Ich denke, dass die Donau keine Heimatstadt, kein Heimatland hat“, sagt Satoko Kato. Die 26-Jährige studiert im zweiten Semester an der Kunstakademie Stuttgart – und arbeitet an einer Installation fürs Kulturfestival Interim Ende Juni in Ehingen. Kato plant ein Kunstwerk, in dem Wasser aus der Donau eine Mechanik in Gang setzt, die das Ehinger Heimatlied „Glücklich, wer hier Heimat hat“ erklingen lässt. „Die Donau bewegt sich immer, aber sobald die Donau durch Ehingen fließt, ist die Donau Ehingen“, sagt Kato zur Idee des Kunstwerks.

Wie die Mechanik funktionieren soll, steht noch nicht fest. Einzig, dass es eine Installation aus Plastikflaschen werden soll, in denen das Wasser zirkuliert, und die womöglich auf dem Marktplatz aufgestellt werden könnte. Das Wasser selbst soll aus der Donauquelle im Schwarzwald stammen.

Webcams auf Marktplatz und Biosphärengebiet

Katos Kommilitonin Evangelia Ntouni beschäftigt sich in ihrem Projekt mit Fiktion und Wirklichkeit. Dazu will die 29-Jährige zwei Webcams aufstellen, eine auf dem Marktplatz, eine im Biosphärengebiet. Die Kameras sollen dann eine Installation oder eine Performance in den Blick nehmen, jeder kann sich dann übers Internet auf die Webcam zuschalten. „Ich will dabei auch mit Licht spielen, mit Dunkel und Hell.“ Und Kathrin Uhlirsch ist sich noch unsicher, wie ihr Kunstwerk sich nach außen definiert. Fest steht, dass es von der Stadtgeschichte handelt. „Wir beschäftigen uns mit Legenden und Mythen“, sagt die 23-jährige Studentin, erwähnt den Stadtpatron Theodul oder die Goldhaube, eine frühere Tracht.

Holzfloße mit Christbäumen

Vergangenen Freitag hat sich Christian Greifendorf mit Kurator Rainer Markus Walter und einigen der beteiligten Künstlern getroffen, um sich abzusprechen und die einzelnen Projekte zu koordinieren. Greifendorf ist der Künstlerische Leiter für das Interim-Festival. Dass die drei Kunststudentinnen aus Stuttgart an dem Festival mitmachen, geht auf ihn zurück. Er hat sich die Kunstakademien in Bayern und Baden-Württemberg angeschaut, einige angeschrieben.  „Der Fokus lag auf Akademien, die installativ oder performativ arbeiten.“

Patricija Gilyte ist über diese Frage bereits hinaus. Die Künstlerin will zwei Holzfloße bauen – aus alten Weihnachtsbäumen vom Marktplatz. Eines der Floße soll als Skulptur auf dem Volksfestplatz stehen, ein anderes wird zum Filmen im Mai auf der Donau zu Wasser gelassen, der Film soll dann beim Festival zu sehen sein. „Besonders schön ist es bei Nasgenstadt“, sagt die Künstlerin. Das Projekt sei durchaus ein kommunikatives, soll heißen: Wer sich im Floßbau auskennt, kann mithelfen und sich im Pfeiferhaus freitags melden.

Warum sie im Sommer eine Installation mit Weihnachtsbäumen plant, die derzeit im Pfeiferhaus lagern und allmählich ihre Nadeln verlieren? „Das hat was Ökonomisches: Die Bäume waren ja schon da, an Weihnachten waren sie sehr wertvoll.“ Gilyte wollte einerseits die Donau in ihr Projekt einbinden, andererseits etwas, das von hier stammt – und kam an Weihnachten auf die Fichte, die hier wächst.

Um Bäume dreht sich auch die Installation von Gabriela Nasfeter. Die Künstlerin plant eine Stoffinstallation auf dem Volksfestplatz, ähnlich wie jene in Ochsenhausen, wo die heute 69-Jährige auf einer Wiese 160 Stelen aus Stoff aufbaute. Wie ihr Interim-Kunstwerk im Detail aussieht, sei noch nicht endgültig entschieden, aber der Stoff werde wohl an den Bäumen dort festgemacht werden.

Greifendorf selbst arbeitet an seinem Projekt „versammelt“, überstreicht dabei mit roter Farbe Alltagsgegenstände, die ihm die Ehinger vorbeigebracht haben, darunter Stühle, Bilder und ein großes, altes Landschaftsbild. Ob es ihm als Künstler nicht sträubt, ein Bild mit roter Farbe zu übermalen? „Nö, das sind ja Sperrmüllgegenstände.“ Für ihn steht der Upcycling-Gedanke im Vordergrund, einen anderen Blick auf Gegenstände zu bekommen, die für die einstigen Eigentümer Müll waren, und ihnen letztlich eine neue Bedeutung zu geben.

Percussion Ensemble, Blasmusik und Rock


Ablauf Der erste Abend des drei Tage dauernden Festivals wird mit der Musikschule gestaltet. Ein Percussion-Ensemble wird auftreten, es gibt Tanz- und Musical-Gruppen, sagt Kurator Walter. Für den zweiten Abend hat man bei einem Blasmusikverein angefragt. In einem Workshop sollen Stücke erarbeitet werden. Den dritten Abend gestaltet das Jugendhaus, laut Walter „knackig-rockig“ mit Bands aus der Region.