Geschichte Die Schule und ihre Kirche

An der Ostwand hängt das Hochaltarbild aus St. Blasius, das die Besucher des Rundgangs bestaunen konnten.
An der Ostwand hängt das Hochaltarbild aus St. Blasius, das die Besucher des Rundgangs bestaunen konnten. © Foto: Christina Kirsch
Ehingen / Christina Kirsch 16.04.2018

Wer die Konviktskirche anschauen will, muss entweder in einen Gottesdienst gehen, oder sich mit einem Blick durch eine Glasscheibe begnügen. Doch während eines Gottesdiensts umherzulaufen, verbietet sich, und der Blick durchs Glas ist unbefriedigend. Deshalb nahmen gestern mehr als 50 Interessierte das Angebot der Museumsgesellschaft wahr – und ließen sich von Johannes Lang durch die Kirche führen. Solche öffentlichen Führungen habe es seines Wissens die vergangenen Jahre nicht gegeben, sagte Lang.

Er begann die Führung vor der Kirche und erläuterte die Umgebung. Das Straßenschild „Burghof“ deute darauf hin, dass hier bis 1692 das Stadtschloss der Grafen von Berg stand. Diesen Grafen wird die Gründung der Stadt Ehingen zugeschrieben. Als die Burg zur Ruine zusammen gefallen war, gründete Abt Johann Martin Gleuz 1686 eine Lateinschule und ließ das noch heute bestehende Gebäude mit drei Flügeln bauen.

Johannes Lang verwies auf historische Quellen, nach denen Ehingen schon zuvor eine Lateinschule hatte und im 17. Jahrhundert auf der Suche nach Mönchen war. Bevor der Bau fertig wurde, soll die Lateinschule im Speth’schen Hof untergebracht gewesen sein.

Als Baumeister des Konvikts ist Franz Beer genannt, der die Schule und Lehrerwohnungen baute. Einst war im obersten Stock ein Theatersaal untergebracht, doch der schien überflüssig geworden zu sein, mit einer Zwischendecke wurde daraus ein Schlafsaal.

Die Konviktsschule war in den napoleonischen Kriegen ein Lazarett, im Weltkrieg starben hier russische Kriegsgefangene. Auf dem Dach ist heute noch eine Stelle auszumachen, an der einst ein rotes Kreuz aufgemalt war.

Als die Schule stand, beschlossen die Äbte den Bau einer Kirche, die zwischen 1712 und 1719 entstand, aber bis 1885 mit einem provisorischen Dach ausgestattet war. „Hehle macht sich im 19. Jahrhundert für die Fertigstellung stark“, sagte Johannes Lang.

„Der markante Grundriss der Konviktskirche ist dem damals zur Verfügung stehenden Baugrundstück geschuldet“, sagte der Kirchenführer. Es war nicht möglich, die Kirche nach Osten auszurichten, und der Grundriss ähnelt von Beginn an einem griechischen Kreuz. Der Bauherr Abt Beda Sommerberger war ein Verehrer des Herz Jesu, weshalb die Kirche eine Herz-Jesus-Kirche wurde. 50 Jahre nach Fertigstellung schlug 1769 der Blitz in den Turm ein und es blieb mehr als 100 Jahre bei dem provisorischen Dach.

Heute wird der Turm dreistöckig besiedelt. „Oben sind Falken, eins weiter darunter die Dohlen und noch weiter unten die Tauben“, sagte Franz Romer, der sich auch an eine Eibe im Schulhof des Konvikts erinnert. „Die hatte einen ganz blank gescheuerten Ast, der über die Mauer ragte“, sagte der Vorsitzende der Museumsgesellschaft. Dieser Eibenast war für die jungen Konviktoren das umständliche Tor zur Freiheit, sobald die Haustüre des Internats geschlossen war.

Von 1818 bis 1834 war die Kirche ein Fruchtkasten. Als König Wilhelm 1837 zum Manöver in Ehingen weilte und die desolate Kirche sah, gab er einen Zuschuss zur Renovierung. Danach wurde im Stil der Neorenaissance und des Neobarock renoviert. Seit 1934 ist die Kirche im Besitz der Diözese, die sie vor drei Jahren renovieren ließ.

Die Voluten zeigen benediktinische Heilige wie die Kunigunde, die ihre Krone ablegte und den Schleier der Nonnen nahm. Das Bild mit der Darstellung des Heiligen Lazarus, dessen Entfernung der Auftakt zur grundlegenden Renovierung war, hängt heute in der Sülchenkirche, der Bischofgruft der Diözese. Die modernen Bilder des Riedlinger Malers Albert Burkhart hingen einst in der Hauskapelle des Konvikts und sind jetzt in der Hauskapelle des Kolleg St. Joseph zu sehen.

Das einstige Hochaltarbild der Ehinger Stadtpfarrkirche St. Blasius hängt an der Ostwand der Kirche. Es zeigt den Heiligen, dem zu Füßen ein Engel ein Modell der Kirche St. Blasius trägt.

Wäre es in der Konviktskirche nicht so kalt gewesen, hätten die Besucher vermutlich noch lange den Ausführungen von Johannes Lang zugehört, die weder theologisch noch meditativ, sondern ganz praktisch nachvollziehbar und handgreiflich waren.

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