Fett Dicke sind nicht kränker als Dünne

Allmendingen / Christina Kirsch 26.10.2016

Dicke leben länger, sagte  Dr. Dietmar Schubert, Sportmediziner und Bewegungsexperte zu Beginn seines Vortrags. Das sei US-Nierenärzten aufgefallen, aber noch nicht in der breiten Öffentlichkeit angekommen. „Das sichtbare Fettgewebe bedroht uns nicht“, sagte Schubert punktete damit bei seinen Zuhörern. Der Blick in den Spiegel verdürbe oft die Stimmung, „weil wir nicht wissen, dass uns das Fettgewebe direkt unter der Haut schützt“. Für gefährlich hält Schubert nur das Fettgewebe um die Organe.

„Wer keinen Bluthochdruck hat, keinen Zucker und keine Arthrose, der sollte so bleiben, wie er ist“, empfahl der Referent. „Auch dann, wenn er glaubt, zu dick zu sein.“ Man müsse sich nicht das Unterhautfettgewebe für teures Geld absaugen lassen, „denn unser braunes Fettgewebe schützt uns“. Das sei jedoch kein Freifahrschein für Völlerei, bremste der Referent und plädierte für mehr Bewegung. „Sport ist nicht dazu da, um schneller laufen zu können. Sport ist dazu da, um uns glücklich zu machen“, sagt der Mediziner, der auch das Team Urspring betreut.

Das glücklich machende Serotonin werde im Gehirn gebildet, „wenn wir gut gegessen und uns bewegt haben“. Ganz wichtig für die Regeneration sei ausreichend Schlaf. Im Schlaf werde das schädliche, viszerale Fett abgebaut. Und auch wenn das Trio aus Ernährung, Bewegung und Schlaf gut vorhanden sei, „brauchen Sie noch das menschliche Feedback“. Ohne soziale Kontakte falle der selbstbewussteste Mensch wie ein Häufchen Elend in sich zusammen.

Den gefürchteten Body-Mass-Index solle man besten gleich zerreißen und wegwerfen, empfahl Schubert. Als Übergewicht definiert der Mediziner, wenn „wir krank am Fettgewebe sind, das um die inneren Organe liegt“. Für Schubert besteht ein Krankheitsrisiko nicht im gängigen Übergewicht, sondern im Stress. „Wir sind hochbedroht von Stress und Einsamkeit“, meinte der Ehinger. Er vertritt die These: „Dass Dicke kränker sind als Dünne ist nur ein fettes Vorurteil der Dünnen.“ Christina Kirsch