Serie Macher Die Schönheit der Natur vermitteln

Dächingen / Von Christina Kirsch 07.07.2018

Wiebke Fischer weiß, wie man Menschen anspricht. „Ich ködere sie mit Blumen oder lasse das Buch, das ich gerade lese, herumliegen“, sagt die Ehingerin, die im Biosphärenzentrum in Dächingen ehrenamtlichen Dienst tut. „Es finden sich immer Anknüpfungspunkte“, sagt die pensionierte Lehrerin.

Am vergangenen Sonntag kam ein Ehepaar aus Ulm vorbei. Die Türe des Biosphärenzentrums stand weit offen und Wiebke Fischer begrüßte die Besucher zunächst mit einem Lächeln. „Die meisten wollen sich zuerst umschauen, lesen die Banner oder studieren die ausgelegten Informationsblätter“, sagt Wiebke Fischer. Doch schon bald entwickeln sich Gespräche. „Sie erzählen dann, dass sie auf ihrer  Rückfahrt vom Urlaub hier vorbeischauen wollten oder gerade von einer Wanderung kommen.“ Der Blumenstrauß auf dem Tresen zieht auch die beiden Ulmer an. Man unterhält sich über Labkraut und Ochsenauge, über Bienen und Borretsch. Ein Gespräch kommt in Gang.

Expertin für Blumen und Kräuter

Wiebke Fischer ist eine Expertin in Sachen Blumen und Kräuter. „Das ist jahrelanges Üben und Interesse“, sagt sie. Als Schulleiterin der Grundschule Erbstetten-Frankenhofen führte sie das naturpädagogische Profil ein und vertrat die Ansicht, dass man jedes Kind für die Natur begeistern kann. „Gerade bei Kindern, die im Klassenverband originell waren, hat die Natur immer geholfen“, sagt sie über auffällige Kinder.

Mit den Jahren hat Wiebke Fischer einen riesigen Schatz an Naturwissen über die Gegend auf der Alb angesammelt. Bei  Kräuterführungen, bei ihrem Dienst im Biosphärenzentrum oder bei den VHS-Wanderungen gibt sie ihr Wissen weiter. „Neulich hat jemand einer Freundin zum Geburtstag eine Wanderung mit mir geschenkt“.

Immer geht es Wiebke Fischer darum, die Begeisterung für die Natur an den Mann und an die Frau zu bringen. Dann verweist sie auf ein Fleckchen Erde in der Umgebung, das zu einer bestimmten Jahreszeit besonders schön dasteht oder sie empfiehlt das Granheimer Turmuhrenmuseum, den Vogellehrpfad oder den Besinnungsweg als nur drei der lohnenswerten Ausflugsziele in der näheren Umgebung.

Die Liebe zur Natur und die Verbundenheit mit den Alb-Dörfern ist bei Wiebke Fischer aber schon in der Kindheit gelegt worden. Ihre Eltern waren Landwirte und wurden nach Kriegsende aus Ostpreußen vertrieben.

Nach dem Aufnahmelager in Marienfelde kam die Familie von 1953 bis 1956 in einem Lager in Ludwigsburg unter. Wiebke Fischer hat fünf Geschwister und die achtköpfige Familie lebte auf engstem Raum. Wiebke wurde zunächst in Ludwigsburg eingeschult. 1956 erwarb der Vater in Oberwilzingen einen Bauernhof und das  Mädchen lief jeden Tag viereinhalb Kilometer in die Hayinger Grundschule. „Heute undenkbar“, sagt sie und schüttelt den Kopf. Später bekam das begabte Mädchen auf der Urspringschule einen Freiplatz. Die unteren drei Klassen waren in den 70er Jahren noch im Schloss Mochental untergebracht.

Schon als Kind lernte Wiebke Fischer jeden Acker und jedes Waldstück auf der Ehinger Alb  kennen. Umso lieber ging sie 1996 als Lehrerin auf die Alb und wurde Schulleiterin in Erbstetten. Zuvor studierte sie in Schwäbisch Gmünd und war Lehrerin an der Michel-Buck-Schule. Wiebke Fischer ist verheiratet und hat zwei Töchter. Lange engagierte sie sich im Ehinger Kinderschutzbund und betreute auch Flüchtlinge.

Ausflüge „ohne Uhr und Geld“

Noch heute erinnert sie sich gerne an die Ausflüge in die Umgebung „ohne Uhr und ohne Geld“ und versucht auch andere Menschen für die Schönheiten der Natur zu begeistern. In ihrem Ehrenamt vermittelt sie den Menschen das Wahrnehmen der Umgebung. Sie verweist auf das besondere Licht und die gute Luft auf der Alb.

Und wenn sie die Kräuter am Wegesrand bestimmt und zu jedem Blümchen etwas zu erzählen hat, dann springt die Begeisterung unweigerlich auch auf ihre Mitwanderer über.

Freiwillige Helfer im Biosphärenzentrum

Einrichtung Seit gut sechs Jahren steht das Biosphärenzentrum in Dächingen. Das „Informationszentrum Ehinger Alb“, wie es offiziell heißt, vertritt die Stadt Ehingen im Biosphärengebiet Schwäbische Alb, zu dem die Ehinger Alb-Teilorte gehören. Freiwillige Helfer vom Förderverein Biosphärengebiet und der Lokalen Agenda der Stadt betreuen das Zentrum. Weitere Biosphärenzentren im Verbreitungsgebiet gibt es auch in Hütten (für Schelklingen) und in Lauterach.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel