Kunst Vernissage: Die Schwerelosigkeit des Seins

Unter den vielen Gästen der Vernissage war auch die Sammlerin Doris Nöth (mit Blumen).
Unter den vielen Gästen der Vernissage war auch die Sammlerin Doris Nöth (mit Blumen). © Foto: Christina Kirsch
Ehingen / CHRISTINA KIRSCH 02.07.2018
Viele Gäste kamen zur Vernissage mit Werken von Angela Flaig und Josef Bücheler in die Städtische Galerie.

„Es geht um nichts Geringeres als um das Leben und um die Vergänglichkeit“, sagte Volker Sonntag als Redner bei der Vernissage der Ausstellung mit Werken von Angela Flaig und Josef Bücheler in der Städtischen Galerie Ehingen. Das Künstlerehepaar zeigt Objekte, die eine große Ruhe ausstrahlen und zur Meditation einladen. „Es ist Kunst, die Zeit braucht“, meinte Volker Sonntag, der die Ausstellung zusammen mit Anne Linder und den Künstlern zwei Tage lang aufgebaut hat.

Schalen als Symbol

Die Zeit ist auch ein entscheidendes Element in der Kunst von Angela Flaig, die in stundenlanger Arbeit die Schirmchen von Löwenzahnblüten oder die Propeller von Distelsamen zu Objekten verbindet. In der Ausstellung sind ein Haus und ein Kegel aus Blütensamen zu sehen. Jeder Samen sei eine individuelle Ausprägung einer Grundform, meinte Sonntag, den unter anderem die duftigen Schalen beeindruckten. Die Schalen aus Blütensamen symbolisierten ein Geben und Empfangen und auf ihn wirkten sie wie Erscheinungen aus einer anderen Dimension.

Tatsächlich gingen die Räume der Galerie mit ihren Stuckdecken und dem Parkettboden noch nie so eine enge Verbindung mit der ausgestellten Kunst ein, da sich die Naturtöne farblich ergänzten und im Vormittagslicht eine unglaubliche Anmut und Sanftheit entwickelten. Angela Flaig stellt aber nicht nur Objekte aus Samen aus, sondern auch Fliese, die sie befeuchtete und mit Asche bestreute. Diese gefalteten Tücher erinnern an Grabtücher und schildern wie die Blüten eine letzte Etappe des Lebens.

Im Glauben verwurzelt

Mit Asche und Graphit arbeitet auch Josef Bücheler, der Ehingen gut kennt. Er habe 16 Jahre lang das so genannte Marchtaler Fenster, eine Ausstellung in der Obermarchtaler Kirchlichen Akademie, kuratiert, rief Volker Sonntag eine mittlerweile eingestellte Jahresausstellung mit zeitgenössischer Kunst in Erinnerung. Josef Bücheler war Novize in einer Benediktinerabtei und ist wie seine Frau im christlichen Glauben verwurzelt. Seine Fahnen und Zeichen, die an Vogelfedern erinnern, entstehen aus gebogenen Weidenruten und Prospektpapier, das Josef Bücheler mit Leim an die Äste bindet. Das Papier wird mit Asche, Erde und Graphit behandelt, so dass es einen ärmlichen, gebrauchten Eindruck macht. Der 82-Jährige war einige Jahre in Bangladesch und sah dort aus Pappe gefertigte Behausungen. Die Weideruten streben entweder nach oben und werden so zu Hoffnungszeichen, meinte Volker Sonntag, oder Josef Bücheler biegt sie zu runden Formen.

Die Ausstellung zeigt auch dreidimensionale Objekte, die der christlichen Ikonographie nahe stehen. Man kann in den gefalteten Arbeiten eine Schutzmantelmadonna sehen oder auch leere Hüllen. Ein Kruzifix zeigt nur noch den Abdruck des leidenden Christus. „Die beiden Künstler möchten nichts zerstören und Vorhandenes würdigen“, fasste Volker Sonntag zusammen.

„Es ist eine beeindruckende und inspirierende Ausstellung“, lobte Oberbürgermeister Alexander Baumann, der den beiden Kuratoren viel Leidenschaft und Expertise beschied. Auch die Sammlerin Doris Nöth, die mit den Künstlern eng verbunden ist, freute sich über die Ausstellung. Bei anregenden Gesprächen vertieften die Besucher ihre Eindrücke über eine Kunst, die sehr leise und dennoch eindringlich des Menschen Umgang mit der Natur reflektiert.

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