Justingen Die "Krone" ist jetzt Geschichte

Justingen / ELISABETH SOMMER 06.08.2012
Die Stadt Schelklingen hat jetzt die ehemalige Justinger Gastwirtschaft "Krone" abreißen lassen. Pünktlich vor der Einweihung des Feuerwehr-Neubaus ist das Gebäude weg, das eine lange Geschichte hat.

Das einstige Gasthaus "Krone" ist in Justingen dem Erdboden gleichgemacht worden. Nach geschätzten 200 Jahren Bestand fiel das Wirtshaus im Zentrum des Ortes an der Kirchstraße innerhalb weniger Tage dem Bagger zum Opfer - für 21 000 Euro. Damit ist der Plan des Ortschaftsrats erfüllt, der bei der Stadt Schelklingen zwar nicht unumstritten war, aber mehrheitlich unterstützt wurde, zur Einweihung des Feuerwehr-Gerätehauses zum Monatswechsel eine freie Sicht auf den Neubau bieten zu können.

Vor acht Jahren hatte der letzte Besucher in der "Krone" ein Bier getrunken. Josefine Gauß war damals die letzte Wirtin. Zwar schon 83-jährig, verstarb sie doch unerwartet schnell, erinnern sich die Justinger. Sie war die letzte in der Reihe ihrer Geschwister, die die "Krone" bewirtschafteten. Bruder Max Gauß war Mitte der 80er Jahre gestorben, Schwester Amalie Ende der 60er.

Die Initialen W.G. und die Jahreszahl 1930 zierten bis zum Abriss die Eingangstür, dies erinnerte an den Vater und vorherigen Krone-Wirt Wilhelm Gauß. Besonders stolz war man in der "Krone" auf den prominenten Onkel, den Pfarrer und Landtagsabgeordneten Max Gauß. Er war in Justingen geboren worden und 1931 in Heilbronn gestorben.

"Hier war immer ein Tisch mit Leuten besetzt", erinnert sich Theodor Unmuth, der Ehemann der letzten Nachkommin der "Krona-Wirts" am Ort. Seine Frau hing sehr an der Heimat, deshalb ließ ihr Ortsvorsteher Fritz Nägele auch nach dem Verkauf einen Hausschlüssel, um die Heimat besuchen zu können. Als Waisenkind aus Stuttgart war Elisabeth Unmuth bei den Verwandten aufgenommen worden.

Vor zwei Jahren verkaufte die Erbengemeinschaft das Areal an die Stadt Schelklingen als geeignete Fläche für den Gerätehaus-Neubau. Das Haus war dann vorübergehend als Dorfgemeinschaftshaus im Gespräch, was die Erbengemeinschaft wohlwollend zur Kenntnis nahm. Doch die Bausubstanz erwies sich als marode. "Natürlich finden wir den Abriss schade. Aber im ersten Stock gab es nur ein Fachwerk. Mich wundert, dass da früher keiner erfroren ist", meint Unmuth.

Im Saal über der Wirtschaft wurden bis vor 40 Jahren große, meist öffentliche Hochzeiten gefeiert, es gab Theater vom Albverein oder mit dem Pfarrer als Leiter, oder Fasnetsbälle. "Krone", "Rössle", "Frohe Aussicht" und "Sonne" gab es einmal in Justingen - und die sind jetzt alle Geschichte. Der "Adler" ist derzeit nur für angekündigte Gesellschaften offen. Zum Einkehren geht man jetzt in die Pizzeria "Da Toni".

Das Wirtschaftsschild hat der Ortsvorsteher sichern lassen, die stattliche, schmiedeeiserne Krone, die an einem Metallarm am Haus hing. Der Bauhof hat sie abgebaut und das schätzungsweise 100 Kilogramm schwere Erinnerungsstück auf der Schulbühne verstaut.

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