Geschichte Die Geschichte der Herrengasse in Oberdischingen

Neues Buch: Werner Kreitmeier in der Herrengasse.
Neues Buch: Werner Kreitmeier in der Herrengasse. © Foto: Emmenlauer
Oberdischingen / RENATE EMMENLAUER 25.08.2018

Die Oberdischinger Herrengasse gilt durch ihre schönen Häuser im französischen Mansardstil als einzigartig – Werner Kreitmeier hat die Historie der Häuserzeile in hunderten von ehrenamtlichen Stunden im Detail aufgearbeitet. Beim „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, 9. September, wird das Buch „Die Herrengasse in Oberdischingen – Geschichte einer Straße“ im Oberdischinger Rathaus vorgestellt. Auf 234 Seiten schildert der Vorsitzende des Museumsvereins lebendig die Geschichte der Gasse.

Auch Streitigkeiten sind Thema

Man kann Baupläne, alte Handwerkerrechnungen, Protokolle über Besitzerwechsel und Ahnentafeln einsehen. Auch Streitigkeiten zwischen den Bewohnern sind aufgeführt. Die Idee für das Buch sei bei der Ausstellung zur Herrengasse im Jahr 2015 entstanden. „Die Resonanz bei der Bevölkerung war damals überragend“, berichtet Kreitmeier. Die Basis für ein Buch war dadurch gegeben. Unterstützung erhielt er von den Mitstreitern des Museumsvereins, Bürgern sowie durch Dr. Anton Braig aus Schwalbach, der das einstige  Brandversicherungskataster vom Altdeutschen ins Schriftdeutsch übersetzte. Mit dem Kataster konnten alle Bewohner der zehn Gebäude ab dem Erstbezug recherchiert und so eine fast lückenlose Besitzgeschichte erstellt werden. Und das, obgleich die Gebäude im Verlauf der Jahrhunderte fünf verschiedene Hausnummern hatten. Zu verdanken hat Oberdischingen die Gasse dem Reichsgrafen Franz Ludwig Schenk von Castell. 1767 ließ er das Kanzleigebäude erstellen, dessen 250-jähriges Bestehen 2017 gefeiert wurde.

Erstes Gebäude war der „Löwe“

Laut Aufzeichnungen sei der Gasthof Löwen als erstes Gebäude der berühmten Häuserzeile 1777 erbaut worden. 1784 eröffnete die erste Apotheke, 1787 folgte eine Metzgerei und 1792 zog die Bäckerei Ott ein. Laut Kreitmeier habe die Straße den Namen Herrengasse erhalten, weil sich dort die „Herren“ des Reichsgrafen ansiedelten – Apotheker, Gerichtsdiener, Studierte, aber auch Handwerker und Kaufleute. „Es gab die Bäckerei Ott, die Spenglerei Fasnacht, Schreinerei, Uhrmacher, Küfer und Schmied. Die meisten Geschäfte wurden noch bis in unsere Zeit hinein betrieben, einige gibt es immer noch. Etwa die Apotheke und den Frisör.“ Auch die renommierte Firma Bareiß hatte ihre Anfänge in der Herrengasse. Außerdem waren zwei Tankstellen dort angesiedelt gewesen. Zwei der denkmalgeschützten Gebäude werden noch von Nachfahren der ersten Besitzer bewohnt. Mehr will Werner Kreitmeier aus seinem neuen Buch nicht verraten – nur soviel, dass die Geschichte noch den Herrengassbrunnen, die Verdohlung des Dischinger Bachs sowie Hochwasserereignisse enthält.

Ausstellung zum Ersten Weltkrieg

Beim „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, 9. September, von 11 Uhr an gibt es in Oberdischingen zudem noch eine umfangeiche Ausstellung zum „Ersten Weltkrieg, Oberdischingen und die Garnisonsstadt Ulm“, ferner geben original Versandhauskataloge von 1917 Einblick in die damalige Mode. Der Eintritt ist frei. Das DRK Oberdischingen serviert aus der neuen Feldküche Gerichte von einst.

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