Lebensmittel Die „Alb-Leisa“ vermarktet sich von selbst

Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch bei ihrem Besuch gestern in der  Öko-Erzeugergemeinschaft Alb-Leisa in Lauterach.
Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch bei ihrem Besuch gestern in der Öko-Erzeugergemeinschaft Alb-Leisa in Lauterach. © Foto: Christina Kirsch
Lauterach / Christina Kirsch 13.08.2018
Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch besuchte am Montag die Öko-Erzeugergemeinschaft „Alb-Leisa“ in Lauterach und warb für eine Mitgliedschaft im Bio-Label „bio Baden-Württemberg“. Erfolglos.

„Ich hätte Sie gerne mit dabei gehabt“, sagte Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU) am Montag in Lauterach unumwunden. Die Staatssekretärin im Landwirtschaftministerium in Stuttgart zielte dabei auf das Siegel „bio Baden-Württemberg“ ab. Doch Lutz Mammel, der in Lauterach die Linsen von 90 Erzeugern vermarktet, stellte klar, dass die Linsenanbauer der „Alb-Leisa“ dieses zusätzliche Label nicht brauchen – und auch gar nicht wollen.

Strenge Richtlinien

Die Alb-Linsen werden von Landwirten der Schwäbischen Alb angebaut und unterliegen den Anbau-Richtlinien von Demeter oder Bioland. Die Anforderungen dieser beiden Verbände sind strenger als die Bedingungen unter denen nach EU-Bio-Richtlinien angebaut werden darf. Dazu gehören unter anderem Anbaupausen von mehreren Jahren. Der Lauteracher Betrieb, der 2008 als Ein-Mann-Betrieb mit der Vermarktung der Linsen von Öko-Höfen der Umgebung begann, ist heute mit elf Mitarbeitern der größte Arbeitgeber in Lauterach und hat einen Jahresumsatz von 1,2 Millionen Euro.

80 bis 90 Prozent des Umsatz werden durch die drei Linsensorten Späths Alblinse I, Späths Alblinse II sowie die dunkelgrüne marmorierte Linse gedeckt. Die alten Sorten waren in den 1940 und 1950er Jahre von der Alb verschwunden und Woldemar Mammel, der Vater von Lutz Mammel, fand in der Saatgutbank in St. Petersburg (Russland) Samen, die er auf der Alb vermehrte. Seit 2012 sind die Sorten wieder auf dem Markt. „Linsen und Spätzle“ sind ein eiweißreiches wie ausgewogenes Gericht und haben viele Freunde. „Wir beliefern Läden im Umkreis und die Firmenkantinen der Allianz-Versicherung, von SAP und Trumpf Maschinenbau“, sagte Lutz Mammel.

Neue Farblesemaschine

In Lauterach werden die Linsen getrocknet und gereinigt. „Wir haben im letzten Jahr eine Farblesemaschine angeschafft“, berichtete Lutz Mammel über anfällige Investitionen. Die Erzeuger ernten jährlich 100 bis 200 Tonnen Linsen. Im Gegensatz zu den 20.000 Tonnen, die jährlich in Deutschland importiert werden, ist das wenig. Doch der schwäbische Linsenanbau bringt nicht nur eine gesunde Frucht hervor, sondern trägt zum Erhalt eines humusreichen Bodens bei. Zudem wachsen neuesten Untersuchungen zufolge auf einem Linsenfeld viele Beikräuter, wie etwa das wilde Stiefmütterchen oder das Adonis-Röschen, die von Wildbienen gerne angeflogen werden. Linsenfelder haben zudem die höchste Lerchenpopulationsdichte. Vater und Sohn Mammel erläuterten auch den kanadischen Linsenanbau. Dort werde die Linse kurz vor der Ernte im so genannten Sikkation-Verfahren trocken abgespritzt, was eine Ernte „clear field“, also ohne Unkraut, ermögliche. Das dabei verwendete Glyphosat sei auf diesen Import-Linsen nachweisbar.

Das trockene Jahr 2018 bringt eine sehr gute „Alb-Leisa“-Ernte. Auch der Leindotter als Stützfrucht mag die Trockenheit. „Der Leindotter könnte die Gewinnerfrucht des Klimawandels werden“, prognostizierte Mammel, der den Leindotter in einer Riedlinger Ölmühle mahlen lässt. Da der Gehalt von Omega-3-Fettsäuren im Leindotter als für die Gesundheit zuträglich gilt, lässt sich das Öl gut verkaufen.

Weniger Fleischproduzenten?

In dem Gespräch kamen auch die Düngeverordnung, die Blühstreifen, die Stallbauförderung und die Artenvielfalt zur Sprache. „Wir brauchen weniger Fleischproduzenten, weil wir nicht wissen, was wir mit dem vielen Stickstoff machen sollen“, sagte Franz Häußler. Auch die teure Trinkwasseraufbereitung durch die Stickstoffüberdüngung gehe zu Lasten des Steuerzahlers. CDU-Generalsekretär Manuel Hagel plädierte dafür, die konventionelle Landwirtschaft mit der Bio-Landwirtschaft zu harmonisieren, statt sie gegeneinander auszuspielen. Friedlinde Gurr-Hirsch möchte die Bevölkerung an Bio-Lebensmittel heranführen und mit Aktionen wie „bio Baden-Württemberg“ oder „Schmeck den Süden“ auch die Gastronomie ins Boot holen. „Die Alb-Leise hat das nicht nötig“, sagte Lutz Mammel. „Das bringt uns keinen Zusatznutzen und ist uns zu wenig bio.“ Die meisten Menschen würden jedoch den Unterschied zwischen EU-Bio und Verbands-Bio nicht kennen, mutmaßte Hagel.

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