Tarifkonflikt IG Metall kündigt Warnstreik bei Liebherr an

Ehingen / Andreas Hacker 20.01.2018
Bei der Kundgebung der IG Metall  vor Liebherr in Ehingen wird als nächste Stufe im Tarifkonflikt ein ganztägiger Warnstreik angekündigt.

Im Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie werden die Töne lauter. Und härter. Auch in Ehingen. Das hat sich bei der Kundgebung der IG Metall am Freitagmittag vor Tor 2 des Liebherr-Werks Ehingen gezeigt. So kalt wie der Wind, der den 400 Beschäftigten um die roten Gewerkschaftsmützen pfiff, so scharf war die Entgegnung des Betriebsratsvorsitzenden Rolf Ebe auf die Äußerungen des für die Produktion zuständigen Geschäftsführers Dr. Hubert Hummel, der anlässlich des ersten Warnstreiks vor einer Woche davor gewarnt hatte, dass solche Aktionen die betrieblichen Abläufe bei Liebherr beeinflussten und das Werk sich Lieferengpässe nicht leisten könne, um keine Krane an Wettbewerber zu verlieren.

Es sei eine Schweinerei, sagte Ebe, wie die Arbeitgeber das von der Gewerkschaft verlangte Recht auf eine vorübergehende Absenkung der Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden ablehnten. Dabei gebe es das Recht der Arbeitgeber auf Flexibilisierung der Arbeitszeit nach oben schon längst, nun sei es an der Zeit, dass auch die Beschäftigten ein Recht auf eigenbestimmte Freiräume erhielten. „Ihr alle organisiert Flexibilisierung jeden Tag bei euch zuhause“, rief Ebe den Metallern zu, vom Versorgen der Kinder bis zur Pflege der Eltern. „Wir machen weiter, bis es einen Abschluss gibt“, kündigte Ebe eine Verschärfung der Auseinandersetzung auch bei Liebherr in Ehingen an. Habe die Gewerkschaft bislang mit den beiden Frühschlussaktionen am Freitag und vor einer Woche mal die 31-Stunden-Woche praktiziert, sei als nächster Schritt auch eine 28-Stunden-Woche denkbar – als Ergebnis eines ganztägigen Warnstreiks, der als nächste Aktion im Raum steht, sollte es bei der vierten Verhandlungsrunde zwischen Arbeitgeberverband Südwestmetall und Gewerkschaft zu keinem Ergebnis kommen.

„Wenn es nicht weitergeht, legen wir eine Schippe drauf“, hatte zuvor  Michael Braun von der IG Metall in Ulm angekündigt. Die Unternehmen seien knallvoll mit Aufträgen, die Beschäftigten leisteten jede Menge Sonderschichten und Mehrarbeit, da empfinde er das bisherige Angebot der Arbeitgeber von 200 Euro Einmalzahlung und einer Entgelterhöhung von zwei Prozent für 15 Monate als Provokation. Das entspreche, umgerechnet aufs Jahr, gerade mal einem Plus von 1,5 bis 1,6 Prozent, sagte der Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Ulm, und reiche hinten und vorne nicht, zumal Unternehmen wie Liebherr derzeit Rekordumsätze schrieben.

Auch Braun verlangte Bewegung auf Seiten der Arbeitgeber für die Gewerkschaftsforderung zur Arbeitszeit, für die die IG Metall am Freitag rote Wecker verteilt hat: „Mein Leben, meine Zeit“.  Jetzt sei es an der Zeit, Flexibilisierung auch mal nach unten möglich zu machen. Die Erfahrung zeige, sagte Braun, dass sich nur mit Druck etwas durchsetzen lasse, deshalb stellte er über den 24-Stunden-Warnstreik hinaus auch eine generelle Verweigerung aller Mehrarbeit als weitere Maßnahme im Tarifkonflikt in den Raum.

Im Rahmen einer Frühschlussaktion legten am Freitag auch die Beschäftigten von Neuweg in Munderkingen über alle Schichten hinweg ihre Arbeit nieder. Die Zahl der in die Warnstreiks einbezogenen Betriebe hat sich damit in Bereich der IG Metall Ulm (mit Alb-Donau-Kreis und Biberach) nach Angaben der Gewerkschaft auf 34 erhöht. Die Zahl der Warnstreikteilnehmer liege nun  seit Ende der Friedenspflicht bei 17.500.

Das fordert die IG Metall in der Tarifrunde 2018

Geld Die IG Metall fordert eine Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen um 6 Prozent ab 1. Januar 2018 bei einer Laufzeit von 12 Monaten.

Arbeitszeit Die Mitglieder der IG Metall sollen eine Option auf Reduzierung der individuellen regelmäßigen Arbeitszeit erhalten – auf bis zu 28 Stunden in der Woche und für eine Dauer von bis zu 24 Monaten. Zudem sollen die Beschäftigten, anders als bei der gesetzlichen Teilzeit, das volle Recht auf Rückkehr zu ihrer ursprünglichen Arbeitszeit erhalten.

Entgeltzuschuss Für Beschäftigte im Schichtbetrieb und in anderen belastenden Arbeitszeitmodellen sowie für Beschäftigte, die Kinder betreuen oder Angehörige pflegen, fordert die IG Metall einen Zuschuss, damit sich die Beschäftigten die Option auch leisten können.

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