenhalle zu verbringen. „Jetzt geben wir nochmal Gas und können hier etwas mitprägen.“

Ideen haben die beiden viele: „Unser Kopf ist so voll. Wir wollen auf der Terrasse neue Möbel. Ich werde im Mai Blumenkästen bepflanzen, mit denen wir umziehen und die dann an das Geländer kommen“, erzählt Beate Dabisch. Sie kümmert sich um Gardinen, Bilder, Deko, Lampen, Bonbons auf den Kissen – solche Sachen. „Unnötiger Firlefanz“, wie ihr Mann es mit einem Grinsen zusammenfasst. Die Rollenverteilung ist klar bei den beiden: Er steht am Herd, während sie den Service leitet. „Ab und zu darf er vielleicht auch mal aus der Küche kommen“, witzelt sie. Der Koch setzt sich aber sowieso lieber mit der Speisekarte auseinander. Seit der Bewerbung im vergangenen Herbst überlegt er schon, welche Gerichte passen. Er will regionale, saisonale Zutaten verwenden , aber nicht eine typisch schwäbische Küche anbieten. „Es wird auch mal Steak oder Fisch geben, Ente oder Spargel und es wird bestimmt auch mal etwas auf der Karte stehen, was nicht auf Anhieb jeder kennt.“ Und auf Wunsch des Gastes auch alles andere. „Ich freue mich darauf, wieder kreativ und selbständig zu kochen“, sagt er. „Dass die Gäste nicht erst mal salzen müssen oder Maggi rein schütten, bevor sie los essen.

Mittags schnell, am Abend edel

Als Konzept stellt sich das Paar einen schnellen, günstigen Businesslunch mittags und das noble Ausgehen am Abend vor. „Es soll gemütlich und herzlich und zu einem Anlaufpunkt in Ehingen werden“, sagt Beate Dabisch, die aktuell noch als Lehrerin in der Walddorfschule unterrichtet, aber auch gelernte Köchin ist. „Es soll uns widerspiegeln, wie wir sind – Gastronomen aus Leidenschaft“, sagt Axel Dabisch und schaut sich in seinem liebevoll eingerichteten Wohnzimmer um – die Lindenhalle soll ähnlich heimelig werden, sagt er.

Den August will die Familie nutzen, um alles vorzubereiten, um am 1. September für die Neueröffnung alles bereit zu haben. Sie hoffen bei der Vermittlung von Veranstaltungen auf Lindenhallenchef Michael Streibl. „Wir wollen Geburtstage, Hochzeiten, Jahresabschlüsse, Fasnet. Und natürlich ein wunderschönes Restaurant mit einer Terrasse“, sagt Beate Dabisch. Kurzum: „Wir wollen Leben reinbringen.“

Bis Ende Juli betreiben Vorgänger das Restaurant


Vorgänger Seit dem 1. Januar 2016 betreibt das Ehinger Ehepaar Evangelia Zografoudi und Wasilios Piletzidis die Bewirtung in der Lindenhalle. Vorher war lange nach einem Pächter gesucht worden; 2014 hatte ihr Vorgänger Hans-Peter Huber aufgehört. Er hatte den Zuschlag wiederum im Sommer 2011 erhalten, nachdem die Stadt zuvor mit erheblichem Aufwand die Küche modernisiert und die „Linde“ aufgefrischt hatte.

Abschied Seit Anfang des Jahres gab es Gespräche der Stadt mit den Pächter-Paar Zografoudi/Piletzidis. Warum sie aufhören – dazu möchten sie sich öffentlich nicht äußern. Es sei aber ihre eigene Entscheidung gewesen. „Sowohl ich als auch mein Mann haben unsere Jobs. Ich arbeite in der Schmiechtalschule und mein Mann hat sein Kiosk im Johann-Vanotti-Gymnasium“, berichtet  Zografoudi. „Unser Ziel ist es momentan bis Ende Juli die bevorstehende Veranstaltungen gut zu meistern.“ em