Kabarett Die mehrfach ungesättigte Fette

Michael Panzer alias Fräulein Wommy Wonder alias Putzfrau Elfriede tritt beim Brauer-Silvester in Berg auf.
Michael Panzer alias Fräulein Wommy Wonder alias Putzfrau Elfriede tritt beim Brauer-Silvester in Berg auf. © Foto: Christina Kirsch
Berg / CHRISTINA KIRSCH 01.10.2018

Ein Fräulein-Wunder in XXL hat in der voll besetzten Brauereiwirtschaft in Berg das Publikum überrollt: Als special guest trat am Brauer-Silvester neben der Saubachkome.de noch Fräulein Wommy Wonder auf. Die Dame, die nach eigenen Angaben „doppelt so groß wie Norbert Blüm“ ist, legte einen körperlich überragenden Auftritt hin, bei dem die Herren der Saubachkome.de dem Travestie-Star nur bis zum ausladenden Busen das Wasser reichen konnten.

Seit 1984 erobert der studierte Theologe und Germanist die Bühnenbretter und parodierte in seinen Anfangszeiten im Ehinger Marienheim die Figuren der Weltgeschichte. Damals noch ohne Glitzerfummel und Turmfrisur, aber bereits mit Wandlungsfähigkeit und rasantem Humor. Mittlerweile ist das Fräulein, das bürgerlich Michael Panzer heißt, ein Star in der Travestie-Szene.

Sie sei im Prinzip nicht bösartig, erklärte sie zu Beginn des Programms und machte sich kurz darauf über Helene Fischer und Andrea Berg lustig. In ihrem Programm biete sie eine Reise bis ans Ende des Verstands – was wiederum für manche nur ein Kurztrip sei. Sie könne mehrere Sprachen, unter anderem Französisch, behauptete Fräulein Wommy Wonder. Bei der letzten mündlichen Prüfung sei sie allerdings fast erstickt. Solche Gags brauchten bei den Gästen in der Brauereiwirtschaft gelegentlich ein paar Sekunden, bis sie zündeten.

In ihren Gesangseinlagen parodierte Wommy Wonder zu der Melodie „My bonnie ist over the ocean“ das Englisch des Günther Oettinger und reimte „my father was over my mother, and this was the beginning of me“. Wommy Wonder stolzierte im beinfreien Glitzer-Fummel durch die Stuhlreihen. Der Dress sei ursprünglich ein Duschvorhang des einstigen Limburger Bischofs gewesen, behauptete Wommy. Jetzt bereite ihre das Kleid allerdings Probleme. Sie müsse sich jedes Mal mit Mühe hineinatmen. Mittlerweile komme sie eben in ein Alter, bei dem „Happy“ und „Birthday“ getrennte Wege gingen, bedauerte sie.

Doch ihr Leben habe auch Glücksmomente aufzuweisen. Etwa dann, wenn der oberste Jeansknopf wieder zuginge. „Dummerweise hatte ich die Jeans noch gar nicht an.“ Scheinbar empört erging sich Wommy in Worten, die man als politisch korrekter Mensch nicht mehr sagen dürfe. „Zigeuner“ hießen neuerdings Rotationseuropäer, und sie wundere sich sehr über die „Roma“-Tomaten im Supermarkt. „Ja sinti noch ganz normal“ empörte sie sich über Roma-Salat und Mohr-Rübe.

Nach einer Einlage der Saubachkome.de, bei der die Herren bewiesen, dass man auch mit kahlem Schädel Headbanging betreiben kann, trat Michael Panzer als Putzfrau Elfriede auf. Auch Elfriede hatte Figurprobleme. „Es gibt gute Fette und schlechte Fette“, sagte sie. „Ich bin eine gute Fette.“ Allerdings auch eine ungesättigte Fette, „manchmal sogar eine mehrfach ungesättigte Fette“.

Doch es gebe einen Trost. „Von meiner Veranlagung her bin ich schlank, doch ich lebe es nicht aus“, behauptete Elfriede und wedelte sich mit Verve und Anmache durch die Gasthaustische. Bei Wommy Wonder bekam jeder gutes Fett weg.

Info Fräulein Wommy Wonder ist am Sonntag, 5. Mai 2019, um 18 Uhr in der Ehinger Lindenhalle mit ihrem Programm „Echt jetzt!“ zu sehen.

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