Zu einer öffentlichen Sitzung der besonderen Art hatte am Mittwoch Allmendingens Bürgermeister Florian Teichmann eingeladen. Gemeinsam mit den Räten machte er sich auf zu einem „Waldbegang“. Neben den Gemeinderäten nahmen Ortschaftsräte aus Ennahofen, Grötzingen, Weilersteußlingen und Niederhofen teil. Thema war die neue Planung (Forsteinrichtung) für die kommenden zehn Jahre.

Klaus Schuler vom Regierungspräsidium Freiburg, Revierförster Werner Bierer und Thomas Herrmann vom Kreisforstamt führten die 23 Teilnehmer zählende Gruppe. Treffpunkt war das Wanderheim Farrenstall unterhalb von Weilersteußlingen. Zunächst ging es zum so genannten „Baurenhau“ oberhalb von Grötzingen. Er gehört zum Gemeindewald Allmendingen mit seinen 270 Hektar.

Ziel: Stabiler Mischwald

Die Fachleute zeigten unterschiedliche Waldbilder, Schwerpunkt war der Laubholzbetrieb. Ziel sei es, einen stabilen Mischwald aufzubauen und zu erhalten, sagte Schuler. Der Wald solle neben der Gewinnung von Brennholz auch eine Schutz- und Erholungs-Funktion bieten und ökologische Ziele erfüllen. Eine wichtige Rolle spiele der „Nichtholzboden“, zu dem etwa Weideflächen gezählt werden. Der Buchen-Bestand dominiere mit 66 Prozent. Fichte sei mit 24 Prozent vertreten,  Ahorn, Esche, Tanne und Douglasie mit drei Prozent.

Auf die Frage, wie sich der „Buchdrucker-Käfer“ auswirke, gab Bierer Auskunft. Er erklärte, dass dieser Käfer die Douglasie nicht befällt. Man könne aber davon ausgehen, dass nach dem trockenen vergangenen Jahr auch 2019 ein Käferjahr werden könnte.

De Vorratsbestände im Wald sind von 309 auf 305 Festmeter pro Hektar zurückgegangen. Zur Zustandserfassung gehören auch der Wasser- und Quellschutz mit 120 Hektar, der Erholungs- Boden und Landschaftsschutz mit 80 Hektar und Waldbiotope mit 1,3 Hektar. Die  Betriebsfläche beträgt 270 Hektar, die in einem Revierbuch festgehalten werden.

Nährstoffgehalt ist wichtig

Bei der nächsten Station des Rundgangs besichtigten die Teilnehmer Bäume des Altersbestands A2. Zu ihm gehört die Buche im Alter von 13 bis 18 Jahren. Vor 20 Jahren gepflanzte Eichen wurden in jüngster Zeit zum Schutz vor Verbiss mit Rohren ummantelt. Wenn ein Baum, der erhalten werden soll, vom Nachbarbaum am Wachsen gehindert wird, kann der Förster diesem die Rinde „unterbrechen“. So bleiben Habitat-Bäume stehen, die nicht kommerziell verarbeitet werden und der Tierwelt nützen.

In einer angrenzenden Verjüngungskultur, der „Kohlhalde“, wachsen zu 85 Prozent Buchen im Alter von 130 bis 140 Jahren und 10 Prozent Eschen. Als Zielstärke werde bis zu 60 Zentimeter Durchmesser angestrebt.

Im Zehn-Jahres-Konzept wird auch die Tanne in diesem Weißjurastandort eine Rolle spielen. Auch der Nährstoffgehalt des Bodens kam zur Sprache. Die Nährstoffe wurden schon in den 1950er Jahren bei einer Bodenzustandsinventur kartiert. An einem weiteren Standort, etwa hundert Meter weiter, wurde in den vergangenen zehn Jahren die Planung eingehalten und ein zufriedenstellender Ertrag mit 500 bis 600 Festmetern Brennholz erzielt. Auch die gelb markierten Z-Bäume trafen auf Interesse, wobei „Z“ für Zukunft steht – solche Bäume sollen erhalten werden.

„Urige Baumgestalten“

Flächen in denen urige Baumgestalten stehen, wie sie Herrmann nannte, könnten nach einem Ökopunktesystem der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) für die Bewirtschaftung stillgelegt werden, um darin die natürliche Entwicklung voll zur Geltung kommen zu lassen. Zum Abschluss der Waldbegehung wies Bürgermeister Teichmann darauf hin, dass bei der nächsten Gemeinderatssitzung am 10. April die Beschlussfassung über die Forstbewirtschaftung erfolgen soll.

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