Am Freitag gab’s einen Kaffeenachmittag mit den ersten elf Flüchtlingen aus Syrien, die in Oberstadion im Ex-Gesundheitszentrum wohnen. „Die Ängste, die grassiert sind, waren völlig unnötig“, sagt Jürgen Fiderer, Bereitschaftsleiter des DRK-Ortsvereins, der die Betreuung durch freiwillige Bürger organisiert. Die Männer, darunter ein Koch, ein Krankenpfleger und ein Architekt, seien nach ihrer langen Flucht sehr froh über die komfortable Unterkunft und hätten schon selbst etliche Rollen verteilt. „Einer ist der Chef und organisiert alles, der andere übersetzt, der dritte kocht und so weiter“, berichtet Fiderer. Und rührige Oberstadioner versüßen ihnen mit Kuchen und anderen Nahrungsmitteln den Neustart.

Die Männer hatten mit je mehreren tausend Euro ihre Flucht finanziert, um nicht als Soldaten eingezogen zu werden, und sie wollen, sobald sie als Asylanten anerkannt sind, ihre Familien nachholen, um hier ein friedliches Leben ohne Krieg führen zu können. In Oberstadion haben Leute wie Bruno Fiderer oder auch Nachbar Karl-Heinz Burkhart ihnen bereits geholfen, sich zurecht zu finden. Jürgen Fiderer: „Momentan geht es um die Grundversorgung: Kleidung, Schuhe, und die Leute mobil zu machen.“ So mussten Sim-Karten angeschafft werden, mit denen die Flüchtlinge in ihre Heimat telefonieren können. Kochgeschirr und Fahrräder seien bereits organisiert worden. Doch was die Syrer dringend bräuchten sei ein Deutschkurs. Die Betreuung durch Sozialarbeiter des Landkreises sei bisher allerdings quasi nicht vorhanden. Vermutlich seien Krankheitsausfälle der Grund. Wie Fiderer sagt, sei dringend eine tägliche Sprechstunde von Beauftragten des Landratsamts vor Ort nötig. Was die Helfergruppe weiterhin tun kann und soll, werde man in einer Besprechung am Montag mit Bürgermeister Klaus Schwenning klären. Dringend sei ein weiterer öffentlicher Infotermin nötig, sagt Fiderer: „Auf dem bestehe ich.“

In Untermarchtal hat sich unterdessen eine Flüchtlingsfamilie aus Serbien privat in einem Haus eingemietet, wie Bürgermeister Bernhard Ritzler am Freitag auf Anfrage bestätigt hat. Somit habe die Gemeinde ihr Aufnahme-Soll bereits mehr als erfüllt. Es handelt sich um Menschen, deren Erstantrag schon einmal abgelehnt wurde und die nun wieder hier sind. Sie können bereits Deutsch und möchten keine Hilfe von den sechs Freiwilligen aus Untermarchtal – darunter auch Schwestern aus dem Kloster –, die sich bereits in Ehingen über die Hilfe für Flüchtlinge und Asylanten informiert hatten.

In Obermarchtal wird der Helferkreis für die Flüchtlinge, die in den nächsten Wochen im ehemaligen Gasthaus Mohren einquartiert werden, am kommenden Montag um 19 Uhr das Haus besichtigen und alles Weitere danach im Dorfgemeinschaftshaus besprechen. Mitarbeiter des Landratsamtes werden dabei sein, und auch neue Interessierte sind willkommen.