Steine üben eine ganz besondere Faszination aus. Das Muster von Kieselsteinen spricht die Menschen genau so an wie der Schimmer von Edelsteinen. „Ich kann kaum einem Stein widerstehen und muss ihn aufheben, wenn er eine schöne Maserung hat“, sagt die Ehingerin Hannelore Stiehle, die an einem Edelsteinseminar mit Wolfgang Steffel teilgenommen hat.

„In Läden für Heilsteine herrscht eine meditative Atmosphäre und man taucht in eine fast schon sakrale Form- und Farbwelt ein“, sagt Dekanatsreferent Wolfgang Steffel, der sich seit 2005 mit Edelsteinen beschäftigt. Edelsteine sind jedoch keine Modeerscheinung. Es gibt in der Bibel und im Glauben eine fast dreitausendjährige Tradition in der Deutung der Edelsteine. Man sollte die Edelsteine nicht der Esoterik überlassen, bemerkt Wolfgang Steffel, der ein Edelsteinseminar entwickelt hat, das auch im Fernsehen Beachtung findet. Das Seminar ist Bestandteil der kreativen Katechese und folgt der Idee, dass sich Gott in allen Dingen suchen und finden lässt.

Gegen Reizüberflutung

Edelsteine sind stumm und doch beredt. Das Berühren der Steine und Betrachten wirkt heute wie ein Gegenprogramm zur Digitalisierung und Reizüberflutung. „Ich habe einen Rosenquarz daheim“, berichtet Mathilde Weigel aus Illerrieden. „Wenn ich den in der Hand halte, habe ich das Gefühl, als ob er mir die Hitze und das Gelenkrheuma aus der Hand zieht“, berichtet sie. „Das geht aber nur mit dem Rosenquarz“, ist Mathilde Weigels Erfahrung. Ihr Mann Dr. Ludwig Weigel sieht in kristallinen Steinen vor allem die Ordnung.

Edelsteinen wird seit Jahrtausenden eine Bedeutung zugeschrieben. Schon Hildegard von Bingen schrieb im 12. Jahrhundert Bücher über die Steine. In bedeutenden Schriften zur Theologie stehen die Steine ganz nah bei Gott, da sie am vierten Schöpfungstag zusammen mit den Sternen geschaffen wurden. Edelsteine werden als Schutzsteine gegen die bösen Geister beschrieben und als Arznei für mehr Gottesnähe. Die Heilige traut den Steinen auch Heilkraft zu und findet im grünen Smaragd die „Grünkraft des Geistes“. Bei Hildegard von Bingen wird der Achat gegen Insektenstiche empfohlen und der Chalzedon gegen Gallenbeschwerden. Außerdem fördere der Stein die Redegewandtheit und wurde so zum Stein der Anwälte und Rechtsgelehrten.

Man darf dem Edelstein jedoch keine Macht zuschreiben. „Das wäre Magie“, sagt Wolfgang Steffel. Edelsteine verweisen in christlichen Darstellungen stets auf Christus. Und nur Christus hat die Macht. Man kann auch die Bedeutung der Edelsteine nicht nachschlagen wie in einem Lexikon. Es komme immer auf den Zusammenhang an, meint der Referent. Bedeutungsherleitungen können über den Namen, die Herkunft, die Farbe, die Kirchenväter oder die klösterliche Tradition erfolgen. So leitet sich der Karneol von lateinisch Carnis = Fleisch ab. Er steht somit für den Menschen aus Fleisch und Blut. Rote Edelsteine wie die Rubin werden oft mit den Wunden und der Verletzlichkeit in Verbindung gebracht.

Ein „starker“ Jesusstein ist der Bergkristall, in dem das Wort „Christ“ versteckt ist. „Das ist mein Lieblingsstein, weil er so durchsichtig und klar ist“, sagt die Ulmer Ordensfrau Schwester Sigrid. „So möchte ich auch gerne sein“. Simone Schulz meditiert über eine Schwefelsonne mit kreisrunden Strahlen. „Der Schwefel erinnert an gefallene Engel und die Tiefe, die Sonne an Licht“, meint die Untermarchtalerin. Das Böse sei in diesem Stein nicht ausgegrenzt.

Wolfgang Steffels Lieblingsstein ist der Amethyst (lat.: nicht berauscht, nüchtern), der nach der hellroten Farbe stark verdünnten Rotweins benannt ist. „Mir gefällt an diesem Stein der Widerstreit zwischen Hingabe und Realitätssinn, zwischen Mut und Zögern“, sagt Steffel. Für Renate Walter hat der Amethyst eine ganz andere Bedeutung. „Ich hatte Ohrclips mit einem Amethyst und meiner Mutter die gleichen geschenkt“, erzählt die Ulmerin. „Als meine Mutter starb, habe ich die Clips getauscht. Nun liegt sie mit meinen Ohrclips im Grab und ich trage ihre.“

Info Die Sendung „Edel(stein) sei der Mensch, hilfreich und gut“ wird im Regio TV Schwaben heute und morgen um 17.30 Uhr ausgestrahlt. Im Internet ist die Aufzeichnung unter www.kip-tv.de zu sehen. Ein Leporello zur kreativen Katechese mit Edelsteinen ist erhältlich im katholischen Dekanatsamt Ehingen-Ulm, Telefon (0731) 9206010.

Monstranz mit Ehinger Schmucksteinen


Schmuck In kirchlichen Geräten wie Kelchen oder Monstranzen findet sich oft Edelsteinschmuck. In der Untermarchtaler Klosterkirche zum heiligen Vinzenz steht im Tabernakel seit einigen Jahren eine mit Edelsteinen verzierte Monstranz. Die Schmuckstücke stammen von der Ehingerin Anna Rummler, die mit ihrem Ehemann Ernst in der Georg-Zoller-Straße wohnte. Anna Rummler verstarb im Jahr 2000 und schenkte dem Kloster ihren Schmuck. Der Goldschmied des Klosters Münsterschwarzach verarbeitete die Edelsteine, Korallen und Diamanten zu einem Ostensorium, einer kleinen Monstranz. Man sieht einen Aquamarin, Korallen, Granat und Zuchtperlen, manche sind in einem Ring und Ohrringen gefasst. In der Lunula, der sichelförmigen Halterung für die Hostie, funkeln Diamanten. kir