Mit der Euro-Krise werden sich die Staaten, die Banken und die Menschen in Europa wohl noch lange beschäftigen müssen, sagte der Finanz- und Wirtschaftswissenschaftler Prof. Wolfgang Gerke voraus. Er war aus seiner Heimat Tirol angereist, um vor der Vertreterversammlung der Ehinger Volksbank über das Thema "Europa in der Krise - Deutschland vor schweren Zeiten" zu referieren. Gerke, wie immer mit Fliege, brach das Thema zunächst auf die Volksbank herunter, bei der die Menschen ihr Geld sicher anlegen könnten, allerdings mit geringerer Rendite. In Ehingen herrschten somit rosige Zeiten, denn das Geld sei in sicherer Hand. Wer immer mehr Gewinne wolle, müsse stetig höhere Risiken in Kauf nehmen, was zu einer verhängnisvollen Spirale führe, machte er deutlich. Am Ende stand die Finanz-, Banken- und letztlich die Euro- und Staatenkrise, die noch lange nicht gelöst sei.

Sehr vieles sei falsch gelaufen, damit es so weit kommen konnte, sagte Gerke, der sich einen überzeugten Europäer nannte. Man habe versucht, jedes Problem in der Finanzwelt mit neuem Geld zu lösen und damit seien wahnsinnige Schulden aufgehäuft und die Fehlentwicklungen der Märkte sowie die Krise des Euro eingeleitet worden. Alle Rettungsversuche seien letztlich nur Umverteilungsmaßnahmen. Europa sei gewisse Opfer wert, doch es dürfe nicht über den Tisch gezogen werden, stellte der Experte klar. Seiner Meinung nach muss Griechenland raus aus der europäischen Währung, weil es seine Probleme nur mit einer geordneten Insolvenz und der Drachme als Währung wieder in den Griff bekommen könne. Spanien sei mit Griechenland nicht zu vergleichen, dort müsse Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden. "Wie wäre die Lage bei uns mit 20 Prozent Arbeitslosigkeit und 50 Prozent junger Menschen ohne berufliche Perspektive?", hinterfragte Gerke. Dies sei eine Menge Zündstoff. Weder Spanien noch Italien seien aber als Auslöser eines Dominoeffekts in Euroland zu sehen.

Eine neue D-Mark wäre niemals die alte D-Mark, schrieb er jenen ins Stammbuch, die sich die D-Mark zurückwünschen. Es sollen nach neuesten Umfragen 80 Prozent der Deutschen sein. Die D-Mark sei unbestritten ein Erfolgsmodell gewesen, doch ihre Nachfolgerin würde zur Katastrophe. Die Inflation würde steigen, die Wirtschaft würde in eine dramatische Rezession steuern, denn im Zentrum Europas sei Deutschland auf freie Märkte angewiesen. Viele weitere negative Entwicklungen und Unwägbarkeiten kämen auf uns zu. "Ich warne nachdrücklich vor den romantischen Illusionen einer neuen D-Mark, denn verhängnisvolle Entwicklungen wären die Folge", sagte Gerke. Nicht zuletzt spiele der Euro als Gemeinschaftswährung eine bedeutende Rolle für ein friedliches Miteinander in Europa, gab der Wissenschaftler den Zuhörern einen wichtigen Gedanken mit auf den Heimweg.