Den Begriff Craft Beer hat der eine oder andere schon gehört. Doch was ist Craft Beer eigentlich? Diplom-Braumeister Michael Miller vom Brauerei-Gasthof Schwanen klärt auf: "Einfach ausgedrückt ist Craft Beer handwerklich (craft) gebrautes Bier (Beer)", sagt Miller. Hinter Craft-Bieren stecken jedoch immer Bierspezialitäten, die in relativ kleinen Mengen gebraut werden.

Die US-amerikanische Brauervereinigung definiert Craft Beer als Bier "von einem Brauer, der in kleinen Mengen und unabhängig von Konzernen auf traditionelle Weise braut". Allerdings darf man den amerikanischen Maßstab "in kleinen Mengen" nicht mit der Größe einer Gasthausbrauerei gleichsetzen. Aber zumindest in Ehingen passt die Kombination "Craft Beer" und "kleine Brauerei".

"Ein Craft-Bier ist eine Spezialität, die dem deutschen und internationalen Reinheitsgebot unterliegt", erläutert Michael Miller. In solche Biere kommt, wie in die anderen Biere auch, nur Hopfen, Malz, Wasser und Hefe.

Da es jedoch etwa 50 Malzsorten und rund 300 Hopfensorten auf dem Markt gibt, kann man sich fast selber ausrechnen, wie groß die Variationsmöglichkeiten schon alleine durch die Auswahl der Zutaten sind. Den Unterschied macht seit ein paar Jahren der Hopfen. Denn mittlerweile gibt es eine neue Zuchtgeneration an Hopfen, die so genannten "Flavor hops". "Die haben selektive Aromen", erklärt Michael Miller. Diese Hopfensorten riechen etwa nach Mandarine, nach Honigmelone oder nach Zitrone, wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt. "Für ein typisches Pils oder ein Export sind diese Hopfen jedoch nicht vorgesehen."

Bei Craft-Bier gehe es um die Unterscheidbarkeit eines Bieres von anderen Bieren. Biere mit eigenem Charakter sind Craft Biere. Ein Craft Beer ist ein Bier, dass sich von der Masse abhebt. Und was für die Biere gilt, ist auch bei den Brauereien angesagt. Auch Brauereien brauchen ein Gesicht in der Masse.

Deshalb experimentiert Michael Miller und bringt jeden Monat ein neues "Bier des Monats" heraus, das "extremst" produziert ist, also einen spürbar besonderen Geschmack hat. Im Oktober ist das Bier des Monats ein Schwarzbier.

Dabei müsse man durchaus aufpassen, meint der Biersommelier. Mit einem extrem röstigen Bier könne man nicht jeden begeistern. Das Bier müsse auch immer zu den Speisen passen, weshalb es im "Schwanen" Biermenüs gibt, in denen die Craft-Biere auf das Gericht abgestimmt sind. "Craft-Biere sind eine Möglichkeit, die Leute wieder für Bier zu begeistern", sagt Miller. Denn in Deutschland ging der Bierkonsum trotz Fußball-WM, Biergärten und heißen Sommern in den vergangenen Jahren stetig zurück.

Im "Schwanen" steht ein Kühlschrank mit 30 Bieren von Brauer-Kollegen - vom Ale über ein Stout und ein Porter bis hin zu Starkbier und untergärigem Bier. Die Geschmacksrichtungen ähneln durchaus den Bezeichnungen von Wein-Aromen. Craft-Biere schmecken nach Grapefruit, Almblüten, Tannenhonig, Mandarine, Marille, Bitterschokolade, Kaffee, Vanille oder Zimt. "Craft-Biere wollen anders, außergewöhnlich und ungewohnt sein", sagt Miller. Dabei legen die Brauer keinen Wert darauf, dass diese Biere massentauglich sind.

Craft-Biere sind keine Durstlöscher, die man zum Auffüllen des Wasserhaushalts trinkt. Die kräftigen Aromen seien zu speziell, meint Miller. Craft-Bier ist zwar eine neumodische Bezeichnung für ein Bier, aber die Herstellung ist oft althergebracht und traditionell. Reines Handwerk eben.