Geschichte Kirche St. Oswald: Gebeine in der Gruft bestattet

Justingen / JOACHIM SCHULTHEISS 02.07.2018
Die Gebeine von drei Verstorbenen sind wieder in der Gruft der Justinger Kirche St. Oswald bestattet worden. Eine Historikerin erklärte, wer die Toten wohl waren.

Als die Gruft in der Justinger Kirche St. Oswald vor einigen Jahren bei Renovierungsarbeiten geöffnet wurde, fand man dort ein riesiges Chaos vor. 17 Grablegen hat die Gruft, in drei davon waren Tote bestattet. Unbekannte hatten vor langer Zeit diese drei Grablegen aufgebrochen, die Knochen der Verstorbenen  zerstreut und so gut wie nichts von materiellem Wert zurückgelassen. Wer wohl wann und warum dieses Chaos in der Gruft angerichtet habe, fragte sich Dr. Beate Schmid vom Landesdenkmalamt. Für sachdienliche Hinweise wäre das Denkmalamt dankbar, sagte sie eher scherzhaft. Im vollbesetzten Justinger Gemeindesaal berichtete Schmid am Samstagnachmittag  von den Aufräum- und Bergungsarbeiten in der Gruft, bei denen viele Mitglieder der Kirchengemeinde mithalfen.

Totenhemd aus Seide

Die wenigen in der Gruft gemachten Funde wurden restauriert. Geborgen wurden ein Totenhemd aus Seide, Kleidungsreste, Holzperlen von Rosenkränzen und ein Skapulier – eine Art Medaillon aus Stoff. Sonst wurden keine der sonst üblichen Grabbeigaben – wie etwa Sterbekreuze oder Medaillons – gefunden. Erbaut wurde die Gruft in den Jahren 1697/98 vom Freiherrn Joseph Albrecht von Freyberg als Familiengruft. Denn St. Oswald war außer einer Dorfkirche immer auch eine Eigenkirche der Herren der Reichsherrschaft Justingen, erläuterte Schmid. Nach dem frühen Tod seiner Ehefrau, der Freifrau von Freyberg-Crieching im Jahr 1691, ließ der Freiherr das jahrhundertealte, gotische Kirchenschiff im frühbarocken Stil neu erbauen. Die neu errichtete Gruft unter der Kirche sei im gleichen Stil errichtet worden wie 50 Jahre später die Abtsgruft im Zwiefalter Münster, erläuterte Schmid. Nur die sterblichen Überreste der Freifrau von Freyberg-Crieching konnten zugeordnet werden.

Ein verarmter Baron?

Hinter einem männlichen Skelett vermutete Schmid die Überreste eines verarmten Adligen, des Baron de Heures, der sich vermutlich in die Familiengruft eingekauft habe. Vor seinem Tod habe dieser jahrelang im Justinger Pfarrhaus gelebt. Ein weiteres  Skelett einer Frau, die im Alter zwischen 60 und 70 Jahren verstorben sei, konnte nicht identifiziert werden. Vermutlich handle sich um eine weitere Freifrau aus dem Hause von Freyberg-Eisenberg, berichtete Schmid.

Erneute Bestattung

Mit einem Requiem wurden die drei Skelette am Samstagnachmittag unter großer Anteilnahme der Familie von Freyberg-Eisenberg wieder in der Familiengruft bestattet. Hauptzelebrant war Pater Hubertus von Freyberg.

Bereits am Vormittag hatten die Bürger die Gelegenheit, die Gruft unter kundiger Führung von Harald Bloching, dem zweiten Vorsitzenden des Justinger Kirchengemeinderats, zu besichtigen. Viele an Geschichte Interessierte aus Justingen und Umgebung stiegen in Grüppchen zusammen mit Bloching die steilen Treppen hinab und ließen sich von ihm die Örtlichkeit und die Historie von Gruft und Kirche erläutern. Vor der Kirche war die Flaggen der ehemals zur Reichsherrschaft gehörenden Orte – Justingen, Ingstetten, Hütten und Gundershofen – aufgezogen. Außerdem war die Flagge der Württemberger zu sehen, die die Reichsherrschaft im 18. Jahrhundert übernommen haben.

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