Ehingen/Ulm Die LDG wirft Fragen auf

Ehingen/Ulm / HEIKO LOSSIE, DPA 08.06.2012
Nein, sagt Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz zu dem Vorwurf, Anton Schlecker habe Geld beiseite geschafft. Doch die LDG, eine Firma, die Lars Schlecker gehört, wirft Fragen auf. Im Vordergrund steht ein Kredit.

Eine Firma aus dem Reich der Familie Schlecker lässt rätseln und ist Anlass für Medienberichte, in denen es immer wieder um die Frage geht, ob im Vorfeld der Insolvenz Geld beiseitegeschafft worden ist: die LDG Logistik- und Dienstleistungsgesellschaft mbH, die Lars Schlecker gehört. Unter anderem geht es um einen 51-Millionen-Euro-Kredit.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa zählte die LDG nur Schlecker als Kunden und verbuchte konstant ansehnliche Gewinne, während das Drogerieimperium selber schon gewaltig kriselte. Das "Handelsblatt" berichtete am Dienstag erstmals über das Konstrukt und wirft die Frage auf, ob Firmenchef Anton Schlecker über den Umweg dieser Firma womöglich Geld beiseitegeschafft haben könnte. "Der Gründer ging volles Risiko, die Kinder sicherten sich ab", schreibt das Blatt.

Der Dienstleister gehört laut Registerinformation Lars Schlecker alleine. Laut Bundesanzeiger standen 2010 rund 33 Millionen Umsatz gut 12 Millionen Überschuss entgegen - eine Gewinnmarge nach Steuern von satten 38 Prozent. Nach dpa-Informationen gab es im alltäglichen Geschäftsablauf der Firma mit ihren rund 600 Mitarbeitern aber keine Ungereimtheiten. "Es wurden im Marktvergleich durchaus übliche Stundenlöhne gezahlt", verlautete aus Branchenkreisen, die mit den internen Abläufen der LDG bestens vertraut sind.

Auch ein mit großen Fällen erfahrener Insolvenzverwalter sagte der dpa: "Man darf nicht den Fehler machen, die Gesamtsituation der Schleckerfirma mit der Situation dieser Dienstleistungsfirma zu vergleichen und nur wegen der unterschiedlichen Entwicklungen sofort auf Ungereimtheiten zu schließen." Für Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz sei es fraglos möglich, Zahlungsflüsse an LDG auch noch Jahre zurück zu beanstanden. Das Unternehmen erbrachte für Schlecker Logistikdienstleistungen wie etwa elektronische Lagerverwaltung.

Ungewöhnlich sind an der LDG-Bilanz jedoch zwei Dinge: Zum einen wird die Bezahlung der beiden Geschäftsführer nicht ausgewiesen. Andererseits ist in der Bilanz 2010 ein Kredit über 50,7 Millionen Euro auffällig, der nach dpa-Informationen an Anton Schlecker selber ging. Er ließ sich also Geld aus dem Polster geben, das die LDG die vergangenen Jahre dank großer Gewinne angehäuft hatte. Bei der Gläubigerversammlung in Ulm blieb zunächst unklar, wofür der Firmenpatriarch dieses Geld nutzte. Die LDG zumindest brachte das Darlehen in akute Bedrängnis. Die Vermögens- und Finanzlage hänge "entscheidend von der Werthaltigkeit einer Darlehensforderung in Höhe von 50,7 Millionen Euro gegen eine natürliche Person" ab, heißt es in der Bilanz über Schleckers Kredit.

Verwalter Gewitz wies bei der Gläubigerversammlung in Ulm Medienberichte zurück, wonach Geld beiseite geschafft worden sei. Kritiker könnten der Familie vieles vorwerfen - etwa, dass sie zu spät auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten reagiert habe. "Nicht aber die Rettung von Vermögen in großem Stil", sagte er. Schlecker habe zwischen 2008 und 2011 mehrere Hundert Millionen Euro in das kriselnden Drogerie-Imperium gesteckt. Ob die knapp 51 Millionen Euro Darlehen aus der LDG dazugehörten, wird Geiwitz sicherlich prüfen. Sein Sprecher bestätigte dem "Handelsblatt" Pläne für Kontrollen.

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