Emerkingen / DORIS MOSER  Uhr
Einst waren sie die Stars der Region - in den 60er und 70er Jahren füllte das "Edelweiß-Sextett" Tanzsäle und Festzelte. Jetzt besuchte Karl Hagmann, einer der legendären Musiker, alte Freunde in Emerkingen.

Er hatte sein Original-Akkordeon aus den Glanzzeiten der Edelweiß-Kapelle mitgebracht und es wurde zur Musik gesungen und sogar gejodelt an diesem schönen Nachmittag, an dem Karl Hagmann vom einstigen "Edelweiß-Sextett" die alten Freunde und Weggefährten in Emerkingen besucht hat. Nostalgie lebte für einige Stunden auf im "Hirsch-Saal", wo die damals jungen Musiker von den Lutherischen Bergen regelmäßig die Wände und Fußböden beben ließen und den Nachbarn den Schlaf raubten. Etwa 50 Männer, fast alle im reiferen Alter, genossen das außergewöhnliche Erlebnis, auch Fritz Geprägs, der seit Jahrzehnten in Rottenacker lebt, war gekommen, stilvoll im Edelweiß-Hemd. Geprägs war dabei gewesen, als sich die Band aus dem Bergemer Musikverein heraus gründete, ging dann aber beruflich in die Schweiz.

Karl Hagmann, der mittlerweile in Schelklingen wohnt und noch täglich zum Familienunternehmen Hagmann Umzüge nach Ulm fährt, erinnerte zurück zum Ende der 50er Jahre. "Das hat ganz klein angefangen", sagte er. Zuerst spielten die sechs Musiker Karl, Siegfried und Jakob Hagmann, Erich Schaude, Anton Aierstock und Walter Nittka bei Hochzeiten in den Dörfern, dann fuhren die jungen Männer mit dem Moped und Motorrad zu kleineren Festen auf der Alb, um die Leute mit Volksmusik und alten Schlagern zu unterhalten oder sogar Wiener Kaffeehaus-Musik zu servieren.

Vom Start weg hatte das Sextett mit Tanzmusik und dem populären Oberkrainer Musikstil durchschlagenden Erfolg. Weil sie auch oft in den Bergen zum Skifahren und Wandern waren, wurde das Edelweiß zu ihrem Markenzeichen. Mit der Zeit füllten die Musiker in ihren Lederhosen große Tanzsäle wie den im "Adler" in Ehingen und in Altsteußlingen, auch jedes Festzelt war randvoll, wenn die Älbler gastierten. So kamen sie auch nach Emerkingen, wo die Musiker nicht nur sämtliche Zeltfeste der Musikkapelle zum Hit machten, sondern auch gute Freunde fürs Leben fanden.

"Die Emerkinger Termine hatten immer Vorrang bei uns, gut 200 Mal haben wir hier gespielt", berichtete Hagmann. Damals gab es noch keine technischen Hilfsmittel wie Verstärker, ganz zu schweigen von moderner Elektronik, etwa einem Mischpult oder Lichteffekten. Die Musik war total authentisch und doch, oder vielleicht auch gerade deshalb, war in den Sälen die Hölle los. Die Emerkinger Musiker fuhren regelmäßig auf die Alb zu ihren Freunden, halfen ihnen bei Festivitäten oder beim Zeltaufbau.

Karl Egle, Vorsitzender des Musikvereins Emerkingen von 1966 bis 1987, pflegt noch bis heute den Kontakt mit Karl Hagmann, und die beiden haben auch das Treffen am Samstag im "Hirsch-Saal" eingefädelt, wo sich auch Senior-Wirt Josef Härle riesig über den populären Gast freute, der stets die Emerkinger Musikertage besucht. Jetzt spendierte Hagmann Kaffee und Kranzbrot für die Runde im "Hirsch". Alte Erinnerungen und Anekdötchen wurden in geselliger Runde ausgetauscht, dann holte Hagmann sein Akkordeon von damals aus dem Auto und spielte die Oldies von den Bergvagabunden und der schönen Welt, Ohrwürmer wie "Anneliese" und "Die Vogelwiese" wie auch das Lied von den Capri-Fischern sowie zünftige Trink- und Wanderweisen. Seine Finger fliegen auch heute noch über die Tasten und Knöpfe, sichtlich keimt dabei die alte Leidenschaft auf. Die etwa 50 Männer sangen aus voller Kehle mit, klatschten, und manche jodelten sogar. Alle waren an diesem Nachmittag wieder ganz jung geworden.

1975 mussten Sextett und zahllose "Edelweiß"-Fans schmerzlich von Siegfried Hagmann Abschied nehmen, er war bei einem tragischen Verkehrsunfall auf der Heimfahrt von einem Auftritt ums Leben gekommen. Von da an war nichts mehr wie es war, und im August 1978 verabschiedete sich das "Edelweiß-Sextett" mit einem grandiosen letzten Konzert in Ennahofen von der öffentlichen Bühne. "Es waren 20 schöne Edelweiß-Jahre, die ich nicht missen möchte", resümierte Karl Hagmann. Damit sprach er seinen Emerkinger Weggefährten aus dem Herzen, die sich ein baldiges Wiedersehen wünschen.