Vortrag Der Kampf des Papstes gegen Windmühlen

Öpfingen / Renate Emmenlauer 21.06.2018

Mit Vatikankorrespondent Andreas Englisch hat das Organisationsteam von „Christsein bewegt“ der katholischen Seelsorgeeinheit Donau-Riss und der evangelischen Kirchengemeinde Ersingen in Kooperation mit der VHS Öpfingen einen Papstkenner nach Öpfingen geholt. Journalist Andreas Englisch hat auch mehrere Bücher geschrieben, teils echte „Vatikankiller“. Das Buch „Franziskus – Kämpfer im Vatikan“ ist ein Bestseller.

Zuhörer in den Bann gezogen

Der ausgewiesene Papstkenner nahm die Bühne in Beschlag und zog seine Zuhörer von der ersten bis zur letzten Minute in den Bann. Dabei ging er „ans Eingemachte“ – an die Erlebnisse, die Englisch von den drei Päpsten Johannes Paul II, Benedikt XVI und am eindrucksvollsten von Papst Franziskus gesammelt hat. Was der Referent über den Argentinier Jorge Mario Bergoglio erzählte, wie Franziskus bürgerlich heißt, löste im Publikum manches Schmunzeln und Lachen aus.

Er erzählte Anekdoten über den Kampf des Papstes gegen Windmühlen. Der „Hardliner“ hasse alles Protzige, etwa sich von Kammerdienern und Nonnen bedienen, sich von einem Bediensteten den Knopf im Fahrstuhl betätigen zu lassen oder in einer repräsentativen Prunkwohnung mit Protzküche zu speisen. Stattdessen esse er lieber bescheiden in der Mensa. „Er ist der erste Papst, der alles klerikale Protokoll über den Haufen wirft und das korrupte Machtzentrum der katholischen Kirche aus den Fugen hebt“.

Den großen Eklat habe der Reformer Franziskus schon kurz nach seiner Wahl im Jahr 2013 bei der Ostermesse geliefert, als er anstelle der vorgeschriebenen pompösen Kleidung mit seiner alten Priesterklamotte in der Peterskirche predigte, und jedes Mal einfache Menschen mit auf seine Reisen mitnahm. „Damit ein Papst gegen die Kurie rebellieren kann, braucht er die ganz normalen Menschen, die mit Glauben und Anstand. Franziskus ist der Papst der kleinen Menschen, nicht derer mit Habgier und Hochmut“, sagte der Redner.

So habe dieser manchen Kardinälen „spirituelles Alzheimer“ attestiert und sie als Verbrecher bezeichnet. Franziskus führe seinen Kampf gegen den Teil der Kurie, die verschwenderisch und niederträchtig sei und nenne sie einen Haufen gottloser Bürokraten, die nur auf Machterhalt aus sind. „Der Papst wirft ihnen vor, Christus vergessen zu haben und in spiritueller Leere zu leben“, betont der Journalist. Franziskus habe einen Straßenpriester aus den Slums zum Kardinal und in die Kontrollkommission der vatikanischen Konten berufen.

Mehr Ökumene gewünscht

Am Ende des frei gehaltenen Vortrags sagte Englisch, die Erfahrungen mit den Päpsten, vor allem mit Franziskus, hätten sein Leben bereichert. Vor allem wolle Franziskus, dass die Christenheit zusammenwächst. Der evangelische Pfarrer Gunther Wruck schloss die eindrucksvolle Vatikanreise mit der Hoffnung, auf regionaler Ebene möge sich der Stuttgarter Oberkirchenrat in Richtung Ökumene bewegen, und mit einem gemeinsamen Gebet.

„Für uns ist wichtig, über den eigenen Kirchturm hinaus zu blicken und den Glauben auf vielfältige Weise weiterzutragen und zu verinnerlichen“, hatte Pfarrer Dr. Harald Talgner bei der Begrüßung betont.

Bücher in neun Sprachen übersetzt

Zur Person Nach dem Abschluss des Studiums der Journalistik, Germanistik und Sprachwissenschaften an der Universität Hamburg arbeitete Andreas Englisch als Redakteur für die Bergedorfer Zeitung und das Hamburger Abendblatt. Im Jahr 1987 wechselte er in das Büro des Springer-Auslandsdienstes nach Rom, dessen Leiter er 1992 wurde. Neben seiner Arbeit als Italien- und Vatikankorrespondent schrieb er Romane und Sachbücher wie z. B. den Bestseller »Johannes Paul II. Das Geheimnis des Karol Wojtyla« oder den Longseller »Franziskus – Zeichen der Hoffnung«. Seine Bücher wurden in neun Sprachen übersetzt.

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