Störung Die Telekom im Zentrum des Zorns

Telekom im Zentrum des Zorns.
Telekom im Zentrum des Zorns. © Foto: dpa
Andreas Hacker 11.01.2018
Aus Untermarchtal und Oberstadion kommt massive Kritik am Verhalten des Branchen-Primus im Fall der aktuellen Störung.

Im Fall der großflächigen Störungen in Oberstadion und Unter­marchtal, wo Kunden der Telekom (wie berichtet) seit Tagen weder Telefon- noch Internetverbindungen haben, wächst die Kritik am Krisenmanagement des Branchen-Primus mit Sitz in Bonn. „Die ganze Misere hängt an der Telekom“, sagt der Unternehmer Günther Kaufmann aus Oberstadion, der den wirtschaftlichen Schaden durch den Ausfall der zentralen Verbindung auf 6000 bis 10 000 Euro schätzt.

Kaufmann hält über einen speziellen Kabelanschluss auch die Verbindung zu seinen rund 20 Mitarbeitern, die für das Unternehmen unterwegs sind, und hat deshalb mit der Telekom einen Vertrag, der ihm zusichert, dass Störungen innerhalb von acht Stunden behoben werden. Am vergangenen Sonntag um 16.30 Uhr habe er der Telekom den Ausfall gemeldet, seither werde er hingehalten und vertröstet, sagt der Geschäftsmann. Er habe deshalb damit begonnen, die Angaben der Telekom zu überprüfen, erzählt er im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE. So habe sich ein Graben, in dem angeblich nicht gearbeitet werden konnte, weil das Schlammloch angeblich einzustürzen drohte, als 40 Zentimeter tiefes Loch herausgestellt, in dem die von der Telekom beauftragte örtliche Firma längst das neue Kabel hineingelegt hatte. Nur der Telekom-Techniker, der die mehrere hundert Kabelenden neu verbinden sollte, sei nicht gekommen.

Inzwischen räumt die Telekom Schwierigkeiten ein und korrigiert ihre Aussage, dass der Ausfall des Netzes in Untermarchtal bereits repariert sei. „Wegen erhöhtem Störungsaufkommen bundesweit aufgrund des Hochwassers, der starken Regenfälle und Sturmtief Burglind“ soll die Reparatur des durch Wasser beschädigten Kabels erst heute, Donnerstag, erfolgen und bis zum Abend abgeschlossen sein, wie Sprecherin Alexia Sailer am Mittwoch mitgeteilt hat. Auch für Oberstadion wird für morgen Abend Besserung versprochen: „Es besteht leider ein weiterer Fall von Wasser, das in ein Kabel eingedrungen ist, daher die Störung in Oberstadion. Wir gehen davon aus, dass diese Störung morgen Abend behoben sein wird.“

Besonders ärgerlich ist für die beiden Bürgermeister Kevin Wiest und Bernhard Ritzler, dass in Oberstadion wie Unter­marchtal viele Hausnotrufe mit dem Telefon verbunden sind. „Das kann gefährlich werden“, sorgt sich Ritzler. Sein Kollege Wiest in Oberstadion hat, weil dort wenigstens das Handynetz zuverlässig funktioniert, eine Rufumleitung auf sein Mobiltelefon schalten können. Doch das ist nur ein Notbehelf. Damit das Amtsblatt morgen erscheinen kann, mussten Mitarbeiterinnen zur Verwaltungsgemeinschaft nach Munderkingen fahren. Und E-Mails gehen geheimnisvolle Wege, erzählt Wiest. Die meisten verschwinden, ohne dass beim Absender eine Fehlermeldung eingeht.